DFB wird für Infantino stimmen

Gianni Infantino

FIFA-Kongress

DFB wird für Infantino stimmen

Wenn Gianni Infantino als FIFA-Chef wiedergewählt wird, wird auch die deutsche Delegation brav applaudieren. Vor dem Kongress des Weltverbands kündigte der DFB seine Unterstützung an. Dabei spielt auch die derzeit schwache Position des Verbands eine Rolle.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird beim FIFA-Kongress für eine erneute Amtszeit von Infantino als Weltverbandschef stimmen. Wie der DFB am Dienstag (04.06.2019) mitteilte, sprach sich das gesamte Präsidium für eine Unterstützung des Schweizers aus. Infantino hat beim FIFA-Kongress am Mittwoch in Paris keinen Gegenkandidaten. Seine Bestätigung im Amt bis 2023 gilt als sicher. Der DFB hatte sein Wahlverhalten lange offengelassen.

"Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist", sagte Reinhard Rauball, wie Rainer Koch derzeit Interims-Präsident des Verbandes. Die Präsidiums-Entscheidung für die Unterstützung Infantinos sei "einstimmig" gefallen. Koch sagte: "Wir wollen, dass die deutsche Stimme gehört wird. Das geht nur, wenn man miteinander und nicht übereinander spricht." Der DFB teilte mit, "wenn nötig auch kritische Standpunkte zu vertreten".

Ein möglicher Denkzettel für den Schweizer, der seit Monaten mit der UEFA streitet, ist damit vom Tisch. Ohnehin dürfte die Wahl in der Pariser Messehalle per Akklamation stattfinden. Laut DFB hatten bereits 44 europäische Nationalverbände Infantino schriftlich zur Wiederwahl vorgeschlagen - und der DFB, der Infantino laut Rauball im Rahmen des Pokalfinales zu einem "langen, intensiven und ehrlichen Gespräch" empfangen hatte, spielt erst einmal mit. Notgedrungen.

Entscheidungen werden ohne DFB getroffen

Wegen des Rücktritts von Ex-DFB-Chef Reinhard Grindel nach dessen "Uhren-Affäre" sitzt schließlich noch mindestens neun Monate lang kein deutscher Funktionär im FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee. Die wichtigen Entscheidungen werden ohne den DFB getroffen, was Rauball als "unschön" bezeichnete. Einen Automatismus, dass beim UEFA-Kongress in Amsterdam im März 2020 in jedem Fall wieder ein DFB-Vertreter (oder eine Vertreterin) in die beiden Gremien rückt, gibt es nicht.

Wer das sein könnte, ist ohnehin noch völlig offen. Zunächst wollen der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) bis zum 26. Juli einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 27. September nominieren. Dann wird darüber diskutiert werden, ob der Grindel-Nachfolger sich selbst um die internationalen Ämter bewirbt oder ob eine Aufteilung sinnvoller ist. Die vielen Probleme, die Grindel mit der Ämterhäufung hatte, sprechen dafür.

Zwanziger: "Infantino als allmächtiger Herrscher" Sportschau 31.05.2019 01:09 Min. Verfügbar bis 31.05.2020 Das Erste

Infantino, der die FIFA seit Februar 2016 mit viel Kalkül fast schon in ein Wirtschaftsunternehmen transformiert hat, dürfte die Affäre um Grindel nicht ungelegen gekommen sein. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hatte den FIFA-Präsidenten mehrfach öffentlich kritisiert und dabei immer betont, im Namen der UEFA zu sprechen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, gleichzeitig FIFA-Vize, hielt sich meist zurück.

Infantino polarisiert

Die Unterstützung des DFB wird Infantino deshalb freuen - angewiesen ist er auf sie nicht mehr. In Afrika, Asien und Südamerika ist der 49-Jährige unumstritten. "Gianni ist ein Geschenk für den Fußball", sagte der nigerianische Verbandspräsident Amaju Pinnick stellvertretend für die vielen Wähler, deren Organisationen mit FIFA-Millionen umschmeichelt werden, in der ARD-Sportschau.

Infantinos einstiger Chef, der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini sieht das ganz anders. "Er hat keine Legitimation, er ist nicht glaubwürdig als FIFA-Präsident", sagte Platini, der selbst gerne FIFA-Präsident geworden wäre, ehe ihm der gemeinsame Skandal mit Joseph S. Blatter dazwischenkam. Dieser schlägt in die gleiche Kerbe. "Es gibt keine Transparenz unter ihm, obwohl er genau dies immer versprochen hat", sagte Blatter, der seinen Nachfolger zudem vor Gericht sehen will. "Das ist eine Frage der Ehre. Sie haben mich verleumdet."

sid/dpa/red | Stand: 04.06.2019, 16:41

Darstellung: