Gehaltsverzicht bei Juve und Barca - Wie weit gehen die Ligen?

Verzichten auf Gehalt: Cristiano Ronaldo (l.) und Giorgio Chiellini von Juventus

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Gehaltsverzicht bei Juve und Barca - Wie weit gehen die Ligen?

Von Tom Mustroph

Cristiano Ronaldo verzichtet wie seine Teamkollegen bei Juventus Turin auf vier Monatsgehälter. Lionel Messi darf beim FC Barcelona immerhin noch 30 Prozent der nächsten Lohnzahlungen einstecken. Top-Klubs und -Ligen ringen in der Coronakrise um Lösungen mit ihren Profis.

Gewöhnlich blockt Giorgio Chiellini den Strafraum von Juventus Turin ab. Jetzt aber agierte der rustikale Defensivspezialist als Rammbock und machte den Weg frei für Gehaltsreduzierungen beim italienischen Rekordmeister. Deshalb feiert die "Gazzetta dello Sport" den studierten Ökonomen und langzeitverletzten Kapitän der "Alten Dame" als Retter - und sieht ihn sogar als zukünftigen Manager des Klubs.

Seinem Einfluss in der Kabine sei es zu verdanken, schreibt die Zeitung, dass Juventus jetzt 90 Millionen Euro an Spielergehältern sparen könne. Laut einer Mitteilung des Klubs verzichten die Spieler und Cheftrainer Maurizio Sarri auf die Löhne von März bis Juni.

Zurückhaltung bei der Spielergewerkschaft

Bei der Spielergewerkschaft AIC sorgte die Einigung bei Juventus für gemischte Gefühle. "Die Vereinbarung zwischen Juventus und den Spielern kann eine Basis sein - im Falle, dass die Meisterschaft nicht weitergeht", lautete die zweischneidige Reaktion von Präsident Damiano Tommasi. Bislang lehnte Tommasi jegliche Vereinbarung über einen Gehaltsverzicht ab.

"Es ist natürlich auch im Interesse der Spieler, dass das ökonomische Gleichgewicht im Fußball erhalten bleibt. Aber dazu muss man alle Komponenten bewerten: die ausgefallenen Einnahmen, die staatlichen Unterstützungen, die Hilfen des Verbands und die internationalen Absprachen", so Tommasi. Und auch jetzt sieht der Gewerkschaftsboss in dem Vorstoß von Juventus nur ein Beispiel für den Fall, dass der Spielbetrieb in dieser Saison gar nicht mehr aufgenommen wird.

Klubvertreter wollen harten Schnitt

Völlig konträr dazu ist die Position der meisten Klubvertreter und des Verbands. Sie wollen einen sofortigen Gehaltsverzicht. Das betonte Gabriele Gravina, der Präsident italienischen Fußballverbandes "Federazione Italiana Giuoco Calcio" (FIGC) am Montag (30.03.2020). Tommasi indes will lieber abwarten, bis die Situation sich klärt und die tatsächlichen Verluste bekannt sind.

Derzeit weiß tatsächlich niemand, wann überhaupt das nächste Match angepfiffen werden kann, ob es ein Geisterspiel werden wird, ab wann Publikum in die Stadien gelassen werden könnte, und in welcher Form die Spielzeit enden soll. Neben den Szenarien einer Komplettabsage und eines verdichteten Kalenders der geplanten Spieltage wird auch ein weniger umfangreicher Spielplan mit Playoffs um die Meisterschaft und Playouts um den Abstieg diskutiert.

Kurzarbeit für tiefklassigere Profis

Für den Montagabend ist eine neuerliche Telefonkonferenz zwischen Verband, Klubvertretern und Tommasi angesetzt. Prinzipiell ist in Italien eine klubübergreifende Vereinbarung möglich. Spielergewerkschaft und Verband treffen für jede Saison eine Rahmenvereinbarung für die Profiligen, legten zum Beispiel auch das Mindestgehalt von 30.000 Euro jährlich fest. Spieler in der Serie B und Serie C, die bis zu 50.000 Euro jährlich verdienen, sollen wegen der Corona-Auswirkungen ein Anrecht auf staatliches Kurzarbeitergeld bekommen - und damit die klammen Klubs entlasten. Das kündigte der Verband FIGC an.

In der ersten Liga verfährt derweil jeder Klubeigner nach eigenem Ermessen. Manch einer wartet noch auf eine generelle Regelung. Andere, wie die beiden Genueser Klubs Sampdoria und CFC Genoa, halten laut italienischen Medienangaben momentan noch die jüngsten Gehälter zurück. Und wieviel Ronaldo und Co. wirklich abgeben, hängt letztlich auch vom weiteren Verlauf der Pandemie und den Auswirkungen auf den Fußball ab. "Für den Fall, dass der Spielbetrieb doch noch aufgenommen wird, verhandeln der Klub und seine Angestellten neu", ließ Juventus wissen. Italienische Medien spekulieren sogar, dass die Auszahlung der Gehälter auf die kommende Saison verschoben werden könnte. Das würde der Bilanz des Klubs für diese Spielzeit helfen, aber auch ein anderes Licht auf die Solidar-Aktion werfen.

Auch Messi verzichtet auf Geld

Unübersichtlich ist die Lage auch in Spanien. Dort lehnten zunächst die Kapitäne der Klubs der ersten und zweiten Liga einen generellen Gehaltsverzicht ab. Kurz darauf verkündeten aber sowohl der einnahmenreichste Klub FC Barcelona als auch Stadtrivale Espanyol sowie Atletico Madrid Einigungen mit ihren Kadern.

Dabei gab es allerdings keinen Komplettverzicht wie in Turin. Messi, Griezmann und andere Stars geben in den Monaten, in denen wegen des Coronavirus nicht gespielt wird, 70 Prozent ihres Gehalts ab.

In der Premier League stehen Verhandlungen aus

In der Premier League blicken alle gespannt auf kommenden Freitag (03.04.2020). Dann wollen sich Vertreter aller Klubs der obersten Spielklasse in einer Videokonferenz auf ein einheitliches Vorgehen verständigen. Ein Gehaltsverzicht liegt auch in England in der Luft.

Wie will man auch Kurzarbeiterregelungen in der Geschäftstelle und bei den Platzwarten durchsetzen, wenn weiter die Großgehälter für die Profis ausgezahlt werden? Die Ausgaben für das spielende Personal machen auch auf der Insel den Löwenanteil der Ausgaben aus.

Stand: 30.03.2020, 18:17

Darstellung: