Leicester City - besser als im Meisterjahr

Leicester Citys Trainer Brendan Rodgers (l.) gratuliert Jamie Vardy (r.)

Premier League

Leicester City - besser als im Meisterjahr

Von Jannik Schlüter

Vor drei Jahren hat Leicester City als Meister der Premier League ein Fußballmärchen geschrieben. Seitdem wurde es ruhiger, Leicester versank im Tabellenmittelfeld. Drei Trainer später sind die "Foxes" wieder da, sogar stärker als im Meisterjahr.

Die Mannschaft von Trainer Brendan Rodgers klopft hinter Liverpool und Manchester City ganz oben an. Am Samstag (09.11.2019) steht das Spiel gegen den FC Arsenal an  (18.30 Uhr, im Live-Ticker bei sportschau.de), einen direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze.

Es war die Geschichte des Fußballjahres 2016. Leicester City, das erst zwei Jahre zuvor in die Premier League aufgestiegen war, kämpfte gegen  den Abstieg, stand am 30. Spieltag auf dem letzten Platz. Ein Jahr später waren die "Foxes" dann plötzlich ganz oben. Ihre Namen wurden schlagartig bekannt: Jamie Vardy, Ryiad Mahrez und N´Golo Kanté. Begehrt wurden sie auch. Der FC Chelsea kaufte Kanté, Manchester City holte Mahrez.

Einmal Zwölfter, zweimal Neunter

Trotzdem: Die Qualität der Mannschaft blieb auch in den Folgejahren gut, Leicester investierte dafür viel Geld in neue Spieler: Für Slimani, Musa und Ndidi flossen über 60 Millionen britische Pfund. Später kamen Silva, Ihenacho und Maddison. Doch der Zauber schien verschwunden, in den drei Spielzeiten nach der Meisterschaft wurde Leicester einmal Zwölfter, zweimal Neunter.

Vor der aktuellen Saison musste Leicester seinen Abwehrchef Harry Maguire zu Manchester United  ziehen lassen, kassierte dafür allerdings auch mehr als 80 Millionen Euro.

Vieles deutete auf eine weitere Saison im Mittelmaß hin, jetzt aber stehen die "Foxes" auf dem dritten Platz der Premier League, vor Arsenal, vor Chelsea, weit vor United. Leicester hat nach elf Spieltagen 23 Punkte, einen mehr als zum gleichen Zeitpunkt in der Meistersaison. Was sind die Gründe für den Höhenflug?

Neuer Abwehrchef aus Freiburg

Dass Maguire fehlt, fällt nicht auf. Im Gegenteil: Leicester stellt zusammen mit Sheffield United die beste Defensive der Liga. Ein Grund dafür ist ein ehemaliger Freiburger. Caglar Söyüncü, der in seiner Premierensaison oft Lehrgeld bezahlen musste, avanciert an der Seite von Dauerbrenner Johnny Evans zum neuen Leader in der Abwehr, hat noch keine Minute verpasst. Außen sichern Ricardo Pereira und Ben Chilwell, der seit der Jugend für die "Foxes" aufläuft – und jetzt auch für die englische Nationalmannschaft.

Und vorne ist immer noch auf einen Mann Verlass: Jamie Vardy, mittlerweile 32, ist einer von neun übrig gebliebenen Spielern aus der Meistersaison, neben Torwart Kasper Schmeichel aber die einzige Stammkraft in dieser Saison. Immer noch knipst Vardy wie am Fließband: Mit zehn Treffern führt er die Torschützenliste an.

Rodgers "macht jeden Spieler besser"

Das entscheidende Puzzleteil des Erfolgs heißt Brendan Rodgers. Der Nordire wurde nach drei Jahren in Liverpool entlassen, nach ihm kam Jürgen Klopp. Für sein Engagement bei Leicester City verließ Rodgers dann im Februar 2019 Celtic Glasgow  "Jeder weiß, wie gut er ist", sagt Linksverteidiger Chilwell: "Er hat alles aufgefrischt. Das Training ist jeden Tag anders, er macht jeden Spieler besser."

Zum Beispiel auch Youri Tielemans und James Maddison. Beide sind seit der Saison 18/19 dabei, beide erst 22 Jahre alt und beide absolute Leistungsträger im Mittelfeld. Die Taktik, mit jungen Spielern früh in einem 4-1-4-1-System zu attackieren, geht voll auf: Leicester ist nach Manchester City die torgefährlichste Mannschaft der Liga. In dieser Saison haben die "Foxes" erst zwei Spiele verloren, jeweils knapp gegen Liverpool und Manchester United.

Rodgers hält die Erwartungen bewusst niedrig: "Das Team spielt gut, aber wir heben nicht ab, wir haben keinen Druck. Wir denken nur daran, die Spieler weiterzuentwickeln." Fußball-England sieht das etwas anders: Die Wettquoten auf eine Meisterschaft lagen 2016 bei 5000:1, in diesem Jahr mittlerweile nur noch bei 150:1. Für den Meistertitel wird es am Ende vermutlich nicht reichen, den machen Liverpool und Manchester City unter sich aus. Aber auch Jürgen Klopp sagt: "Leicester City wird nächstes Jahr international spielen."

Stand: 08.11.2019, 08:44

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