Ronaldo wartet auf die Initialzündung

Cristiano Ronaldo beim Spiel gegen Lazio Rom, 2. Spieltag 2017/18

Serie A - Juventus Turins Schuldenberg wächst

Ronaldo wartet auf die Initialzündung

Von Julian Tilders

Für den italienischen Rekordmeister Juventus Turin war es sportlich mal wieder ein Start nach Maß. Doch nach drei Spielen und drei Siegen sehnen die Fans am vierten Spieltag vor allem eines herbei: die Torpremiere von Spitzenverdiener Cristiano Ronaldo.

Es wäre zu weit hergeholt, schon jetzt von Sand im Getriebe der Tormaschine Cristiano Ronaldo zu sprechen. Schließlich hat der Portugiese mit seinen 33 Jahren bereits längere Durststrecken ohne Treffer hinter sich. Dennoch dürfte ihn seine ungewohnt magere Ausbeute von nur einer Torvorlage seit seinem selbst gewählten Neustart in Italiens Serie A ärgern - vor allem, weil seine Erwartungen an sich selbst und die der Fans erdrückend sind.

Endlich soll der Champions-League-Titel nach Turin geholt werden. Nicht mehr und nicht weniger erwarten die Juventus-Anhänger. Die Meisterschaft ist dabei reine Formsache, geht es nach den Experten. Ronaldo kennt den Erfolgsdruck wie kein Zweiter. Und er will ihm durch seinen unvergleichlichen Ehrgeiz immer gerecht werden.

Chemie stimmt noch nicht zu 100 Prozent

Dass "CR7" jedoch noch ein bisschen Eingewöhnungszeit braucht, ist offensichtlich - und menschlich. Nach neun Jahren, 438 Spielen und bahnbrechenden 450 Toren bei Real Madrid muss Ronaldo sich auf ein neues System mit neuen Mitspielern einstellen. Bezeichnend für die leichten Umstellungsschwierigkeiten war seine Torvorlage am zweiten Spieltag beim 2:0 gegen Lazio Rom, als er eine im letzten Moment abgefälschte Hereingabe unfreiwillig per Hacke auf Nutznießer Mario Mandzukic zurücklegte, der abstaubte.

Bei Juventus arbeitet Ronaldo bisher mehr für die Mannschaft, als dass er selbst Tore schießt. Ändern könnte sich dieser Umstand am Sonntag (16.09., 15 Uhr), wenn Turin Sassuolo Calcio empfängt. Es ist ein Spitzenspiel: Sassuolo steht mit sieben Punkten aus drei Spielen noch ohne Niederlage da, zuletzt musste sich auch schon Inter Mailand mit 0:1 geschlagen geben. Ein Warnsignal an die großen italienischen Vereine wie Juventus.

Sassuolos Star heißt Boateng

Teil des Überraschungsteams aus Calcio ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga: Kevin-Prince Boateng, der in der vergangenen Saison noch bei Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal in die Höhe stemmen durfte. In drei Spielen bei Sassuolo gelangen ihm bereits zwei Treffer und ein Assist. Boateng scheint seine gute Form nach dem Pokalsieg mit nach Italien genommen zu haben und ist einer der Gründe für die kleine Punkteserie seines neuen Klubs.

Nichts mehr zu feiern - Paulo Dybala

Unabhängig von Ronaldos kleiner Torflaute findet sich Turin trotzdem immer noch in großer Ronaldo-Euphorie wieder. Einem dürfte es allerdings schwer fallen, den perfekten Saisonstart ausgelassen mitzufeiern: Paulo Dybala.

Dybala profitiert nicht gerade vom Ronaldo-Coup. Er kam nach einem Einsatz als hängende Spitze am ersten Spieltag in den letzten beiden Spielen nur noch auf zehn Minuten Einsatzzeit, stand einmal sogar ohne Einsatz im Kader. Ein Luxus, wenn man einen Mann mit geschätzten 110 Millionen Euro Marktwert auf die Bank setzen kann. Argentiniens neuer Messi, Supertalent, Hoffnungsträger - all diese Namen hat Dybala schon einmal gehört. Die volle Ausschöpfung seines Potenzials steht in Turin jedoch nicht mehr ganz oben auf der Liste. Dort steht Ronaldo und überstrahlt nahezu alles.

Schuldenberg trotz Aktien-Höhenflug fast verdoppelt

Der Ronaldo-Schachzug war mit einem hohen Preis dotiert, nicht nur in Sachen Ablöse (ca. 117 Millionen Euro) und Gehalt (ca. 30 Millionen Euro jährlich) für den Superstar. Finanziell ächzt Juventus unter dieser großen Last. Die Nettoverschuldung des Klubs hat sich im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 nach SID-Informationen auf knapp 310 Millionen Euro fast verdoppelt.

Und das, obwohl die Marke CR7 wirtschaftlich auf dem Papier schon eingeschlagen ist. Logischerweise boomte der Erlös durch Trikotverkäufe, auch der Wert der Juventus-Aktie an der Mailänder Börse hat sich seit dem Tag der Vorstellung von Ronaldo fast verdoppelt. Der Börsenwert des Vereins erreichte am vergangenen Dienstag nach SID-Informationen mit rund 1,5 Milliarden Euro sein Rekordhoch.

Profiteur? Auf jeden Fall die Aktionäre

Darüber freuen sich allerdings wohl eher die Aktionäre, allen voran die italienische Industriellenfamilie Agnelli, die knapp zwei Drittel der Anteile hält. Die Agnellis sind eine der Gründerfamilien des Fiat-Automobilkonzerns und stellen seit vielen Generationen auch den Präsidenten des Vereins. Der Ronaldo-Effekt kommt somit auf jeden Fall vielen wirtschaftlichen Partnern und kommerziellen Beteiligten zugute.

Damit auch der Sport von der Strahlkraft Ronaldos profitiert, wäre ein erster Anfang die Tor-Initialzündung für "CR7" gegen Sassuolo - schließlich erhofft sich nicht nur die Wirtschaft vom Superstar Großes.

Stand: 14.09.2018, 12:15

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