Leere Ränge oder Saisonabbruch: So planen Europas Fußball-Ligen

Premier League verlängert die Spielpause

Corona-Pandemie

Leere Ränge oder Saisonabbruch: So planen Europas Fußball-Ligen

Die DFL arbeitet an der Wiederaufnahme der Bundesliga-Saison. In anderen Ländern könnte es deutlich länger dauern, bis der Ball wieder rollt. Am Donnerstag berät die UEFA über mögliche Saisonabbrüche.

In Deutschland könnte der Spielbetrieb der Bundesliga in wenigen Wochen aufgenommen werden - so wünscht es sich die DFL. In anderen Ländern sind die Verantwortlichen nicht so optimistisch.

Das Exekutivkomitee der UEFA hat am Donnerstag (23.04.2020) beschlossen, dass ein Saisonabbruch in bestimmten Fällen erlaubt ist. Im Falle eines vorzeitigen Saisonendes sollen auf einer "transparenten und objektiven" Basis die Teilnehmer nominiert werden.

Dabei dürften vor allem die bis zum Abbruch erzielten Resultate für eine Teilnahme herangezogen werden. Sofern Mannschaften unterschiedlich viele Spiele absolviert haben, könnte anhand eines Punktedurchschnitts entschieden werden. Als erste Liga hatte Ende März die belgische Pro League wegen der Coronakrise einen Abbruch in Erwägung gezogen, die UEFA drohte daraufhin mit dem möglichen Ausschluss aus Champions und Europa League

PREMIER LEAGUE (England)

Ein Saisonabbruch ist für die Premier League bisher zwar kein Thema. Dem britischen "Guardian" zufolge wird bei einigen Vereinen aber zumindest darüber nachgedacht. Wann wieder gespielt werden kann, ist offen. 92 Spiele müssten noch ausgetragen werden. In den vergangenen Wochen wurde unter anderem über eine Lösung im Turnierstil spekuliert. Die Teams könnten ihre restlichen Partien ohne Publikum an wenigen Orten austragen. Damit wären zumindest die wichtigen TV-Gelder gesichert.

Medienberichten zufolge wollten einige Vereine eine Frist festlegen. Demnach sollte die Saison definitiv vor dem 30. Juni zu Ende gespielt werden. Das gilt aber eher als unrealistisch.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp

Die Clubs waren sich bei einem Online-Meeting allerdings einig, dass sie die Saison in jedem Fall zu Ende spielen wollen. Das dürfte auch im Interesse von Trainer Jürgen Klopp sein. Seinem FC Liverpool fehlen nur noch zwei Siege zur ersten Meisterschaft seit 30 Jahren. Über die Fortsetzung der Saison sagte Klopp bei Sky Sports: "Wir können das nicht erzwingen, und das werden wir auch nicht tun."

LA LIGA (Spanien)

Derzeit wird in Spanien noch diskutiert, wann und ob die Saison in La Liga fortgesetzt werden kann. Das erklärte Ziel der Liga-Verantwortlichen ist es, die Saison zu Ende zu spielen, aller Voraussicht nach vor leeren Rängen.

Rekordmeister Real Madrid schlug darum vor, seine restlichen Spiele außerhalb Madrids auszutragen. Das kleine Trainingsstadion Estadio Alfredo di Stéfano in Valdebebas hat nur rund 6000 Plätze, die für Geisterspiele ohnehin nicht gebraucht würden.

Für den Fall, dass die Spielzeit wider Erwarten abgebrochen werden muss, schlug der spanische Fußballverband RFEF vor, den aktuellen Tabellenstand über die Teilnahme an der Champions League und der Europa League entscheiden zu lassen.

SERIE A (Italien)

In der Serie A soll es möglichst bald weitergehen, obwohl Italien hart getroffen ist von der Pandemie. Die Liga-Verantwortlichen haben schon Pläne für mögliche Geisterspiele gemacht. Dafür wurde die Frist für das Saisonende sogar bis zum 2. August verlängert.

Eine Entscheidung über die Fortsetzung der Saison, in der noch zwölf Spieltage ausstehen, ist am Mittwoch vertagt worden. In den kommenden Tagen sollen erst Gespräche mit Gesundheitsminister Roberto Speranza und dem wissenschaftlichen Ausschuss der Regierung stattfinden, teilte Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora nach einem Treffen mit dem Fußballverband FIGC mit.

