FC Arsenal: Dank Arteta wieder mit Plan und Richtung

Pierre-Emerick Aubameyang (l.), Mikel Arteta (M.) und Mesut Özil

Vor dem FA-Cup-Finale gegen Chelsea - heute Abend 18:30 Uhr

FC Arsenal: Dank Arteta wieder mit Plan und Richtung

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Beim FC Arsenal geht es unter Trainer Mikel Arteta leicht aufwärts. Doch der Weg zurück an die Spitze ist weit – vor allem ohne teure Transfers. Mesut Özil ist zum Problem geworden. Heute Abend treffen die "Gunners" im Finale des FA-Cups (18:30 Uhr) auf den FC Chelsea.

Selbst bei einem Sieg im FA-Cup-Finale an diesem Samstag (01.08.2020, 18:30 Uhr) wäre die Saison des FC Arsenal ein Misserfolg – diese Ansicht vertreten nicht etwa Fans von Endspielgegner FC Chelsea oder von Arsenals Erzfeind Tottenham Hotspur, sondern Trainer Mikel Arteta persönlich. "Natürlich, wenn wir das Finale gewinnen, können wir sagen, es ist okay. Aber es ist nicht das Level für diesen Verein", sagt der spanische Ex-Profi, der seit Dezember bei den "Gunners" an der Seitenlinie steht. 

Diese Haltung zeigt, warum ihm Arsenals notorisch unzufriedenes Publikum zutraut, den Verein in eine bessere Zukunft zu führen. Arteta legt höchste Ansprüche an, ist kein Schönredner und will dem Klub die Siegermentalität zurückgeben, die in den trüben letzten Jahren unter Arsène Wenger und unter dessen Nachfolger Unai Emery verloren gegangen ist.

Schlechteste Saisonplatzierung seit 1995

Und der Trainer hat Recht: Arsenal hat die gerade beendete Premier-League-Saison mit dem schlechtesten Ergebnis seit 25 Jahren abgeschlossen, nämlich als Tabellenachter, und damit nicht nur die Qualifikation zur Champions League verpasst, sondern sogar die zur Europa League.

Mit dem Gewinn des FA-Cups würde sich der Klub durch die Hintertür noch die Zulassung zum kleineren der beiden Europapokal-Wettbewerbe sichern und hat daher beim Termin im (leeren) Wembley-Stadion mehr Druck als der FC Chelsea, der sich als Tabellenvierter für die Champions League qualifiziert hat. Außerdem wäre der Pokalsieg eine Belohnung für die zarten Fortschritte, die Arsenal unter Arteta macht.

 Tendenz zeigt nach oben

Der (enttäuschende) achte Platz ist immer noch besser als Rang elf. Dort lagen die "Gunners" beim Amtsantritt des Ex-Profis. Zuletzt gab es ein paar Ergebnisse, die auf ein neues Arsenal hindeuten: Das 2:0 bei den Wolverhampton Wanderers Anfang Juli war der erste Auswärtssieg seit 2015 gegen einen in der Tabelle besseren Gegner. Mitte des Monats schlug Arsenal innerhalb einer Woche Meister FC Liverpool in der Liga (2:1) und Manchester City im FA-Cup-Halbfinale (2:0). 

Es war der Sieg des Schülers über seinen Lehrmeister, denn bis Dezember hatte Arteta als Co-Trainer von Pep Guardiola gearbeitet und galt schon als dessen potenzieller Nachfolger. Doch anstatt auf seine Chance bei Manchester City zu einem unbekannten Zeitpunkt zu spekulieren, machte er den riskanten Schritt zu seinem Ex-Klub in Nordlondon. Dort war er schon nach Wengers Abschied 2018 Kandidat, und im Moment zeigt er, warum.

Mustafi profitiert von Arteta - bis er sich verletzt

Arteta hat der orientierungslosen Arsenal-Mannschaft einen klaren Plan vermittelt. Der Trainer setzt auf hohes Pressing und diszipliniertes Positionsspiel. Bei Ballbesitz soll der Ball zügig nach vorne gelangen. Die Abwehr hat der Trainer stabilisiert, auch dank einer Umstellung auf ein System mit drei Innenverteidigern. Neuerdings spielt Arsenal wieder wie eine Mannschaft, nicht wie elf Einzelteile. "Individuell und gemeinsam scheint ein klarerer Sinn für ein Ziel, eine Richtung und einen Glauben vorhanden zu sein", bemerkte der "Athletic".

Zu den Gewinnern unter Arteta gehört der deutsche Innenverteidiger Shkodran Mustafi. Er war in der öffentlichen Betrachtung zu einer Witzfigur geworden mit seinen ständigen Aussetzern, agierte zuletzt aber deutlich zuverlässiger, bis er sich im FA-Cup-Halbfinale verletzte. Neben dem Endspiel wird Mustafi wohl auch die ersten Wochen der neuen Saison verpassen, die am 12. September beginnen soll.

Auch Torwart Bernd Leno musste in den vergangenen Wochen zuschauen. Er war bis zu seiner Knieverletzung im Juni Arsenals bester Spieler neben dem Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang und ist gerade erst ins Training zurückgekehrt.

Spitzenverdiener Özil spielt gar keine Rolle mehr

Unter Arteta gilt ein strenges Leistungsprinzip, Abweichler duldet er nicht. Das verdeutlicht er unter anderem mit der Behandlung Mesut Özils. Der Ex-Nationalspieler hat nach der Corona-Pause keine einzige Minute mehr gespielt, mit wechselnden Begründungen. Eine Zukunft scheint Özil bei dem Klub nicht zu haben, allerdings dürfte es unmöglich sein, ihn zu verkaufen.

Mit 350.000 Pfund Gehalt in der Woche ist er Arsenals Spitzenverdiener und ist nicht an einem Wechsel vor Ablauf seines Vertrags im kommenden Jahr interessiert. "Die Situation hängt wie eine düstere Wolke über dem Emirates-Stadion", schrieb gerade "Goal". Denn das Geld, das der Verein Özil überweist, könnte er gut für Verstärkungen gebrauchen. Die sind nötig, damit Arsenal künftig wieder um andere Trophäen mitspielt als nur um den FA-Cup.

Stand: 31.07.2020, 08:30

Darstellung: