João Félix - das unterschätzte Jahrhunderttalent

João Félix

Wechsel zu Atlético Madrid

João Félix - das unterschätzte Jahrhunderttalent

Ein 19-Jähriger mit Zahnspange wird zum fünftteuersten Transfer der Fußball-Welt. Dabei wurde João Félix in seiner Karriere schon oftmals unterschätzt.

Im Januar 2019 schien die Karriere des João Félix ordentlich ins Stocken geraten zu sein. Im Sommer zuvor war das Talent aus der B-Mannschaft in den Profikader von Benfica Lissabon aufgestiegen, doch dort lief es zunächst überhaupt nicht rund.

Unter Trainer Rui Vitoria fristete der 19-Jährige ein Reservistendasein, in der Champions League stand er meist nicht einmal im Kader. In der portugiesischen Liga kam er nur auf sieben Spiele, in keinem davon stand er 90 Minuten auf dem Platz.

Jetzt, sechs Monate später, wechselt Félix für 126 Millionen Euro von Benfica zu Atlético Madrid. Die Spanier stachen zahlreiche hochkarätige Mittbewerber aus. Er erhält einen Vertrag bis 2024 und soll bei den "Colchoneros" das Trikot mit der Rückennummer Sieben tragen und Weltmeister Antoine Griezmann ersetzen, den es offenbar zum FC Barcelona zieht. Dem Vernehmen nach soll er sieben Millionen Euro netto im Jahr verdienen.

Trainerwechsel bringt die Wende

Die Erklärung für diesen Aufstieg ist recht einfach. Im Januar wechselte Benfica den Trainer. Unter Bruno Lage blühte Félix auf. Der Mann mit der Nummer 79 war plötzlich Stammspieler - und führte die Mannschaft mit mitreißendem Fußball zum 37. Meistertitel. Auch deutsche Fußballfans lernten den Stürmer kennen. Im Europa-League-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt erzielte er beim 4:2-Sieg Benficas im Hinspiel drei Treffer. In 43 Pflichtspielen machte er 20 Tore und bereitete etliche vor.

Dichte Haarmähne und Zahnspange

Der Junge mit den dichten, dunklen Haaren und der Zahnspange ist der bisher teuerste Transfer des Sommers und der fünftteuerste überhaupt. Nur für Neymar und Kylian Mbappé (beide Paris Saint-Germain) sowie für Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé (beide FC Barcelona) floss mehr Geld.

In seiner Heimat Portugal gilt der Offensivstar, der am liebsten direkt hinter dem Mittelstürmer wirbelt, als Verheißung und Wunderkind, als der "neue Cristiano Ronaldo". Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab er im Halbfinale der Nations League gegen die Schweiz. Da gehörten noch dem Weltstar Ronaldo die Schlagzeilen, der sein Land mit drei Toren fast im Alleingang zum 3:1 gegen die Eidgenossen schoss. Félix war kaum zu sehen, gegen die robusten Schweizer Verteidiger gelang ihm nur wenig. An der Seite Ronaldos war wohl auch die Nervosität zu groß.

"Bescheidenes Jahrhunderttalent"

Die Experten sind sich dennoch einig. "Er ist ein Jahrhunderttalent. Portugal darf sich glücklich schätzen, wieder solch einen Spieler zu haben. Er wird dem Land noch viel Freude bereiten", sagte Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter, nachdem Félix den Hessen in der Europa League drei Tore eingeschenkt hatte.

"Welche Entscheidungen er auf dem Platz fällt, ist absolut erstaunlich, hervorragend, allerhöchster Level", sagte sein Jugendtrainer Joao Tralhao und lobte auch die Mentalität des Spielers: "Er ist sehr bescheiden, arbeitet hart, hört zu und ist ein Wettkampftyp." Auch der frühere Nationalstürmer Nuno Gomes ist voll des Lobes: "Jedem ist sofort klar, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist. Er ist bereits ein Star, trotzdem ist er schüchtern und bescheiden geblieben."

Ein Instinktfußballer

Auf dem Platz agiert Félix variabel, viele Situation löst er auch unter großem Druck des Gegners aus dem Bauch heraus - Instinktfußballer trifft es wohl. Seine stets enge Ballführung zeigt eine gewisse Eleganz, er ist beidfüßig und hat trotz seiner schmächtigen Statue ein ordentliches Kopfballspiel. Vor dem gegnerischen Tor zeigt er zudem nur selten Nerven.

Beim FC Porto raufen sie sich gewiss gerade die Haare. Félix wuchs in Viseu auf und spielte in der Jugend für den Klub aus der Hafenstadt. 2014 schickte Porto ihn aber weg - wegen Perspektivlosigkeit. Über den Umweg Padroense kam er dann zu Benfica, wo Ex-Trainer Rui Vitoria fast denselben Fehler gemacht hätte.

vdv/sid/dpa | Stand: 04.07.2019, 11:17

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