Betrugsskandal - Ermittlungen auch in der Champions League

Zahlreiche Festnahmen und Hausdurchsuchungen in Belgien

Betrugsskandal - Ermittlungen auch in der Champions League

Von Olaf Jansen

Immer neue Verhaftungen, immer neue Details: Der Betrugs- und Korruptionsskandal in Belgien weitet sich aus. In den Fokus von Ermittlern ist aber auch ein Spiel der Champions League zwischen Paris St. Germain und Roter Stern Belgrad geraten.

In Belgiens Eliteliga geht es um nichts weniger als einen riesigen Betrug in der vergangenen Erstliga-Saison. Mehrere Spiele in der finalen Saisonphase sollen von einem Konglomerat aus Spielerberatern, Klubmanagern, Trainern und Schiedsrichtern verschoben worden sein. Es geht offenbar um Spiele des KV Mechelen, der trotz mutmaßlicher korrupter Unterstützung am letzten Spieltag abgestiegen war. Mechelen gewann damals sein letztes Spiel mit 2:0, während Konkurrent KAS Eupen zeitgleich in den letzten 20 Spielminuten vier Tore zum 4:0-Sieg gegen Mouscron zustande brachte. Eupen blieb daher aufgrund der besseren Tordifferenz noch vor Mechelen.

Seit der groß angelegten Razzia am Mittwoch (10.10.18), bei der unter anderem Räumlichkeiten von zehn Erstligisten durchsucht worden waren, hat es Dutzende von Verhaftungen gegeben. Noch in der Nacht zu Freitag wurden weitere drei Spielerberater, ein Schiedsrichter und ein ehemaliger Anwalt angeklagt und inhaftiert. Spielerberater Mogi Bayat, der mutmaßliche Strippenzieher der kriminellen Machenschaften, sowie seine Kollegen Dejan Veljkovic und Karim Mejjati mussten die Nacht im Gefängnis verbringen.

Korruptionsskandal - Belgisches Fußballsystem birgt "Einfallstor"

Sportschau | 11.10.2018 | 05:31 Min.

Kompany sieht Fußballgeschäft nah an der Kriminalität

Nationalspieler Vincent Kompany, der für Englands Topklub Manchester City verteidigt, zeigte sich wenig verwundert: "Nein, diese Entwicklungen überraschen mich kaum. Der belgische Fußballsektor konnte in den letzten Jahren viel zu lange im Geheimen agieren. Es war nichts transparent." Generell sieht der erfahrene Kompany, der zwischen 2006 und 2008 auch mal für den Hamburger SV spielte, das Fußballgeschäft insgesamt auf keinem guten Weg: "Wenn du über den Fußballsektor sprichst, dürfen dich solche Enthüllungen irgendwann nicht mehr überraschen. Die Verbindungen zum Menschenhandel, dem Drogengeschäft und der Prostitution - dort wo es um jede Menge Geld geht - sind viel zu eng."

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Ende des Skandals nicht abzusehen

Welche weiteren Kreise der Skandal noch ziehen wird, ist derzeit völlig offen. Es geht auch um groß angelegten Finanzbetrug bei Spielertransfers. Gegen den Schiedsrichter Bart Verten und Dragan Siljanoski, den Ex-Berater von Brügge-Trainer Ivan Leko, sind ebenfalls Haftbefehle erlassen worden. Fünf weitere Personen seien angeklagt worden, aber ebenfalls auf freiem Fuß. Bereits am Donnerstag war Sebastien Delferiere, ein weiterer Unparteiischer, angeklagt und anschließend gegen Kaution wieder freigelassen worden. Verten und Delferiere wurden umgehend vom belgischen Fußballverband suspendiert.

Auch Ivan Leko, Trainer des belgischen Meisters FC Brügge, war am Donnerstag dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Der Brügge-Coach musste die Nacht zum Donnerstag im Gefängnis verbringen, wurde nach einem Verhör aber zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Als direkte Folge wurde der für das Wochenende geplante zehnte Spieltag der zweiten Liga komplett abgesagt. Belgischen Medien zufolge fürchtet die Liga Proteste von Mechelen-Fans. Anhänger des Klubs hatten bereits am Donnerstag am KV-Stadion gegen die Klubführung protestiert.

Ermittlungen in Frankreich

Auch französische Ermittler gehen Berichten zufolge einem Verdacht auf Wettbetrug nach. Nach dem 6:1 von Paris Saint-Germain in der Champions League gegen Roter Stern Belgrad haben französische Behörden Vorermittlungen eingeleitet, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag (12.10.18) unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Quelle berichtete. Zuvor hatte die Sportzeitung "L'Équipe" darüber berichtet. Justizkreise bestätigten der dpa in Paris, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde, nahmen aber zu Einzelheiten keine Stellung.

Der französische Fußball-Meister Paris Saint-Germain (PSG) hatte sich am 3. Oktober überraschend klar mit 6:1 (4:0) gegen den serbischen Hauptstadt-Club durchgesetzt. AFP und "L'Équipe" zufolge steht nun eine ranghohe Führungsfigur von Roter Stern Belgrad im Fokus der Ermittlungen. Der Mann soll einen Millionenbetrag auf eine Niederlage seines Clubs mit fünf Toren Unterschied gesetzt haben. Die UEFA habe die französischen Behörden informiert, berichtete "L'Équipe". PSG erklärte am Freitagabend, der Verein habe mit "großer Verwunderung" von den Berichten erfahren. Der Club des deutschen Trainers Thomas Tuchel wies "kategorisch jede direkte und indirekte Verwicklung" zurück.

Stand: 12.10.2018, 21:47

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