Luis Suárez bei Atlético - mit der Lizenz zum Toreschießen

Luis Suarez

La Liga

Luis Suárez bei Atlético - mit der Lizenz zum Toreschießen

Von Tim Beyer

Beim FC Barcelona wurde Luis Suárez nicht mehr benötigt, er verabschiedete sich unter Tränen. Lionel Messi wird ihn vermissen. Nun spielt Suárez für Atlético Madrid und traf gleich im ersten Spiel doppelt. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte?

Zwischen dem Augenblick, in dem Luis Suárez zum ersten Mal als Spieler von Atlético den Rasen des Wanda Metropolitano betrat, und jenem, in dem man eine Ahnung bekam, wie wichtig der Transfer noch werden könnte, lagen nur neunzig Sekunden. So lange brauchte Suárez, um Mitspieler Marcos Llorente einen Treffer aufzulegen. Später traf Suárez auch noch selbst, einmal per Kopf und einmal mit einem Linksschuss. Einen dritten Treffer verhinderte der Pfosten. Am Ende gewann Atlético 6:1 gegen den FC Granada, der immerhin als Tabellenführer in die Hauptstadt gereist war.

Wie ein Hurrikan sei Suárez über die Defensive von Granada hinweggefegt, schrieb die Sportzeitung "AS". Man mag das für übertrieben, vielleicht gar unpassend halten, doch eines hat der erste Kurzeinsatz von Suárez dann doch gezeigt: Dass sie sich bei Atlético mit einem Spieler verstärkt haben, der Tore garantiert. In seinen 14 Jahren in Europa hat Suárez im Schnitt 29 Tore pro Saison erzielt. Beim FC Barcelona waren es in sechs Jahren 195 Treffer in 283 Pflichtspielen, er ist damit der drittbeste Torschütze in der Vereinsgeschichte.

Eine Entscheidung, die nicht überall gut ankam

Und doch hatte Barcelonas neuer Trainer Ronald Koeman kürzlich entschieden, er könne fortan auf Suárez verzichten. Sicher, Suárez ist mittlerweile 33, und manchmal meldet sich sein Knie, doch Koemans Entscheidung konnten trotzdem nicht alle nachvollziehen. Bei seiner Verabschiedung sah Suárez noch einmal ein Video seiner besten Szenen, es waren viele Tore darunter. Irgendwann sollte auch er etwas sagen. Also sagte er: "Das ist sehr schwierig für mich." Ihm kamen die Tränen.

Lionel Messi ist eng befreundet mit Suárez, sie waren Nachbarn, Sturmpartner und sich gegenseitig ein Stück Heimat. Jedenfalls war Messi überhaupt nicht einverstanden damit, welch trostloses Ende die Geschichte zwischen Barca und Suárez nahm. Der sei ganz sicher "einer der wichtigsten Spieler in der Geschichte des Klubs", schrieb Messi bei Instagram. Und wenn man sich schon entscheide, einen solchen Spieler zu verkaufen, dann doch wenigstens mit Stil. Suárez, so war zu lesen, hatte erst aus den Medien erfahren, dass Koeman nicht mehr mit ihm plant.

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Suárez, ein Sprachtest und die Sache mit Juventus

Beinahe wäre Suárez dann auch gar nicht bei Atlético gelandet, sondern bei Juventus in Turin. In der italienischen Serie A aber dürfen pro Team nur zwei Nicht-EU-Ausländer verpflichtet werden, und in Turin waren die schon vergeben. Sie hatten sich deshalb etwas überlegt beim Serienmeister Juve: Der Uruguayer Suárez sollte einfach eingebürgert werden. Das wäre durchaus möglich gewesen, weil dessen Frau italienische Wurzeln hat. Allerdings hätte Suárez dafür Sprachkenntnisse auf mittlerem Niveau nachweisen müssen.

So flog Suárez Mitte September nach Italien, um den Test zu absolvieren. Besonders gut seien seine Italienischkenntnisse nicht unbedingt, hatte man zuvor lesen können. Doch Suárez bestand - für den eigentlich zweistündigen Test habe er nur eine halbe Stunde gebraucht, schrieb etwa der "Corriere della Sera". Dort fragte man sich dann auch, wie es wohl sei, " so ein Genie zu treffen?"

Es wurde dann trotzdem nichts mit dem Transfer von Suárez zu Juve, Sprachtest hin oder her. Der Papierkram wäre wohl nicht mehr rechtzeitig zur Kadermeldung für die Champions League fertig geworden. Stattdessen spielt Suárez nun für Atlético.

"Dachte, Weihnachten ist nur einmal im Jahr"

Bei seiner Vorstellung in Madrid steckten sie Suárez in einen schwarzen Anzug und ließen ihn mit vor der Brust gekreuzten Armen posieren. Ein bisschen wie James Bond, das sollte wohl die Botschaft sein. Jedenfalls twitterte Atlético, man habe da einen Spieler verpflichtet, der die Lizenz zum Toreschießen habe. Etwas später retweetete der Verein gar sich selbst und schrieb: "Ich dachte, Weihnachten ist nur einmal im Jahr."

Für den Trainer Diego Simeone mag sich der Transfer von Suárez tatsächlich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk angefühlt haben. Im Angriff hat Simeone den talentierten João Félix, 20, doch der ist kein klassischer Mittelstürmer. Diesen Typus verkörpern Nikola Kalinic und Diego Costa, doch beide haben schon einmal für mehr Angst bei gegnerischen Verteidigern gesorgt.

"Der eine beißt, der andere schlägt zu"

Costa immerhin traf auch gegen Granada, ehe er gegen Suárez ausgewechselt wurde. Später sagte Costa: "Ich kann nicht verstehen, wie so eine Mannschaft wie diese ihn gehen lassen konnte. Aber letztlich ist das gut für uns." Für Atlético und alle, die es mit dem "Colchoneros" halten, ist dieser Transfer sicher eine feine Sache. Suárez, das ist das Kalkül, könnte dabei helfen, den Abstand zu den Rivalen FC Barcelona und Real Madrid wieder zu verringern.

Diego Costa hingegen könnte sich künftig öfter auf der Ersatzbank wiederfinden. An der Seite von Suárez dürfte perspektivisch Félix wirbeln. Costa könnte womöglich sogar noch wechseln, er sieht aber noch eine andere Möglichkeit. Er könne sich natürlich vorstellen, gemeinsam mit Suárez zu spielen, sagte er. Die Idee habe doch Charme: "Der eine beißt, der andere schlägt zu."

Mancher Fußballfan mag sich noch erinnern: Als er noch beim FC Chelsea spielte, war Costa vor einigen Jahren in der Kabine und mit Boxhandschuhen zum freundschaftlichen Kampf gegen einen Masseur angetreten und hatte diesen mit einem Schlag zu Boden gestreckt. Und Suárez hatte bei der WM 2014 Italiens Giorgio Chiellini in die Schulter gebissen, die Bilder gingen um die Welt.

Zusammen wären sie sicher ein Angriffsduo, das Abwehrspielern Sorgen bereiten würde. Ob sich der Trainer Simeone für diese Idee erwärmen kann, wird man sehen. Vielleicht schon am Mittwochabend (30.09.2020), dann spielt Atlético bei der SG Huesca.

mit Material von sid und dpa | Stand: 29.09.2020, 11:55

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