Klub-WM - die Zukunft eines schwierigen Wettbewerbs

Die Trophäe der Klub-WM

Klub-WM

Klub-WM - die Zukunft eines schwierigen Wettbewerbs

Von Chaled Nahar

Die Klub-WM 2019 ist die vorletzte im kleinen Format, ab 2021 wird das Turnier mit 24 Mannschaften im Sommer ausgetragen. Der Wettbewerb bleibt aber auch dann auf vielen Ebenen problematisch.

Das Turnier in Katar, bei dem der FC Liverpool aus England und der Flamengo Rio de Janeiro aus Brasilien am Samstag (21.12.2019/18.30 Uhr MEZ) das Endspiel bestreiten, stand vor allem wegen seines Termins in der Kritik. "Wenn man mich vorher gefragt hätte, ob ich eine Klub-WM mitten in unserer Saison für sinnvoll halte, hätte ich nein gesagt", sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp. 2021 wird einiges anders - doch der Wettbewerb behält seine Probleme.

Das Geld: Die FIFA sucht einen Investor

Die FIFA sucht in einem bis zum 19. Dezember 2019 laufenden Bewerbungsverfahren einen Investor, der ihr die Rechte an dem Turnier zu einem großen Teil abkaufen soll. Die FIFA hätte damit eine weitere Einnahmequelle, bislang ist die WM der Nationalmannschaften der Goldesel des Weltverbands. Die Einnahmen aus der neuen Klub-WM will die FIFA "an die gesamte Fußballgemeinschaft" ausschütten, heißt es.

Das Format: Geldgeber hat Einfluss

Dieser Investor soll für sein Geld aber bei künftigen Auflagen des Turniers laut Medienberichten Vorschläge für alternative Turnierparameter unterbreiten können, "einschließlich der Häufigkeit, des Formats, der Qualifikationsmodalitäten und der beteiligten Teams".

Damit kann der Geldgeber Einfluss auf wichtige Rahmenbedingungen nehmen: Bislang ist ein Vier-Jahres-Rhythmus beschlossen, die berichteten Pläne ließen aber auch eine häufigere Austragung zu. Auch eine Qualifikation zugunsten stärkerer Teams mit größeren Stars für eine bessere Vermarktung ist dadurch denkbar. Die Endrunde soll zunächst mit 24 Mannschaften ausgetragen werden, die in acht Dreiergruppen acht Teilnehmer der Viertelfinalspiele ermitteln sollen, wie der FIFA-Rat beschloss.

Die Teilnehmer: Acht oder zwölf Teams aus Europa

Die UEFA steht dem Turnier Medienberichten zufolge mittlerweile etwas aufgeschlossener gegenüber, die Klubvereinigung ECA soll weiter dagegen sein. Unklar ist, wie viele Teams aus Europa teilnehmen werden. Zwölf wünscht sich angeblich die FIFA, die UEFA will demnach nicht mehr als acht stellen. Sollte es bei acht bleiben, kämen wohl noch sechs aus Südamerika hinzu. Damit wäre der Großteil der Plätze verteilt.

Die Qualifikation: Champions-Leaguer-Sieger 2018 - 2021 wohl dabei

Je nachdem, wie viele Teams aus Europa mitspielen, werden diese wohl auf Basis ihrer Leistungen in der Champions League und der Europa League ausgewählt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass die vier Sieger der Champions League von 2018 bis 2021 als Teilnehmer vorgesehen seien. Weitere vier Mannschaften könnten sich als unterlegene Finalisten der Champions League oder als Sieger der Europa League qualifizieren. Die Qualifikation ist also schon im vollen Gange.

Die Menschenrechte: Die FIFA geht von Katar nach China

Die beiden letzten Versionen der Klub-WM 2019 und 2020 werden in Katar auch als Testlauf für das Turnier der Nationalmannschaften 2022 ausgetragen. Die WM 2022 wird oft kritisiert, vor allem wegen der Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe, der Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, der Ausbeutung von Gastarbeitern oder der mangelnden Pressefreiheit in Katar.

Die Klub-WM 2021 vergab der FIFA-Rat einstimmig nach China. Dort ist die Lage der Menschenrechte anders, aber kaum besser. Der Umgang mit der Minderheit der Uiguren, die Unterdrückung von Protesten in Hongkong, die Konflikte um Taiwan und Tibet, aber auch willkürliche Inhaftierungen, fehlende Pressefreiheit oder die massenhafte Vollstreckung von Todesstrafen in Chinas Diktatur werden von Menschenrechtsorganisationen kritisiert.

"Human Rights Watch" mahnte im November an, dass es kein öffentliches Vergabeverfahren gegeben und die FIFA damit gegen ihre eigenen Menschenrechtsverpflichtungen verstoßen habe. Darin heißt es beispielsweise, dass die Lage der Menschenrechte bei der Vergabe von Turnieren berücksichtigt werden solle. In der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" liegt China derzeit auf Rang 177 von 180, dahinter befinden sich nur noch Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan.

Die Termine: Große Belastung für einige Spieler

Das Turnier wird wegen der Abschaffung des Confederations Cups an dessen Termin stattfinden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press würde das bedeuten, dass die Spiele zwischen dem 17. Juni und dem 4. Juli ausgetragen werden. Für einige Nationalspieler kann das einen ziemlich anstrengenden Sommer bedeuten. Sowohl der Afrika-Cup, bei dem beispielsweise Liverpools Mohammed Salah für Ägypten mitspielen könnte, und auch der Gold Cup finden im Juli nach der Klub-WM statt.

Vom 3. Juni bis zum 8. Juni finden WM-Qualifikationsspiele in Europa und auch auf anderen Kontinenten statt. Am 22. Mai endet in Deutschland die Saison mit dem DFB-Pokalfinale.

Klopp stellt Sinnfrage zur Klub-WM Sportschau 18.12.2019 01:16 Min. Verfügbar bis 18.12.2020 Das Erste

Stand: 19.12.2019, 12:02

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