DFB-Vize Rainer Koch soll ins UEFA-Exekutivkomitee

DFB-Interimspräsident Rainer Koch

DFB derzeit ohne Stimme

DFB-Vize Rainer Koch soll ins UEFA-Exekutivkomitee

Von Chaled Nahar und Robert Kempe

Seit Reinhard Grindels Rücktritt fehlt dem DFB eine Stimme im mächtigsten Gremium der UEFA. Nun soll DFB-Vizepräsident Rainer Koch in das Exekutivkomittee einziehen.

Im Exekutivkomitee der UEFA werden die wichtigen Entscheidungen im europäischen Fußball getroffen. Wenn das Gremium am Dienstag (24.09.2019) in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana zusammenkommt, werden beispielsweise die Austragungsorte für die Endspiele der Champions League 2021, 2022 und 2023 ausgewählt. Derzeit finden die Sitzungen des Gremiums allerdings ohne Beteiligung des DFB statt.

Der DFB hat durch Grindels Affäre an Einfluss verloren

Denn der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel, der zuletzt im Exekutivkomitee, saß, war im April über eine Affäre gestolpert, die sich um eine geschenkte Luxusuhr und ein möglicherweise nicht ordnungsgemäß gemeldetes Zusatzeinkommen beim DFB drehte. Grindel hatte weitere machtvolle Positionen inne: Er war nicht nur Mitglied des Exekutivkomitees, sondern auch UEFA-Vizepräsident und einer der neun europäischen Vertreter im FIFA-Rat. Seit Grindels Rücktritt hält der französische Verbandspräsident Noël Le Graët nun dessen Sitz im FIFA-Rat, der Spanier Luis Rubiales übernahm das Amt des UEFA-Vizepräsidenten. Grindels Platz im UEFA-Exekutivkomitee ist seither unbesetzt.

Der DFB ist in den mächtigen Gremien des Fußballs also derzeit ohne Stimme. Aber das soll sich nach dem Willen der deutschen Funktionäre natürlich wieder ändern.

Koch: UEFA-Exekutivkomitee statt Oberlandesgericht

Die Voraussetzungen dafür sollen beim Bundestag des DFB am kommenden Freitag in Frankfurt am Main geschaffen werden. Während Fritz Keller dort aller Voraussicht nach in das Amt des Präsidenten gewählt wird, steht Interimspräsident Rainer Koch bei Tagesordnungspunkt 11 als Vizepräsident zur Wiederwahl. Die Bekleidung eines Amtes im Präsidium ist laut UEFA-Statuten die Bedingung, um sich im März 2020 beim UEFA-Kongress für die Wahl ins UEFA-Exekutivkomitee zu bewerben.

Fritz Keller - neuer DFB-Präsident mit weniger Macht Sportschau 25.08.2019 04:28 Min. Verfügbar bis 25.08.2020 Das Erste

Koch hatte schon Ende August bei der Vorstellung von Keller angekündigt, sich von seinem Amt als Teilzeitrichter am Oberlandesgericht München beurlauben zu lassen und auf die Bezüge zu verzichten. Im Exekutivkomitee der UEFA wären Koch 160.000 Euro pro im Jahr sicher.

Keller und Koch wollen Ämter teilen

Und Koch stünde bei der neuen Aufgabe gleich unter Druck, nicht zuletzt im deutschen Fußball. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga fällte über das Auftreten des Verbandes auf der internationalen Funktionärsbühne ein vernichtendes Urteil. Der DFB habe dort "signifikant an Einfluss verloren". Und wichtige Entscheidungen stehen an: Die von den mächtigen Klubs vorangetriebene Reform der Europapokalwettbewerbe, durch die die Champions League zu einer weitgehend geschlossenen Veranstaltung werden könnte, ist in Europa das große Thema. In der FIFA sind es die Klub-WM und die weltweite Nationenliga.

Bislang ist es eigentlich üblich gewesen, dass der Präsident den DFB international vertritt - nun will man die Ämter teilen. Der designierte DFB-Präsident Keller will die Posten seines Vorgängers Grindel nicht haben. "Ich sehe meine Aufgaben im nationalen Bereich", sagte Keller im August. "Deshalb habe ich Herrn Koch gebeten, in die Gremien der FIFA und der UEFA zu gehen."

Die Chancen auf die Ämter sind unterschiedlich

Doch zunächst muss Koch gewählt werden. Der Sitz im Exekutivkomitee dürfte für den DFB ohne großen Widerstand zurückzuerlangen sein. Denn für den DFB und Koch spricht sportpolitisch viel: Der derzeit leere Platz war zuvor durch den DFB und Grindel besetzt. Und gerade mit Blick auf die Ausrichtung der EURO 2024 kann der DFB Anspruch auf einen Platz erheben.

Noël Le Graët, Präsident des französischen Fußballverbands

Noël Le Graët, Präsident des französischen Fußballverbands

Anders könnte das beim Sitz im FIFA-Rat aussehen. Grindels Ersatzmann Noël Le Graët wird seinen Platz dort beim Kongress in Amsterdam am 3. März 2020 zwar zunächst verlieren, da er nur bis 2020 als Ersatz berufen worden war. Die Frage bleibt aber, ob das Land des aktuellen Weltmeisters auf den neu gewonnenen Einfluss in der FIFA verzichten will. Le Graët könnte sich trotz seines Alters von dann 78 Jahren theoretisch zur Wiederwahl stellen. Auch andere Kandidaten könnten sich für die restliche Amtszeit des ursprünglich bis 2023 gewählten Grindel bewerben.

Möglicherweise muss sich Koch dann vielleicht ein Jahr gedulden: 2021 enden die Amtszeiten von vier europäischen Funktionären im FIFA-Rat.

Stand: 24.09.2019, 07:00

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