Festnahmen im belgischen Fußball - Korruptionsskandal droht

Ivan Leko im Championsleague-Spiel des Club Brügge gegen Atletico Madrid

Auch Trainer des FC Brügge betroffen

Festnahmen im belgischen Fußball - Korruptionsskandal droht

Belgiens Fußball wird von einem Korruptionsskandal ungeahnten Ausmaßes erschüttert. Am Mittwochvormittag (10.10.2018) verhaftete die belgische Polizei prominente Protagonisten der höchsten belgischen Liga, der Jupiler Pro League. Darunter auch Ivan Leko, Trainer von Meister FC Brügge, sowie die bekannten Spielerberater Dejan Veljkovic und Mogi Bayat. Der wohl bekannteste Spieleragent des Landes soll auch der Strippenzieher bei den kriminellen Machenschaften sein. Es geht um Geldwäsche und Spielmanipulationen im großen Stil.

Zudem wurden auch diverse Erstliga-Schiedsrichter, darunter die beiden FIFA-Referees Sebastien Delferiere und Bart Vertenten, in Gewahrsam genommen. Auch der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck sowie ein weiterer Spieleragent wurden abgeführt.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte die großangelegte Razzia mit 44 Durchsuchungen im ganzen Land. Dabei sei Beweismaterial sichergestellt worden. Insgesamt wurden die Räumlichkeiten von zehn Erstligaklubs ins Visier genommen. Dazu zählten der FC Brügge, Rekordmeister RSC Anderlecht, Standard Lüttich und Royal Antwerpen. Insgesamt waren 184 Polizisten in Belgien und 36 Beamte im Ausland an den Durchsuchungen beteiligt.

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"Die Spielabsprachen untergraben die Integrität des Sports"

Justizminister Koen Geens äußerte sich besorgt: "Die Spielabsprachen untergraben die Integrität des Sports. Die Justiz arbeitet an einem fairen Sport." Der Politiker verwies darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen im Kampf gegen die Korruption im Sport gegriffen hätten.

Korruptionsskandal erschüttert belgischen Fußball

Sportschau | 10.10.2018 | 03:33 Min.

Der flämische Sportminister Philippe Muyters fordert via Twitter "volle Transparenz und Kooperation" von den Klubs bei den Ermittlungen. Die vielen sauberen Sportler und die Anhänger hätten das Recht auf einen ehrlichen Sport.

Brügges Präsident glaubt nicht an Schuld des Trainers

Brügges Präsident Bart Verhaeghe sagte der Polizei die volle Unterstützung seines Klubs zu. Er glaubt an die Unschuld seines Trainers Leko, der mit Veljkovic befreundet sein soll, und geht von einem großen Missverständnis aus: "Die Untersuchungen werden zeigen, dass bei uns alles sauber ist. Zudem schützen wir unseren Trainer Ivan Leko, dem nichts vorzuwerfen ist."

Die Kriminalpolizei Limburg hatte mit Unterstützung der Bundesjustizpolizei von Antwerpen, Leuven, Wallonisch-Brabant, Brüssel, Halle-Vilvoordet, Ostflandern, Westflandern, Lüttich und Mons am frühen Mittwochmorgen mit ihren Durchsuchungen begonnen, die im Laufe des Tages anhielten. Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen.

Ermittlungen in 13 weiteren Ländern

Ende 2017 hatte die Abteilung Sportbetrug der Bundespolizei Hinweise auf verdächtige finanzielle Transaktionen in Liga eins erhalten und war denen auf den Grund gegangen. Nach aktuellem Kenntnisstand sind einige Spiele der Saison 2017/18 von einer kriminellen Vereinigung verschoben worden. Auch ein ehemaliger Anwalt und Journalisten seien in den Betrug involviert gewesen, berichten belgische Medien.

Zudem hätten nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in der vergangenen Spielzeit bestimmte Spielervermittler unabhängig voneinander Transaktionen durchgeführt, um so dem Finanzamt Einnahmen aus Provisionen in Bezug auf Spielertransfers, Spieler- und Trainergehältern und anderen Zahlungen vorzuenthalten. In diesem Zusammenhang gab es auch Ermittlungen in 13 anderen Ländern, insbesondere in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro, Serbien und Mazedonien.

sid/dpa | Stand: 10.10.2018, 12:49

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