Belgiens Liga hofft auf das Fußballverbot

Das Stadion von Standard Lüttich

Ligaversammlung am Montag

Belgiens Liga hofft auf das Fußballverbot

Von Chaled Nahar

Belgiens Liga trifft sich in einer Videokonferenz zu einer Generalversammlung, um über den Abbruch der Saison abzustimmen. Im Vorfeld hat sie eine Bitte an die Politik: "Verbietet die Spiele!"

Am Montag (04.05.2020) soll die Entscheidung fallen: Wird die Pro League in Belgien wegen Corona abgebrochen oder nicht? Die 24 Klubs der beiden höchsten Ligen haben diese Entscheidung bereits zwei Mal vertagt. "Eine weitere Verschiebung ist möglich, aber die Ungeduld wächst", sagt Ligasprecher Stijn van Bever.

Die Klubs wollen sportlich und finanziell Klarheit. Deshalb hoffen sie kurioserweise mehrheitlich, nicht mehr spielen zu dürfen. Der Wunsch ist ein Verbot des Fußballs durch die Regierung.

"Höhere Gewalt" sichert die Einnahmen

Für die belgische Liga geht es wie für viele andere Wettbewerbe um das Fernsehgeld. Belgiens Liga nimmt pro Saison derzeit 82 Millionen Euro ein, der Bundesliga stehen zum Vergleich 1,16 Milliarden Euro zu.

Die Bundesliga erhält das Geld in vier Raten und will die Saison zu Ende spielen, um die vierte Rate zu behalten. Belgiens Liga hat das komplette Geld bereits bekommen. Das Verbot würde der Liga ermöglichen, sich auf "höhere Gewalt" berufen zu können. Dann müssten die Klubs das Geld nicht zurückzahlen und hätten finanziell etwas Planungssicherheit. "Und wir müssten nicht krampfhaft die Saison mit aufwändigen Test- und Hygienemaßnahmen ohne Fans zu Ende spielen", sagt Ligasprecher van Bever.

Das erhoffte Verbot durch die Politik, das in den Nachbarländern Niederlande und Frankreich die Saisons beendet hat oder wohl bald beenden wird, gibt es allerdings noch nicht. Bislang ist reguläres Mannschaftstraining bis zum 8. Juni verboten, alle Großveranstaltungen mit Zuschauern sind es bis zum 31. August. Ab dem 4. Mai, wenn um 17 Uhr die Ligaversammlung beginnt, sollen allerdings erste Lockerungen der Einschränkungen in Kraft treten. Eine klare Vorgabe fehlt also.

Drohungen der UEFA blieben leer

"Zumindest sind die Drohungen der UEFA nicht mehr aktuell", sagt van Bever. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der wohl einen Vorbildcharakter der Belgier für andere Länder fürchtete, drohte ultimativ mit dem Ausschluss für Belgiens Klubs aus der Champions League und der Europa League. Der FC Brügge nahm 2018/19 dort mehr als 30 Millionen Euro ein.

Mit den Fakten, die die staatlichen Entscheidungsträger in Frankreich und den Niederlanden geschaffen haben, ist dieses Szenario aber längst vom Tisch. Mittlerweile erlaubt die UEFA Saisonabbrüche unter bestimmten Umständen. Belgien will die letzte gültige Tabelle nehmen und den FC Brügge zum Meister erklären. Alle Klubs haben gleichviele Spiele absolviert, der Vorsprung des FC Brügge an der Tabellenspitze ist groß - alles wirkt ganz einfach. Doch in Belgien bleibt es kompliziert.

Geld gegen Abstieg? Schlusslicht wehrt sich

Waasland-Beveren, derzeit Tabellenletzter, wäre der einzige Absteiger. Und der Klub hat Protest angekündigt. Auch versprochene Solidaritätszahlungen aus dem Kreis der möglichen Europapokalteilnehmer konnten daran bislang nichts ändern. Geld gegen Abstieg - es wäre auch ein merkwürdiges Geschäft. Und andersherum gibt es auch Ärger. Die Klubs Beerschot und Leuven befinden sich in der Verfolgergruppe der zweiten belgischen Liga und wollen ihre Chance auf den Aufstieg. Alle Regelungen müssen mit 80 Prozent der Stimmen angenommen werden.

Und als wenn das alles nicht schon Gesprächsstoff genug für die Versammlung wäre, hat die Lizenzkommission des belgischen Verbandes sieben Klubs der beiden ersten Ligen die Lizenz verweigert, darunter Standard Lüttich. Der Traditionsklub Sporting Lokeren wurde für bankrott erklärt. Ligasprecher van Bever sagt: "Das ist alles ziemlich schwierig."

Stand: 02.05.2020, 19:33

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