Saisonstart in China: Lego spielen im goldenen Käfig

Die Spieler von Wuhan Zall treffen in Suzhou ein

Chinesische Super League

Saisonstart in China: Lego spielen im goldenen Käfig

Wuhan war das erste Epizentrum der Corona-Pandemie. Am Samstag rollt für den örtlichen Erstligisten wieder der Ball in der chinesischen Super League. An Normalität ist beim Saisonstart aber nicht zu denken.

Das Taimei Xiangguli Hotel in Suzhou ist eine noble Unterkunft. Polierter dunkler Marmor ziert den Boden, ein großzügiger Frühstücksraum und ein modernes Hallenbad schaffen Wohlfühlatmosphäre. Der deutsche Fußballprofi Felix Bastians dürfte den Komplex in den kommenden Wochen jedoch eher als goldenen Käfig empfinden.

Für etwa 80 Tage, so die offizielle Schätzung der chinesischen Super League, werden der 32-Jährige vom Erstligisten Tianjin Teda und Hunderte weitere Spieler und Betreuer hier von der Außenwelt abgeschottet. Kein direkter Kontakt zu Freunden, kein direkter Kontakt zur Familie - der überaus strenge Maßnahmenkatalog für den Saisonstart am Samstag (25.07.2020) verlangt es so. Nicht mehr dabei sein wird Bastians Teamkollege Sandro Wagner. Er möchte bei seiner Freu und den vier Kindern in Deutschland bleiben.

Eine Blase mit knapp 2.000 Menschen

Die 16 Mannschaften aus der Eliteliga wurden in zwei Achter-Gruppen aufgeteilt, die Spielorte sind fest vorgegeben. Eine Basis befindet sich in Dalian, die zweite, zu der auch Abwehrspieler Bastians und Tianjin Teda gehören, steht in Suzhou bei Shanghai. Insgesamt befinden sich 1.870 Personen in der "Fußball-Blase", alle wurden im Vorfeld negativ auf das Coronavirus getestet.

Für Bastians wird die kommende Zeit eine schwierige. Die Spieler sehen für über zwei Monate nur ihr Hotel, das Trainingsgelände und das Stadion. Die acht Mannschaften speisen in separaten Räumen. Zudem haben die Teams fest vorgegebene Besprechungszimmer und eigens zugewiesene Bedienstete. Eine Verbreitung des Coronavirus soll um jeden Preis vermieden werden.

Eine Kiste Lego für die Psyche

Für Spieler, Trainer und Betreuer wird der Alltag eintönig und klar strukturiert sein - womöglich mit Folgen für die psychische Gesundheit. Die Zeit in der Isolation wird an den Nerven zehren, glaubt auch Liu Yi, der Generalsekretär des chinesischen Fußball-Verbandes. Nach zwei, drei Wochen dürften die Spieler zu körperlichen und mentalen Ermüdungserscheinungen neigen. "Sie sind auch nur Menschen. Sie müssen abschalten können, das könnte zu einer Herausforderung werden", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur "Xinhua".

Zur Ablenkung und Unterhaltung werden diverse Angebote wie Tischtennis, Retro-Videospielkonsolen oder eine Karaoke-Anlage zur Verfügung gestellt. Einige Spieler brachten ihre eigenen Kissen mit ins Hotel, Abwehrspieler Bai Jiajun (Shanghai Shenhua) nahm eine Kiste Lego mit.

Cannavaro erwartet bescheidenes Niveau

Eine Wahl haben die Spieler nicht. Der verspätete Saisonauftakt - die Spielzeit hätte am 22. Februar beginnen sollen - hat dabei Symbolcharakter. Meister Guangzhou Evergrande macht im Spiel gegen Shanghai Shenhua am Samstag den Anfang. Dann kehrt Wuhan Zall, der Klub aus dem einstigen Epizentrum der Pandemie, auf den Rasen zurück - wie bei allen Spielen vor leeren Rängen ohne Fans.

Die lange Corona-Zwangspause wird dabei nicht spurlos an den Spielern vorbeigegangen sein, meint Fabio Cannavaro. Der Italiener, Weltmeister von 2006 und derzeit Trainer von Guangzhou Evergrande, erwartet keine spielerischen Glanzleistungen. "Die meisten Spieler haben seit Dezember keinen Wettbewerb mehr gehabt. Ich kann sagen, dass alle Mannschaften vor viele Probleme gestellt sind", sagte er.

Der Sportschau Club mit Roger Schmidt Sportschau-Club 10.06.2020 29:52 Min. Verfügbar bis 10.06.2021 Das Erste

Stand: 24.07.2020, 20:20

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