1986 ist Maradona

Diego Armando Maradona

Zum Tod des argentinischen Fußballidols

1986 ist Maradona

Von Marcus Bark

In den Geschichtsbüchern wird Argentinien als Fußball-Weltmeister 1986 geführt. Das mag formell richtig sein, führt aber in die Irre. 1986 ist Maradona.

Fußball, so wurde es auch in den 70er Jahren erzählt, sei ein Mannschaftssport. Das hat jeder geglaubt, gab ja auch gute Argumente, allein diese Bilder, auf denen immer 22 Spieler und ein Herr in Schwarz einliefen.

Dann waren die 70er Jahre vorbei, und bei der Weltmeisterschaft 1982 lief ein Junge mit schwarzen Haaren für den Weltmeister auf. Diego Armando Maradona. Das hörte sich schon gut an.

Im Mannschaftssport Fußball war die Manndeckung der Normalfall. Aber dieser Junge mit den schwarzen Haaren, 21 Jahre alt, der war nicht normal. Das bekamen sie nun auch in Europa mit.

Es ging darum, ihm weh zu tun

Claudio Gentile hieß der Italiener, der Diego Maradona in Manndeckung nahm. Es ging Gentile nicht um den Ball. Es ging ihm darum, Diego Maradona wehzutun und die Lust zu nehmen. Das gelang ihm ganz gut.

Im nächsten Spiel gegen Brasilien trat Maradona zurück. Rote Karte, Aus für Argentinien. Das Leben von Diego Armando war schon im Sommer 1982 ganz gut erzählt.

Gier nach Schnipseln

Der FC Barcelona holte ihn, 1984 wechselte Maradona zum SSC Neapel. Streamingdienste gab es noch nicht, sonst wären die Server regelmäßig zusammengebrochen, weil alle ihn hätten spielen sehen wollen. Die Schnipsel in den Sonntagssendungen mussten reichen. Es spielte nicht Napoli, es spielte Maradona.

Dann kam der Sommer 1986. Alles live. Eine wundervolle WM mit fantastischen Spielen. Dänemark, die UdSSR, Belgien, Frankreich, Brasilien, Deutschland, England - sie lieferten den würdigen Rahmen für Maradona.

Viertelfinale 1986 - Maradona schießt das WM-Tor des Jahrhunderts Sportschau 26.11.2020 00:51 Min. Verfügbar bis 26.11.2021 Das Erste

WM-Halbfinale 1986 - Maradonas Solo gegen Belgien Sportschau 26.11.2020 00:56 Min. Verfügbar bis 26.11.2021 Das Erste

Das Ende des Mannschaftssports

Fußball war nur noch bedingt ein Mannschaftssport. Um die Form zu wahren, wurde eingeblendet, dass England gegen Argentinien im Viertelfinale spielt. Aber es war nur Maradona.

Die Treter traten vergeblich. Maradona und sein Kind, der Ball, waren allen überlegen.

Das Solo gegen England, das Solo gegen Belgien. Noch heute müssten Eltern in Deutschland bestraft werden, die ihren Kindern verbaten, mitten in der Nacht die Kunst des Diego Armando Maradona anzusehen.

1986 ist Maradona.

Diego Maradona - Legende zwischen Genie und Wahnsinn Sportschau 29.10.2020 05:31 Min. Verfügbar bis 29.10.2021 Das Erste

Stand: 26.11.2020, 07:00

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