Copa America - Messi nimmt den nächsten Anlauf

Lionel Messi

Turnier in Brasilien

Copa America - Messi nimmt den nächsten Anlauf

Von Frank van der Velden

Lionel Messi gilt als bisher unvollendeter Superstar, denn mit der argentinischen Nationalmannschaft hat der Mann vom FC Barcelona noch keinen Titel gewonnen. Bei der Copa America unternimmt er jetzt den nächsten Versuch - vielleicht seinen letzten.

Seine Titelsammlung ist beeindruckend. Viermal hat Lionel Messi mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen, zehnmal die spanische Meisterschaft und sechsmal den Pokal. Dazu kommen Siege bei der Klub-WM, im UEFA-Super-Cup und im spanischen Super-Cup. Fünfmal wurde er Weltfußballer und zigmal Torschützenkönig.

Nur ein Titel mit seinem Heimatland Argentinien blieb dem Superstar bisher verwehrt. Bei der Copa America wird er es erneut versuchen. Das Turnier in Brasilien, das am 14. Juni startet, ist vielleicht seine letzte Chance, mit der "Albiceleste" einen großen Erfolg zu feiern. Messi wird bald 32 Jahre alt, bei der nächsten Weltmeisterschaft in Katar wird er 35 Jahre alt sein. Seine Teilnahme ließ er bisher offen. Dem Superstar droht das Schicksal des Unvollendeten.

Copa America: Das Wichtigste zum Turnier in Brasilien Sportschau 11.06.2019 01:33 Min. Verfügbar bis 11.06.2020 Das Erste

Rücktritt vom Rücktritt

Vor drei Jahren hatte Messi völlig frustiert seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Da hatte er gerade bei der Copa America Centenario in den USA das Endspiel gegen Chile verloren und dabei einen Elfmeter verschossen. Für ihn und das Nationalteam war es nach dem WM-Finale 2014 gegen Deutschland und dem Copa-Finale 2015 ebenfalls gegen Chile die dritte Endspielpleite in Serie. Alle Spiele gingen denkbar knapp verloren.

Wenige Monate später folgte dann der Rücktritt vom Rücktritt und Messi führte das Team durch die WM-Qualifikation zum Weltturnier nach Russland. Dort war nach einer bitteren 3:4-Pleite aber schon im Achtelfinale gegen Frankreich Schluss. Messi legte erneut eine Nationalmannschafts-Pause ein und gab erst Ende März sein Comeback.

Last des Heilsbringers

Manchmal scheint es so als würde Messi erdrückt unter der ewigen Last des Heilsbringers. Seit 1986 wartet Argentinien auf den WM-Triumph, seit 1993 auf den Titel bei der Copa. Ohne großen Titel ist es dem Mann aus Rosario bisher nicht vergönnt, die Fußstapfen den großen Diego Maradona komplett auszufüllen. Für den "Floh" stehen bisher nur der Titel bei der Junioren-WM 2005 und die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2008 zu Buche.

Anders als bei seinem Klub in Barcelona scheint sich Messi nie richtig wohlzufühlen im blau-weiß-gestreiften Trikot. Schon oft beklagte er die fehlende Anerkennung aus der Heimat und schwierige Momente mit der argentinischen Presse. Im Kreise der Nationalmannschaft macht er ab und an sogar einen schwermütigen Eindruck und verbreitet Melancholie.

Schwer am himmelblauen Hemd zu tragen

Vor allem bei Weltmeisterschaften wurde es oftmals deutlich, wie schwer Messi am himmelblauen Hemd zu tragen hatte. Acht WM-K.o-Spiele hat er bislang bestritten, in keinem davon hat er einen Treffer erzielt. Es scheint so als sei einer der weltbesten Fußballer aller Zeiten mit dem Nationalteam mental nicht stark genug für den ganz großen Wurf.

Bei der Copa muss Argentinien in der Gruppe B gegen Kolumbien, Paraguay und das Gastland Katar ran. Messi ist Kapitän und Anführer des Teams von Trainer Lionel Scaloni. Zur Seite stehen ihm unter anderem Sergio Agüero (Manchester City), Paulo Dybala (Juventus Turin) und Angel Di Maria (Paris Saint-Germain). Doch Trainer Scaloni sorgte auch für eine Verjüngung der Mannschaft und stellte auf ein 4-3-3-System um, das Messi mehr entgegen kommt.

Ungewohnt kampfeslustig

Im jüngsten Testspiel glänzte der beim 5:1 gegen Nicaragua mit einem Doppelpack. Vor dem Turnierstart gibt sich Messi ungewohnt kampfeslustig. "Bevor ich meine Karriere beende, will ich einen Titel mit Argentinien gewinnen", sagte er "Fox Sports Argentina" - "oder es zumindest so oft wie möglich versuchen." Damit befeuerte er auch Spekulationen, dass er eventuell doch noch bei dem WM 2022 in Katar auflaufen könnte. Und vielleicht klappt es ja dann am Ende doch noch mit einem großen Titel für Argentinien.  

Stand: 11.06.2019, 11:22

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