Copa Libertadores - heißes Final-Derby zwischen Boca und River Plate

La Bombonera

Derby der Klubs aus Buenos Aires

Copa Libertadores - heißes Final-Derby zwischen Boca und River Plate

River Plate und Boca Juniors liefern sich seit Jahrzehnten erbitterte Derbys in Argentinien. Nun treffen beide Klubs erstmals im Finale der Copa Libertadores aufeinander.

Am Samstag (10.11.2018) und zwei Wochen später kommt es zu den zwei vielleicht größten Spielen aller Zeiten im argentinischen Klubfußball. In Hin- und Rückspiel tragen die beiden Klubs aus Buenos Aires das Finale der Copa Libertadores, dem südamerikanische Pendant zur Champions League, aus. Ein wichtiger Mann wird das Spiel allerdings verpassen.

Stadt-Derby in Buenos Aires beim Finale der Copa Libertadores

River ohne Trainer, Boca mit forschen Tönen

River Plates Trainer Marcelo Gallardo darf nicht in das Stadion La Bombonera, in dem die Boca Juniors im Hinspiel Heimrecht haben. Weil er im Rückspiel des Halfinales gegen Titelverteidiger Gremio Porto Alegre aus Brasilien trotz einer gegen ihn vorher verhängten Sperre während der Halbzeitpause die Kabine seines Teams besuchte, wurde ihm vom südamerikanischen Verband Conmebol der Zugang zum Stadion im ersten Endspiel verboten. Rivers Mannschaftskapitän Leonardo Ponzio wird auch nicht mit von der Partie sein, weil er gegen Gremio eine Muskelzerrung erlitt.

River Plates Coach Marcelo Gallardo

River Plates Coach Marcelo Gallardo

Die Boca Juniors zielen auf einen klaren Heimsieg, um den Weg zum Titel zu ebnen. "Wir werden den entscheidenden Unterschied mit dem Sieg bei uns machen", sagte Trainer Guillermo Barros Schelotto. In zwei Wochen findet knapp 14 Kilometer weiter nördlich das Rückspiel statt, im Monumental-Stadion River Plates.

Gästefans verboten, Siegesfeiern verboten

Auf Fans muss River Plate im Hinspiel auch verzichten. Die Rivalität ist seit jeher groß, oft schlug sie in Gewalt um. Seit 2013 sind keine Gästefans mehr bei den Spielen zwischen den beiden Vereinen zugelassen. Der Fußballverband AFA und die Regierung beschlossen den Ausschluss der Gastfans, nachdem es das 225. Todesopfer der Gewalttätigkeit im argentinischen Fußball gegeben hatte. Es half jedoch nichts: Seitdem sind über 50 weitere Menschen in Streitigkeiten unter Fußballfans umgebracht worden - zuletzt drei in der vergangenen Woche.

Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri, der früher auch Präsident der Boca Juniors war, wollte dieses Verbot aufheben. Das erste Finale der Fußball-Klubmeisterschaft mit zwei Teams aus Argentinien sei ein historisches Ereignis, hatte er zuvor bei Twitter geschrieben: "Es ist auch eine Gelegenheit, Reife zu zeigen, dass man in Frieden spielen kann."

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Mit dem Ansinnen scheiterte er jedoch. Sowohl der Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta als auch beide Vereinschefs lehnten den Präsidentenwunsch energisch ab. "Wir sind uns einig, dass der Zeitpunkt hierzu noch nicht gekommen ist", sagte Rivers Präsident Rodolfo D'Onofrio auch im Namen seines Boca-Kollegen Daniel Angelici. Und die Stadtbehörden verboten jegliche Siegesfeier um den Obelisken, dem Symbol von Buenos Aires im Stadtzentrum.

Ein Ex-Nürnberger bei River Plate

Javier Pinola von River Plate

Javier Pinola von River Plate

Beim aktuellen Pokalsieger spielt Javier Pinola in der Innenverteidigung eine zentrale Rolle. In den Finals "werden die Details entscheiden", sagte der Ex-Nürnberger. Sein Team setzt in der Offensive auf Linksaußen Gonzalo Martinez und das 21-jährige Mittelfeldtalent Ezequiel Palacios. Ein Erfolgsgarant der insgesamt erfahrenen Truppe ist auch Torwart Franco Armani.

Der aktuelle Meister Boca kann in den Endspielen wieder seinen Stürmer Dario Benedetto einsetzen, der monatelang verletzt gefehlt hatte. Er entlastet im Angriff damit den jungen Nationalspieler und WM-Teilnehmer Cristian Pavon. Ebenfalls WM-Erfahrung hat der Kolumbianer Wilmar Barrios, der Chef im Mittelfeld. Wichtigster Mann in der Abwehr ist der robuste Routinier Carlos Izquierdoz. Derzeit keinen Stammplatz hat dagegen Carlos Tevez. Der 34-jährige Altstar ist außer Form und dürfte wohl eher Auftritte als Joker bekommen.

20 Jahre Erholung drohen

In den bisher 24 Spielen der beiden Klubs in der Copa Libertadores seit 1966 gewann Boca zehnmal, River nur siebenmal. Boca gewann die Trophäe sechsmal, River dreimal. Die drei Derbys in diesem Jahr gingen jedoch alle an River: 1:0 in einem Testspiel, 2:0 im Supercup und 2:0 in der Liga. Auch das jüngste K.o.-Duell der Copa Libertadores zwischen den Rivalen entschied River im Achtelfinale 2015 für sich (1:0, 0:0).

Staatschef Macri macht das Ergebnis schon jetzt Sorge: "Wer verliert, wird 20 Jahre brauchen, um sich zu erholen", sagte er.

sid/dpa | Stand: 09.11.2018, 17:05

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