Es ist Copa - und kaum einer geht hin

Leere Ränge bei der Copa America

Südamerika-Meisterschaft

Es ist Copa - und kaum einer geht hin

Bei der Copa America war keins der Vorrundenspiele ausverkauft. Das liegt an den Eintrittspreisen, die nicht ohne Absicht sehr hoch sind. Auf der Strecke bleibt die Stimmung.

Es war eine Zahl, die aufhorchen ließ. 9729 Fans sahen in der WM-Arena von Belo Horizonte das Copa-America-Gruppenspiel zwischen Japan und Ecuador. Nur 2106 bezahlten für ihren Besuch Eintritt, der Rest waren Freikarten. Dabei war das Spiel keineswegs unbedeutend. Beide Teams hatten noch Chancen auf den Einzug in die nächste Runde. Die Partie endete 1:1, beide schieden aus.

Bei der Südamerika-Meisterschaft fehlt es an Zuschauern. Keines der 18 Vorrundenspiele in Rio de Janeiro, Sao Paulo, Belo Horizonte, Porto Alegre und Salvador war bisher ausverkauft. Noch nicht einmal das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Bolivien im Estadio do Morumbi in Sao Paulo. Den 2:0-Sieg des Gastgebers sahen 47.260 Fans, die WM-Arena fasst 67.428 Zuschauer.

Horrende Eintrittspreise

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Partie nach Angaben der Zeitung "O Globo" den höchsten Erlös in der Geschichte des brasilianischen Fußballs eingebracht hat. Der Ticketverkauf spülte demnach rund 22 Millionen Reais (rund fünf Millionen Euro) in die Kasse. Wenn diese Zahl stimmt, dann hat jeder Fan im Schnitt rund 106 Euro für seine Eintrittskarte  bezahlt. Für den Durchschnitts-Brasilianer ist das Utopie.

Preiskampf gegen die Gewalt

Verantwortlich für die Preise ist der Kontinentalverband Conmebol. Der hat wohl mit Absicht an der Preisschraube gedreht. Seit Jahren wird der Fußball in Südamerika von Gewalt und Krawallen überschattet. So auch im November 2018. Kurz vor dem Final-Rückspiel des Libertadores Cup, Pendant der Champions League, bombardierten Fans von River Plate in Buenos Aires den Mannschaftsbus des Stadtrivalen Boca Juniors mit Wurfgeschossen. Es gab Verletzte, das Spiel wurde gar nicht erst angepfiffen und dann kurzerhand nach Madrid verlegt.

Wer Geld hatte, flog über den großen Teich. Der Rest guckte in die Röhre, sprich den Fernseher. Auch jetzt, und das ist die Strategie, gehen wohl nur wohlhabende und damit wohl auch gemäßigtere Fans ins Stadion. Die breite Masse kann sich die horrenden Preise schlichtweg nicht leisten. Dass dabei die Stimmung verloren geht, ist anscheinend egal. Kurzentschlossene suchen am Stadion vergeblich nach geöffneten Kassenhäuschen. Tickets gibt es nur online, was für Südamerika völlig unüblich ist.

Langeweile auf den Rängen

So herrschte auf den Rängen oftmals pure Langeweile. Die südamerikanische Fußball-Freude, die Gesänge - all das fehlte. Nur die Chilenen sorgten ab und an für Stimmung. Das Spitzenspiel der Gruppe C zwischen dem Titelverteidiger und Rekordsieger Uruguay sahen im Maracana-Stadion 57.442 Fans - immerhin. Und bei der Partie Argentiniens gegen Katar waren 41.390 Zuschauer. Das lag freilich daran, dass es die "Messi-Jünger" bei der Anreise nach Porto Alegre nicht allzu weit hatten.

In der K.o.-Runde, die am Donnerstag (27.06.2019, Ortszeit) mit dem Viertelfinale beginnt, soll es angeblich besser werden. Laut des Gastgebers war das erste Ticket-Kontingent (101.852 Eintrittskarten) innerhalb von 24 Stunden verkauft. Offenbar haben sich Südamerikas Reiche frühzeitig eingedeckt. Der Rest sitzt vor dem Fernseher.

vdv/dpa/sid | Stand: 25.06.2019, 12:40

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