Asien-Cup - "Micky-Maus-Cup" mit politischen Spannungen

Anhänger der Vereinigten Arabischen Emirate auf der Tribüne

Turnier in den VAE

Asien-Cup - "Micky-Maus-Cup" mit politischen Spannungen

Von Chaled Nahar

Vom 5. Januar bis 1. Februar sind die Vereinigten Arabischen Emirate Ausrichter des Asien-Cups. 24 Mannschaften spielen in sechs Stadien den Sieger aus. Doch das Turnier steht sowohl in der Sportpolitik als auch in der Weltpolitik im Schatten von Machtspielen, Geld und dem Kampf um Einfluss.

Früher sorgte der Afrika-Cup im deutschen Ligafußball für Ärger, wenn Spieler für das Turnier abgestellt werden mussten. Jahrelang wurde das Turnier im Januar und Februar ausgetragen, die Manager der Klubs in Deutschland und in anderen europäischen Ligen fluchten über die Abstellungen ihrer Spieler aus Afrika. Neben der Verletzungsgefahr fehlten die Spieler in der Vorbereitung oder sogar in einigen Spielen.

Das Problem Afrika-Cup wird ab diesem Jahr ein kleineres sein, denn die afrikanische Konföderation CAF entschied sich trotz der Bedenken um die in vielen afrikanischen Ländern hohen Temperaturen, das Turnier in den Juni und Juli zu verlegen.

Der Termin: Wechsel in den Winter sorgt für Ärger in Europa

Die asiatische Konföderation ging den umgekehrten Weg. Zwar gab es nie einen traditionellen Zeitpunkt für das Turnier, zumindest aber die Auflagen 2004 und 2007 wurden im Sommer ausgetragen. Seit 2011 - als man in Asien bereits vor der WM-Vergabe 2022 merkte, dass es in Katar im Sommer zu heiß zum Fußballspielen ist - findet das Turnier im Januar und Februar statt. Und so werden einige Spieler deutscher Klubs große Teile der Vorbereitung und wohl auch einige Spiele verpassen.

Die Abstellungen: Koo will nicht mitspielen, muss aber

Bemerkenswert ist die Geschichte um Ja-Cheol Koo vom FC Augsburg. Der wollte eigentlich nach der WM 2018 aus der Nationalmannschaft zurücktreten, was den südkoreanischen Verband und Trainer Paulo Bento jedoch nicht sonderlich interessiert. Koo musste im November beim Test in Australien 45 Minuten mitspielen, gegen Usbekistan saß er auf der Bank.

Ja-Cheol Koo vom FC Augsburg

Ja-Cheol Koo vom FC Augsburg

Die Eindrücke reichten Bento offenbar, Koo wurde für den Asien-Cup nominiert - er muss anreisen, Rücktritt hin oder her. Der südkoreanische Verband sitzt ohnehin am längeren Hebel, weder Koo noch der FCA werden den Konflikt suchen. Auch sein Augsburger Teamkollege Dong-Won Ji steht in Südkoreas Kader für das Turnier.

Die Abstellungen deutscher Klubs im Überblick:

  • Südkorea: Dong-Won Ji, Ja-Cheol Koo (beide FC Augsburg), Jae-Sung Lee (Holstein Kiel), Hee-Chan Hwang (Hamburger SV), Chung-Yong Lee (VfL Bochum).
  • Japan: Yuya Osako (Werder Bremen) und Genki Haraguchi (Hannover 96).
  • Australien: Mathew Leckie (Hertha BSC), Robbie Kruse (VfL Bochum).
  • Philippinen: John-Patrick Strauß (Erzgebirge Aue).
  • Kirgistan: Vitalij Lux (SSV Ulm), Viktor Maier (SC Wiedenbrück).

In England fehlen Schlüsselspieler wie die beiden Südkoreaner Sung-Yueng Ki (Newcastle United) und Heung-Min Son (Tottenham Hotspur) ihren Teams. Australien hat alleine acht Spieler im Kader, die für englische oder schottische Klubs spielen. In Schottland ereiferte sich der frühere Profi und heutige TV-Experte Chris Sutton über einen "Micky-Maus-Cup", der die Klubs beeinträchtige.

Die Politik: Streit um viele Kleinigkeiten und das ganz Große

Gar nicht in die Kategorie Micky Maus fallen die politischen Spannungen, die den Fußball in der Region und auch das Turnier im Speziellen überlagern. Einige Auslosungen in der Gruppenphase und mögliche Spiele in der K.o.-Runde wirken brisant. Vor allem in der Gruppe E treffen mit Saudi-Arabien und Katar zwei geopolitische Rivalen aufeinander.