Das leere Stadion von Juventus Turin

Der Bezahlsender Sky Italia hat unterdessen einen Preisnachlass für die letzte Rate der TV-Gelder gefordert. Die Serie-A-Klubs lehnen das ab. Die TV-Gruppe, die die Mehrheit der Übertragungsrechte hält, will für die letzten 87 Spiele der unterbrochenen Saison nur die Hälfte der vereinbarten 156 Millionen Euro zahlen.

LIGUE 1 (Frankreich)

In Frankreich strebt der für die Ligue 1 und Ligue 2 zuständige Verband LFP eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 17. Juni an. Wie die LFP am Dienstag mitteilte, habe man sich bereits am 10. April auf einen entsprechenden Plan verständigt. Die Idee ist, die Saison nach Möglichkeit bis zum 25. Juli zu beenden, damit am 22. August die nächste Spielzeit 2020/21 regulär beginnen kann.

Voraussetzung für diese Pläne ist aber zunächst die Lockerung der landesweiten Ausgangsbeschränkungen, die noch mindestens bis zum 11. Mai gelten. Ende April will sich die Regierung von Präsident Emmanuel Macron dazu äußern. Entscheidend sind laut LFP die Bedingungen, unter denen die Spiele hinter verschlossenen Türen stattfinden könnten. Man warte außerdem auf Empfehlungen der UEFA.

Bundesliga (Österreich)

Die Vereine der österreichischen Fußball-Bundesliga haben sich auf ein Konzept für mögliche Geisterspiele geeinigt. Wie die Liga am Freitag (24.04.20) mitteilte, sieht der Plan eine Begrenzung von 200 Menschen in den Stadien vor. Ob die Geisterspiele tatsächlich stattfinden können, liegt nun in der Hand des Sportministeriums.

Die maximal 200 Menschen, die jeweils in ein Stadion dürfen, wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Die Gruppe Rot besteht aus Spielern, Trainern, Betreuern und Schiedsrichtern. Die Gruppe Orange aus Mitarbeitern der TV-Produktion, der Organisation und zum Teil aus weiteren Medienvertretern. Diese Gruppe darf ebenfalls in den Stadioninnenraum, muss aber zur Gruppe Rot Abstand halten. In der Gruppe Gelb sind weitere Medienvertreter und Mitarbeiter der Organisation. Die Mitglieder dieser Gruppe dürfen sich nur im Tribünenbereich aufhalten. Das Konzepts sieht außerdem regelmäßige Tests auf das Coronavirus für die Mitglieder der Gruppe Rot vor.

EREDIVISIE (Niederlande)

In der niederländischen Eredivisie ist die Spielzeit vorzeitig beendet, nachdem Premier Mark Rutte angekündigt hat, dass es bis zum 1. September keine Spiele mehr geben wird - auch nicht ohne Publikum. Der Verband KNVB will am Freitag mit allen Beteiligten beraten, wie die Spielzeit gewertet wird. Vor allem die Frage, wer zum Meister ernannt wird und ob es Auf- und Absteiger gibt, sorgt für Diskussionen.

ANDERE LIGEN

Ein ähnliches Schicksal wie in den Niederlanden droht der Liga in Belgien. Voraussichtlich am Montag werden die Clubs eine endgültige Entscheidung über einen vorzeitigen Abbruch der Saison treffen. Zuvor wird am Freitag eine Erklärung der belgischen Regierung zu Massenveranstaltungen erwartet. Die Liga-Kommission hatte schon Ende März vorgeschlagen, die Spielzeit aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht fortsetzen.

Auch in Schottland gilt ein Saisonabbruch als wahrscheinlichste Option. Regierungschefin Nicola Sturgeon äußerte sich selbst mit Blick auf Geisterspiele skeptisch. Der Fokus der Vereine liegt indes schon auf der nächsten Spielzeit mit neuen lukrativen TV-Verträgen. Auch über eine Aufstockung der Premiership von zwölf auf 14 Vereine, eventuell sogar dauerhaft, wird momentan diskutiert.

Vergleichsweise unproblematisch ist die Lage in Schweden, wo die Saison üblicherweise von März oder April bis November dauert. Nachdem der ursprünglich für den am 4. April geplante Start der Allsvenskan wegen der Coronavirus-Krise verlegt werden musste, soll die Liga nun am 14. Juni starten, und das sogar mit Publikum. In Schweden sind derzeit Versammlungen von bis zu 50 Menschen erlaubt. Die Liga hofft, ab Mitte Mai zu wissen, ob Zuschauer zugelassen werden können.

red/sid/dpa | Stand: 24.04.2020, 17:49

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