Verstummt der Jubel in der Premier League?

Jubel beim FC Chelsea

19. Spieltag

Verstummt der Jubel in der Premier League?

Von Dorian Aust

In Großbritannien grassiert Corona wie nirgendwo in Europa. Das Milliardengeschäft Premier League läuft ungeachtet weiter. Die Kritik wird lauter - vor allem am Torjubel.

Als sich am Donnerstagabend (14.01.2021) der FC Arsenal und Crystal Palace mit einem torlosen Remis trennten, war das sportlich für beide Seiten keine außerordentlich erfreuliche Nachricht. Das einzig gute an dem Ergebnis: Es gab überhaupt gar keine Chance, neues Öl ins Feuer der aktuellen Fußballdiskussion im Königreich zu gießen.

Seit einigen Tagen wird auf der Insel kontrovers darüber diskutiert, ob Profifußballer Tore weiterhin gemeinsam bejubeln sollten oder nicht. Eine erneute Saisonunterbrechung wie zuletzt im März scheint trotz der dramatischen Corona-Lage im Land zunächst vom Tisch.

Hochansteckende Mutation

In Großbritannien wurden am Donnerstag knapp 49.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet - der landesweite Inzidenzwert liegt bei über 580. Auch wenn diese Kennzahlen in den vergangenen Wochen teilweise noch höher lagen, ist die Situation im Land dramatisch. Die Krankenhäuser platzen aus allen Nähten - das mutierte Coronavirus hält das gesamte Königreich in Atem.

Ungeachtet dessen, was in den Kliniken passiert, läuft die Fußball-Maschinerie jedoch weiter. Zwar werden auch immer häufiger Profis positiv getestet, Spiele müssen verlegt werden, und in der Folge ist der Spielplan zerstückelt - so lange aber keine Saisonunterbrechung durch die Politik erfolgt, wird die Premier League weiterspielen. Das Geschäft soll am Laufen gehalten werden. Im Fokus steht deshalb vielmehr die Vorbildfunktion der Profis und deren Außenwirkung.

"Der Fußball sollte unterbrochen werden"

"Jeder in diesem Land musste die Art und Weise mit Menschen zu interagieren und zu arbeiten ändern. Fußballer dürfen keine Ausnahme sein", twitterte Nigel Huddleston, Member of Parliament der Conservatives.

Auch James Calder, unabhängiger politischer Berater für die Rückkehr des Profisports in England, zeigte sich besorgt. Der "Daily Mail" sagte er, der Sport müsse wachsamer sein. "Nur weil man an einem Tag einen negativen Test hat, heißt das nicht, dass man am nächsten nicht Corona hat und infektiös ist", so Calder.

Der ehemalige Chef der FA, David Bernstein (2011-2013), wurde deutlicher: "Jubelnde und sich umarmende Spieler auf dem Platz sind für mich ein weiterer Grund, warum ich glaube, dass der Fußball unterbrochen werden sollte."

Jubelverbot beim FC Chelsea

Der aktuelle Premier-League-Boss Richard Masters hat den Ernst der Lage offenbar begriffen. Masters wandte sich unter der Woche an die Vereine. In seinem Brief beschrieb er "besorgniserregende Szenen" im FA Cup. Der Verband veröffentlichte zudem ein überarbeitetes Corona-Protokoll für Spieltage und wies darauf hin, dass "Handshakes, High-Fives und Umarmungen verhindert werden müssen". Social Distancing beim Torjubel also.

Chelsea-Trainer Frank Lampard betonte daraufhin die Emotionalität des Spiels und versicherte, seine Spieler würden nicht absichtlich das Falsche tun. Lampards Maßnahme ist ein Jubelverbot, allerdings nur im Training. "Wir arbeiten in aller Ernsthaftigkeit daran, die größtmögliche soziale Distanzierung auf dem Trainingsgelände zu haben." Ein Jubel im Training sei sicher leichter zu unterbinden, als wenn ein Spieler "den Siegtreffer in einem Premier-League-Spiel erzielt".

(Noch) keine Strafen

Ancelotti zieht sich seinen Mund-Nasenschutz auf

Ancelotti zieht sich seinen Mund-Nasenschutz auf.

Aber auch nach dem Jubelverbot bei Werner, Havertz und Co. und dem Verweis der FA, die Umarmungen zu unterlassen, gibt es weiterhin kein entsprechendes Regelwerk oder Sanktionen.

"Genauso wie Schiedsrichter gelbe Karten geben, wenn Spieler ihre Trikots ausziehen, könnten sie das hier doch auch tun", sagte der Vorsitzende des britischen Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport, Julian Knight, gegenüber Reuters. "Es ist sicherlich unsportlich das Risiko einzugehen, dass jemand anderes Covid-19 bekommen könnte", fordert Knight ein Umdenken. Damit dürfte die Diskussion um Strafen eröffnet sein.

Zumal es andere Verbände bereits vor geraumer Zeit vorgemacht haben. Die britische Rugby League stellte bereits Ende August ein Strafmaß vor. Bei jedem Verstoß gegen Hygienevorschriften drohen dem jeweiligen Spieler oder Staffmitglied zwei Wochen Pause - die gleiche Zeitspanne wie auch die übliche Quarantäne.

Stand: 15.01.2021, 15:20

Darstellung: