Europas Fußballer des Jahres - van Dijk hofft auf einmalige Ehre

Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Virgil van Dijk

Ehrung der UEFA

Europas Fußballer des Jahres - van Dijk hofft auf einmalige Ehre

Im Rahmen der Auslosung der Gruppenphase der Champions League präsentiert die UEFA am Donnerstag Europas Fußballer des Jahres. Liverpools Abwehrstar Virgil van Dijk macht sich berechtigte Hoffnung. Aber was ist so eine Wahl eigentlich wert?

Virgil van Dijk macht gar keinen Hehl, wer sein Vorbild war. Wird der Abwehr-Star des FC Liverpool nach seinem Idol aus Kindheitstagen gefragt, nennt er Brasiliens legendären Stürmer-Star Ronaldinho. Offensivkünstler sind es eben, die meist die jungen Fußballfans begeistern.

Und so ist es auch kein Wunder, dass sich Cristiano Ronaldo und Lionel Messi seit Jahren bei den Einzelauszeichnungen abwechselten. Doch diesmal hat der Abwehrspieler van Dijk gute Karten, in diese Phalanx einzubrechen.

Im Rahmen der Auslosung der Champions-League-Gruppenphase am Donnerstag (29.08.2019, 18.00 Uhr) wird in Monaco von der UEFA auch Europas Fußballer des Jahres gekürt. Der Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft tritt dabei natürlich auch gegen Messi und Ronaldo an.

Machtkämpfe von FIFA und UEFA

An der Abstimmung beteiligen sich die 80 Trainer der Teilnehmer an den vergangenen Spielzeiten in Champions- und Europa-League sowie 55 Journalisten der UEFA-Mitgliedsverbände. In dieser Form wird die Preisverleihung seit 2011 vorgenommen und entstand auf Anregung von UEFA-Präsident Michel Platini, der die Tradition zur zwischenzeitlich abgeschafften Wahl von Europas Fußballer des Jahres wiederbeleben wollte, die seit 1956 unter der offiziellen Bezeichnung Ballon d’Or von der französischen Fußballzeitschrift "France Football" durchgeführt wurde.

Vor zehn Jahren wurde es kompliziert mit den Auszeichnungen der besten Ballartisten: 2010 verschmolz die Kür zum Weltfußballer der FIFA auf einmal mit dem Ballon d’Or zum FIFA Ballon d’Or, so dass es keine Auszeichnung der ausschließlich in Europa spielenden Fußballer mehr gab. Das sorgte für einige Irritationen. Letztlich spielten die Machtkämpfe von FIFA und UEFA um die Deutungshoheit im europäischen Klubfußball in diese Thematik.

Es gibt drei große Auszeichnungen

Seit 2016 organisiert die französische Zeitschrift die Auszeichnung zum Ballon d’Or wieder allein. Einfacher Grund: Der Vertrag war ausgelaufen, die Verlagsgruppe, die "France Football" herausgibt, und die FIFA machen seitdem wieder ihr eigenes Ding. "France Football" vergibt wie vor 2009 den Ballon d'Or – und der Goldene Ball ist bei den Profis und beim Publikum immer noch anerkannt.

Parallel kürt die FIFA weiterhin einen FIFA-Weltfußballer, einfach nur "The Best" genannt. Der Weltverband lässt zu je einem Viertel Journalisten, Fans und die Cheftrainer sowie die Spielführer aller Nationalteams abstimmen. Allzu groß sind die Unterschiede am Ende nicht. Beim Ballon d’Or gewann 2018 Luka Modric vor Cristiano Ronaldo und Antoine Griezmann, beim FIFA-Weltfußballer lag Modric ebenfalls vor Ronaldo, nur holte sich Mohamed Salah hier den dritten Rang. Stellt sich die Frage, was diese Auszeichnungen wirklich zählen?

Klopp ist voll des Lobes

Klar ist: Persönliche Preise erhöhen den Marktwert gerade bei Sponsorenverträgen, die auf den Einzelspieler bezogen sind. Van Dijk machte nach seinem Wechsel am 1. Januar 2018 an die Anfield Road zunächst als teuerster Abwehrspieler der Welt von sich reden, der die "Reds" immerhin 84 Millionen Euro kostete.

Der Niederländer mit dem dunklen Haarzopf kann nun für die anstehende Wahl mit einem besonders starken Pfund wuchern: Der 27-Jährige hat in der abgelaufenen Saison unter Teammanager Jürgen Klopp die Champions League gewonnen und überragte mit seinen erstaunlich beweglichen 1,93 Metern im Abwehrzentrum. Klopp nennt ihn liebevoll seinen "Räumpanzer".

Die anderen beiden legten sich hingegen beim Toreschießen ins Zeug: Ronaldo machte sechs Champions-League-Treffer und Messi gar zwölf, doch für Juventus Turin und den FC Barcelona war im Viertel- beziehungsweise Halbfinale Schluss. Die Gelegenheit also für van Dijk, für den Klopp nur Lob übrig hat. "Ich könnte ein Buch schreiben über seine Fähigkeiten, seine Stärke, wie sehr ich ihn mag, und was für eine fantastische Person er ist."  

Spielt Ronaldo wieder beleidigte Leberwurst?

Es ist anzunehmen, dass gerade Platzhirsch Ronaldo, der trotz Nominierung im Vorjahr die Verleihung schwänzte, von einem Sieger van Dijk nicht begeistert sein dürfte. 2006 war der Weltmeister Fabio Cannavaro mit dem Ballon d'Or als bislang letzter Abwehrspieler ausgezeichnet worden.

Kürzlich erst hatte sich Ronaldo über die hohen Ablösesummen für Defensivspieler beschwert. "Nicht einverstanden" sei er mit den Summen, die Innenverteidiger und Torhüter kosten würden, hatte der 2018 für 117 Millionen Euro von Real Madrid zu Juve gewechselte Superstar gesagt.

Gar nicht schmecken dürfte "CR7" die Tatsache, dass van Dijk seinen ewigen Rivalen Lionel Messi schätzt: "Es ist ziemlich offensichtlich. Ich denke, er ist der beste Spieler der Welt - und er hat das gewisse Etwas, das er über die letzten Jahre gezeigt hat."

Stand: 28.08.2019, 08:21

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