Non-League Day - raus aus dem Schatten der Premier League

Der Boundary Park am frühen Abend

England feiert die Amateure

Non-League Day - raus aus dem Schatten der Premier League

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Die Premier League fasziniert weltweit ein Millionenpublikum. Der Non-League Day will darauf aufmerksam machen, dass es neben dem großen Fußball in England auch noch den kleinen gibt - und wird von den Profis unterstützt.

Im Juli 2010 fuhr James Doe seinem Lieblingsverein zu einem Testspiel in der Provinz hinterher. Der Londoner Zweitligist Queens Park Rangers trat bei einem Klub namens Tavistock AFC an. Die Partie war eine große Sache für den kleinen Gegner, wie Doe feststellte: “In der ganzen Stadt wurde dafür geworben. Die Zuschauereinnahmen haben dem Verein wahrscheinlich durch die Saison geholfen.”

Kurze Zeit später besuchte er den Amateurklub, zu dem er in seiner Zeit als Teenager immer gegangen war, den Harrow Borough FC. Der Verein sammelte gerade Geld für neue Glühbirnen für die Flutlichtanlage. “Das fand ich bemerkenswert. Ich hätte gedacht, dass solche Kosten Routine wären”, sagt er. Nach seinen Ausflügen zu unterklassigen Vereinen entschied er sich, etwas für den Amateurfußball in England zu tun. Er erfand den Non-League Day

Stehplätze, Bier - und das Fernsehen ist auch da

Die Heimspielstätte von Ebbsfleet United

Die Heimspielstätte von Ebbsfleet United

An diesem Tag, der jetzt am Wochenende zum neunten Mal stattfindet, wird in ganz England der Fußball in den unteren Ligen gefeiert. Der Fußball, bei dem die Spieler aus Lust am Spiel spielen und kein großes Geld zu verdienen ist. Der Fußball, bei dem die Eintrittskarten nur ein paar Pfund kosten. Der Fußball, bei dem es Stehplätze und Bier gibt. Der Fußball, der im Schatten der Premier League steht, die an jedem Wochenende ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt fasziniert. 

Der Non-League Day findet immer in der Länderspielpause im Spätsommer oder im Herbst statt und ist für die unteren Ligen ein regulärer Spieltag. An diesem Tag erhält der Amateurfußball überregionale Aufmerksamkeit, weil das Fernsehen und die nationalen Zeitungen berichten und sich die Vereine besondere Aktionen einfallen lassen.

Vereine lassen sich was einfallen

Bei West Didsbury & Chorlton zum Beispiel, einem Neuntligisten aus dem Süden Manchesters, gab es im vergangenen Jahr für alle Besucher mit Hund ermäßigten Eintritt. In diesem Jahr hat der Verein Freikarten an lokale Wohltätigkeitsorganisationen verteilt. “Wir wollen das Herz der Community sein. Der Tag ist eine Möglichkeit für Klubs wie uns, neue Zuschauer zu gewinnen”, sagt Vereinspräsident Glyn Meacher.

Die Besucherzahlen sind am Non-League Day bei vielen Klubs höher als an normalen Spieltagen. In anderen Ländern gibt es mittlerweile ähnliche Veranstaltungen, auch in Deutschland. Viele Fans sind genervt von den kommerziellen Auswüchsen des Profifußballs und entdecken die Amateure für sich. 

Topklubs machen Werbung für Amateurfußball

Der Non-League Day sieht sich allerdings nicht als Protest gegen die Premier League. Im Gegenteil, die englischen Topklubs helfen sogar, dem Tag Aufmerksamkeit zu verschaffen, “sei es, dass Manchester City seinen sechs Millionen Twitter-Followern mitteilt, welche Spiele am Non-League Day in der Gegend stattfinden, sei es ein Beitrag im Stadionmagazin des FC Liverpool oder sei es, dass Arsenal seinen Mannschaftsbus an einen Klub vor Ort für die Fahrt zum Auswärtsspiel ausleiht”, wie Initiator Doe berichtet.

Seiner Meinung nach gilt deshalb: “Je größer die Premier League wird, desto mehr Werbung bekommt unsere Botschaft.” Die Botschaft lautet, dass es neben dem großen Fußball auch noch den kleinen gibt. Und dass es Vereine gibt, die sich schon schwer damit tun, genug Geld für die Fluchtlichtanlage aufzutreiben.

Stand: 11.10.2018, 08:00

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