Ex-FIFA-Präsident Blatter: Rücktritt auf Druck der US-Justiz

Sepp Blatter im Dezember 2019 bei der Beisetzung von Köbi Kuhn

Fußball-Weltverband

Ex-FIFA-Präsident Blatter: Rücktritt auf Druck der US-Justiz

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph S. Blatter spricht fünf Jahre nach seinem Rücktritt über die Umstände - und kritisiert seinen Nachfolger Gianni Infantino scharf. Dieser sei "von sich eingenommen".

Der frühere FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hat erstmals deutlich eingestanden, vor fünf Jahren auf massiven Druck der USA hin abgetreten zu sein. "Sie sagten: Der Kopf muss weg! Dann habe ich mein Mandat zur Verfügung gestellt - und plötzlich war die FIFA für die US-Justiz nicht mehr eine mafiöse Organisation, sondern ein Opfer", sagte der 84-Jährige der Schweizer Nachrichtenagentur "Keystone-SDA".

Der damals gerade wiedergewählte Blatter hatte am 2. Juni 2015 nach Chaostagen beim Fußball-Weltverband mit aus den USA vorangetriebenen Verhaftungen von hochrangigen FIFA-Funktionären in Zürich sein Mandat für Neuwahlen zur Verfügung gestellt - im folgenden Oktober wurde er von der FIFA-Ethikkommission gesperrt.

Blatter kritisiert Nachfolger Infantino

Im Nachgang hatte Blatter immer wieder bekräftigt, nicht zurückgetreten zu sein. Beim Wahl-Kongress der FIFA durfte er aber nicht mehr antreten. Seinen dann im Februar 2016 gewählten Nachfolger Gianni Infantino kritisiert Blatter heftig: "In seinem Hochmut redet er auch nicht mehr mit Verbandspräsidenten, sondern nur noch mit Staatschefs." Infantino sei "von sich eingenommen", "in die Megalomanie gegangen" und wolle "aus dem Fußball eine riesige Geldmaschine machen".

Zudem nährte der einstige FIFA-Boss, der von 1998 an im Amt gewesen war, die Spekulationen, sein Nachfolger sei mit Hilfe von Kontakten zur Schweizer Justiz zum großen Profiteur des FIFA-Skandals geworden. "Es scheint, dass Infantino den Weg auf das FIFA-Präsidium freiräumen wollte", sagte Blatter. In der Schweiz hatten in den vergangenen Monaten drei Geheimtreffen von Infantino mit Bundesanwalt Michael Lauber in den Jahren 2016 und 2017 für einen Skandal gesorgt. Gegen Lauber, der sämtliche Vorwürfe bestreitet, soll ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden.

Offene Verfahren gegen Blatter

Gegen Blatter selbst laufen noch immer zwei Verfahren. Wie im April bekannt wurde, planen die Schweizer Ermittler aber offenbar die Einstellung des Verfahrens zu heiklen FIFA-Verträgen, die unter Blatters Präsidentschaft abgeschlossen wurden. Damit bliebe er bei einer der beiden Untersuchungen unbehelligt.

Offen wäre dann noch die Untersuchung, in der es um die Zahlung von umgerechnet 1,89 Millionen Euro an den damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini geht. Sobald dieser Fall ebenfalls geschlossen sei, "werde ich von der FIFA meine Rehabilitierung fordern", sagte Blatter.

dpa/red | Stand: 01.06.2020, 09:20

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