Betrugsskandal in Belgien weitet sich aus

Die Spieler des KV Mechenen jubeln nach einem Tor gegen Oud-Hevertee

29 Festnahmen: angeblich Erstliga-Partien betroffen

Betrugsskandal in Belgien weitet sich aus

Der angeblich massive Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche wirft die Bundesstaatsanwaltschaft namhaften Personen der Branche vor. Ein Zweitliga-Spieltag wurde abgesagt.

29 Personen hat die Polizei festgenommen, wie die Ermittler am Donnerstag (11.10.2018) in Brüssel mitteilten. Die Staatsanwaltschaft äußerte zudem den Verdacht, dass zwei Erstliga-Partien der Saison 2017/2018 manipuliert worden seien. Es habe sich um Manipulationen im Abstiegskampf zugunsten des FC Mechelen gehandelt. Unter den Festgenommenen befanden sich den Angaben zufolge Spielerberater, Schiedsrichter und andere Verantwortliche.

Fünf Anklagen erhoben

Wie viele der Verdächtigen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind, war am Donnerstagnachmittag zunächst unklar. Gegen fünf Menschen wurde Anklage erhoben. In vier Fällen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Korruption. Schlüsselfiguren der mutmaßlichen Affäre sind laut Medien unter anderem die Spielerberater Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Beide waren bei einer spektakulären Großrazzia am Mittwoch festgenommen worden.

Korruptionsskandal erschüttert belgischen Fußball

Sportschau | 10.10.2018 | 03:33 Min.

Auch Ivan Leko, Coach von Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner FC Brügge, musste die Nacht auf Donnerstag in Haft verbringen. Der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck soll der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge hingegen wieder auf freiem Fuß sein.

44 Gebäude durchsucht

Am Tag nach den aufsehenerregenden Durchsuchungen von 44 Gebäuden in Belgien waren noch viele Fragen offen. So blieb zunächst unklar, ob der Skandal auch ausländische Ligen betrifft. Im Zuge der Ermittlungen waren auch 13 Gebäude in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro und Mazedonien durchsucht worden.

Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany kommentierte die Vorfälle mit drastischen Worten. "Die Verbindung zu Praktiken im Menschenhandel, Drogenhandel oder der Prostitution - wo eine Menge Geld zirkuliert - ist sehr eng", sagte er im Gespräch mit dem Sender "VTM" über die Fußball-Branche.

"Katastrophe für den Sport"

Auch belgische Medien zeigten sich entsetzt über das Ausmaß der Vorwürfe. Als eine "Katastrophe für den Sport" bezeichnete etwa die Tageszeitung "Het Nieuswblad" die Vorgänge. Die Tageszeitung "Le Soir" nannte die Polizeiaktion "beispiellos" und zitierte einen Insider mit den Worten: "Im belgischen Fußball gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel."

Nach dem begeisternden Auftritt der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland schwinge das Pendel nun besonders heftig zurück, hieß es. Die "Roten Teufel" um Eden Hazard und Kevin De Bruyne hatten mit begeisterndem Offensivfußball Platz drei belegt. Am Freitag empfängt das Team in der Nations League die Schweiz.

Zweitliga-Spieltag abgesagt

Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez sagte, er wolle zunächst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Ermittlungen alleine seien noch nicht schädlich - die Ergebnisse aber möglicherweise schon.

Als direkte Folge wurde der für das Wochenende geplante zehnte Spieltag der zweiten Liga komplett abgesagt. Belgischen Medien zufolge fürchtet die Liga Proteste von Mechelen-Fans. Anhänger des Klubs hatten bereits am Donnerstag am KV-Stadion gegen die Klubführung protestiert.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 11.10.18, 22.50 Uhr

dpa | Stand: 11.10.2018, 22:03

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