Leicester City trauert um seinen bescheidenen Gönner

Vichai Srivaddhanaprabha

Klubbesitzer Srivaddhanaprabha stirbt bei Absturz

Leicester City trauert um seinen bescheidenen Gönner

Von Michael Ostermann

Der Schock sitzt tief bei Leicester City: Klubbesitzer Vichai Srivaddhanaprabha starb bei einem Helikopterabsturz neben dem Stadion. Der thailändische Milliardär war, anders als die meisten Investoren im englischen Fußball, sehr beliebt.

Es war ein Märchen, eines wie es im modernen Fußball eigentlich nicht mehr vorgesehen ist. Als das kleine Leicester City, vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt, 2016 den Titel in der Premier League gewann und dabei die Branchenriesen Manchester City, Manchester United, den FC Chelsea und den FC Liverpool hinter sich ließ, sorgte das weltweit für Aufsehen. Den Fans gab der Coup den Glauben daran zurück, dass der Fußball unvorhersehbar ist und nicht alleine das Geld für Erfolg sorgt.

Vermögen mit Duty-Free-Läden

Wobei es natürlich auch in Leicester nicht ganz ohne Geld ging. Der Mann hinter diesem Überraschungserfolg war Vichai Srivaddhanaprabha. Der Milliardär aus Thailand hatte den darbenden Traditionsklub 2010 für 39 Millionen Pfund Sterling gekauft und im Februar 2011 auch die Klubführung übernommen. Sein Sohn Aiyawatt übernahm den Posten des Vize-Präsidenten. 2014 stieg der Klub in die Premier League auf. Das Investment in den Klub war ein lohnendes Geschäft. Der Wert des Klubs hat sich in den acht Jahren, in denen Srivaddhanaprabha die "Füchse" anführte, verzehnfacht.

Trauer in Leicester um Vichai Srivaddhanaprabha

Sportschau | 29.10.2018 | 03:09 Min.

Sein Vermögen machte Srivaddhanaprabha mit Duty-Free-Läden. Angefangen hatte er 1989 mit einem bescheidenen Laden in Bangkok, heute besitzt die Kette King Power ein Quasi-Monopol. Die Konkurrenz hat kaum Chancen gegen die Übermacht. Srivaddhanaprabha profitierte bei seinem Aufstieg auch von der Nähe zur Politik. Das exklusive Recht für seine Duty-Free-Shops am Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok erhielt er 2006 vom damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, ein Telekommunikations-Unternehmer, der eine Zeit lang auch Besitzer von Manchester City war. Auch den Sturz Thaksins und den Militärputsch im Mai 2014 überstand Srivaddhanaprabha unbeschadet.

Großzügig nicht nur im Klub

Das "Forbes"-Magazin führte ihn zuletzt mit einem geschätzten Vermögen von 4,3 Milliarden Euro auf Rang fünf der reichsten Personen in Thailand und auf Rang 388 weltweit. Männer wie Srivaddhanaprabha sind den traditionsbewussten Fußballfans in der Regel ein Dorn im Auge, doch anders als die russischen Oligarchen und US-Milliardäre, die in den englischen Fußball investieren, war der Milliardär aus Asien äußerst beliebt. Ihm schien es wirklich um den Klub zu gehen und nicht um Profit. Es sei schwierig, ihn überhaupt zu kritisieren, sagte der Vorsitzende der unabhängigen Fanvereinigung "Foxes Trust", Ian Bason, schon 2016 im "Guardian" über den Klubbesitzer: "Er hat das Erbe des Klubs immer respektiert."

Srivaddhanaprabha zeigte sich zudem großzügig, nicht nur gegenüber den Fußballern, denen er nach dem Titelgewinn Luxusautos im Wert von je 100.000 Pfund schenkte. Zu seinem Geburtstag spendierte er den Fans im Stadion regelmäßig Freibier und Kuchen. Aber auch abseits des Klubs spendete der öffentlich stets bescheiden auftretende Srivaddhanaprabha einen Teil seines Reichtums. So vermachte er dem örtlichen Kinderkrankenhaus zwei Millionen Pfund und unterstützte die medizinische Fakultät der Universität Leicester mit einer Million Pfund.

Königshaus kondoliert

Dementsprechend groß ist in der Stadt nun die Anteilnahme nach dem tragischen Tod Srivaddhanaprabhas, dessen Hubschrauber am Samstag (27.10.2018), eine Stunde nach dem Abpfiff der Partie gegen West Ham, neben dem Stadion abstürzte. Keiner der fünf Insassen überlebte das Unglück. Der Klub bestätigte den Tod des Präsidenten am späten Sonntagabend. "Mit tiefstem Bedauern und gebrochenem Herzen bestätigen wir, dass unser Klubchef unter den Opfern ist, die auf tragische Weise ihr Leben verloren haben. Die Welt hat einen großartigen Mann verloren. Einen Mann voller Freundlichkeit und Großzügigkeit. Er hat Leicester geführt wie seine Familie", hieß es in einer Erklärung.

Auch das englische Königshaus kondolierte. "Meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden von Vichai Srivaddhanaprabha und den weiteren Opfern des schrecklichen Unfalls", teilte Prinz William mit, der zudem Präsident des englischen Fußballverbands (FA) ist: "Ich hatte das Glück, Vichai seit ein paar Jahren zu kennen. (...) Er hat einen so großen Beitrag zum Fußball geleistet." Seinen letzten Beitrag für seinen Klub Leicester City hatte er kurz vor seinem Tod auf den Weg gebracht. Erst vor wenigen Tagen wurde ein neuer, 100 Millionen Pfund teurer Trainingskomplex genehmigt. Vichai Srivaddhanaprabha wurde 60 Jahre alt.

Stand: 29.10.2018, 11:51

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