Leeds United und Trainer Bielsa - jetzt oder nie

Leeds Trainer Marcelo Bielsa

Traditionsverein will zurück in die Premier League

Leeds United und Trainer Bielsa - jetzt oder nie

Von Hendrik Buchheister (Leeds)

Leeds United gehört zu den größten Vereinen in England und will endlich zurück in die Premier League. Hoffnungsträger ist Trainer-Guru Marcelo Bielsa. Doch im Moment droht sich Geschichte zu wiederholen.

Im Stadtmuseum von Leeds läuft gerade eine kleine Ausstellung, die sich mit dem örtlichen Fußballverein beschäftigt. Anlass dafür ist der 100. Geburtstag von Leeds United im vergangenen Oktober.

Auf einem Flur hängen an den Wänden Fotos von berühmten Spielern und Trainern. Don Revie ist zu sehen, der Erfolgstrainer aus den 1960ern und frühen 1970ern, Billy Bremner, der legendäre Kapitän von damals, Rio Ferdinand und auch Marcelo Bielsa. Der Coach aus Argentinien arbeitet erst seit anderthalb Jahren beim Zweitligisten aus Yorkshire. Trotzdem ist er schon jetzt eine Ikone des LUFC.

Bielsa ist Guardiolas Idol

Bielsa gilt als einer der genialsten Trainer der Welt. Obwohl er in seiner Karriere vergleichsweise wenige Titel gewann, bezeichnen ihn Pep Guardiola und Mauricio Pochettino als ihr Idol. Gnadenloses Pressing und direkter Angriffsfußball sind die Erkennungszeichen seines Stils. Bielsa ist detailversessen und legt Wert auf harte Arbeit, Demut und Disziplin.

Unter seiner Führung gehe es zu wie beim Militär, sagen seine Spieler. Mit Bielsa will Leeds nach 16 Jahren im unterklassigen Exil endlich wieder dort hin, wo der Verein nicht nur nach eigener Auffassung hingehört: in die Premier League.

Leidenschaftliche Fans

Die "Whites" sind einer der größten Klubs Englands. Mehr noch als an den Erfolgen - drei Meisterschaften, zweimal der Gewinn des Messepokals, ein FA-Cup-Sieg und 1975 der Einzug ins Finale des Europapokals der Landesmeister gegen den FC Bayern - liegt das am gewaltigen Fan-Aufkommen und der Leidenschaft des Publikums. Anders als Städte wie London, Manchester oder Liverpool verfügt Leeds nur über einen Verein im Profifußball. Wer in der Stadt am Aire-Fluss zur Welt kommt, ist automatisch LUFC-Fan.

Andy McVeigh über Leeds United und Marcelo Bielsa Sportschau 09.02.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 09.02.2021 Das Erste

Haaland träumt von Meisterschaft mit Leeds

Das gilt übrigens auch für Dortmunds Wunderstürmer Erling Haaland. Er wurde als Sohn des ehemaligen Profis Alf-Inge in Leeds geboren und gab in der Vergangenheit an, dass es sein Traum sei, mit dem Verein Meister zu werden. Unter den Anhängern anderer Klubs ist "dirty Leeds" verhasst. Trotzdem würden sie die "Whites" gerne wieder in der Premier League sehen. Denn Spiele gegen Leeds sind aufregender als gegen Bournemouth, Watford oder Brighton.

Sprichwörtlicher Absturz: "Doing a Leeds"

Der LUFC hat einen dramatischen Absturz erlebt: vom Halbfinalisten der Champions League 2001 zur Insolvenz und dem Abstieg sogar in die dritte Liga sechs Jahre später. "Doing a Leeds" ist seitdem das Synonym für einen sportlichen und wirtschaftlichen Kollaps.

Später wollte Red Bull den Verein angeblich übernehmen, daraus wurde aber nichts. Dass sich ein so profilierter Trainer wie Bielsa ihrer erbarmt hat, sehen die Anhänger des Klubs als Glücksfall.

Spieler als Müllmänner unterwegs

Innerhalb kurzer Zeit ist der Argentinier zur Kultfigur geworden. Er ließ seine Spieler Müll sammeln, löste eine Spionage-Affäre aus und gab der gebannten Nation in einer epischen Pressekonferenz einen Einblick in seine Gegner-Analyse. Die Spiele verfolgt er nicht auf der Trainerbank, sondern auf einem umgedrehten Eimer sitzend. Er ist Bielsas Markenzeichen geworden. 

Am Ende ausgebrannt

Dem Trainer ist es gelungen, Leeds United zu verwandeln. Aus einem mittelmäßigen Team hat er eine Mannschaft gemacht, die im Stande ist, die zweite Liga zu dominieren. Das ist allerdings noch keine Garantie für den Aufstieg.

Wegen Bielsas kraftraubendem Fußball brennen seine Mannschaften gegen Saisonende immer wieder aus. In der vergangenen Spielzeit war Leeds lange Tabellenführer, rutschte aber durch drei Niederlagen in den letzten vier Spielen aus den direkten Aufstiegsrängen und scheiterte in den Playoffs

Fällt Leeds wieder auseinander?

In dieser Spielzeit droht sich Geschichte zu wiederholen. Aus den vergangenen zehn Partien holte Leeds nur zwei Siege und verspielte damit die Tabellenführung und einen Vorsprung von elf Punkten auf Tabellenplatz drei, der nicht zum direkten Premier-League-Einzug qualifiziert. Nach der 0:2-Niederlage am Samstag (08.02.2020) bei Nottingham Forest ist Leeds Zweiter, punktgleich mit dem Tabellendritten Fulham und nur einen Zähler vor Nottingham und zwei vor Brentford, dem Gegner im Auswärtsspiel am Dienstag (11.02.2020).

"Leeds are falling apart again", singen die gegnerischen Fans - "Leeds fällt wieder auseinander". Die Mannschaft leidet an schlechter Chancenverwertung und einer Abwehr, die vor allem bei Standards anfällig ist. Außerdem hat sich der routinierte Torwart Kiko Casilla mit vielen Fehlern zum Problemfall entwickelt.

Das ganze Projekt steht auf dem Spiel

Bielsa ist sich bewusst, dass er in der Verantwortung steht. "Wir haben gute Spieler, und sie geben alles. Die Schlussfolgerung ist klar. Ich weiß, dass ich Lösungen finden muss", sagte er nach der Niederlage in Nottingham. Auf dem Spiel steht das gesamte Projekt. Der Vertrag des Trainers läuft am Ende der Saison aus. Sollte der Aufstieg wieder nicht gelingen, würde Bielsa den Klub wohl verlassen. Wenn es jetzt nicht klappt mit der Premier-League-Rückkehr, dann klappt es nie - das ist die Befürchtung vieler Fans in Leeds.

Stand: 10.02.2020, 02:30

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