Katar ist derzeit politisch in der Region isoliert, neben Saudi-Arabien haben auch Ausrichter Vereinigte Arabische Emirate und Bahrain die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Dieser große Konflikt führt zu skurrilen Details: Bei der asiatischen U19-Meisterschaft im Oktober verweigerte der Kapitän der Emirate seinem Gegenüber aus Katar den Handschlag. Die Emirate sagten zudem ein Testspiel gegen Marokko ab, da dieses sich politisch neutral in dem Konflikt verhalten wollte.

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Auf welchen Ebenen die Konflikte zwischen den Ländern dort schwelen, zeigte auch die Umbenennung der höchsten Fußball-Liga der Vereinigten Arabischen Emirate in "UAE Arabian Gulf League" 2013. Ob der Arabische Golf nun so heißt oder doch Persischer Golf, ist hochgradig umstritten. Der Iran beschuldigte die VAE des Rassismus und verhinderte den Transfer seines Rekordnationalspielers Javad Nekounam zu einem Klub in den Emiraten.

All das dürfte auch Gianni Infantino im Blick haben, der schon die WM 2022 in Katar mit 48 Mannschaften austragen lassen will und nicht erst die WM 2026. Dem kommerziell getriebenen Vorhaben steht allerdings im Wege, dass das kleine Katar mit 48 Teams kaum fertig werden würde - Spiele mit den Nachbarn zu teilen wirkt angesichts der Beziehungen dort aber mindestens schwierig.

Die Menschenrechte: Wieder ein schwieriges Gastgeberland

Kaum thematisiert wurde bislang die Frage der Menschenrechte im Gastgeberland. Katar wurde als WM-Gastgeber 2022 häufig und heftig dafür kritisiert, wie es mit Menschenrechten umgeht, gerade im Bezug auf Arbeiter aus anderen Ländern.

In der Vereinigten Arabischen Emiraten unterscheidet sich die Lage kaum, auch dort gibt es das Sponsorensystem ("Kafala"). Zwar seien in den Emiraten Schutzmechanismen für Arbeitnehmer eingeführt worden, an deren Umsetzung und Kontrolle die Vereinten Nationen aber Zweifel erheben.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet in ihrer aktuellsten Stellungnahme zu dem Land: "Die Regierung schränkte die Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit 2017 weiterhin willkürlich ein. Die Behörden nutzten Bestimmungen des Strafgesetzbuchs zu Diffamierung und das Antiterrorgesetz, um Regierungskritiker festzunehmen, strafrechtlich zu verfolgen und zu Haftstrafen zu verurteilen."

Frauen würden zudem diskriminiert, Folter von Inhaftierten sei an der Tagesordnung, die Todesstrafe würde ausgesprochen und sei in mindestens einem Fall auch vollstreckt worden.

Das Turnier: Format wie bei der EM, neuer Pokal im Lotus-Design

Abseits der politischen Konflikte und Menschrechtsverletzungen dürfte das Turnier zumindest sportlich Vorzeigbares zu bieten haben. Als Favoriten gelten die Mannschaften aus Japan, Südkorea, Iran und Titelverteidiger Australien. Auch Saudi-Arabien und die Emirate könnten eine Rolle spielen. Die größten Außenseiter sind Jemen und Turkmenistan, die in der FIFA-Weltrangliste tief im dreistelligen Bereich rangieren.

Das Turnier findet im fast deckungsgleichen Format wie die EM statt: 24 Mannschaften ermitteln in sechs Vierergruppen 16 Mannschaften für ein Achtelfinale. Wie bei der EM kommen die vier besten Gruppendritten weiter, der direkte Vergleich gilt bei Punktgleichheit vor der Tordifferenz. Das Teilnehmerfeld ist erweitert worden, 2015 nahmen noch 16 statt wie heute 24 Teams teil.

Die alte (r.) und neue (l.) Trophäe des Asien-Cups

Die alte (r.) und neue (l.) Trophäe des Asien-Cups

Detail am Rande: Es gibt einen neuen Pokal, der alte hat ausgedient. Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Khalifa - bekannt aus der verlorenen Wahl zum FIFA-Präsidenten 2016 gegen Infantino - erklärte als AFC-Präsident bei der Präsentation: "Es ist eine Trophäe, die die Aufregung und die Dramatik des Turniers erfasst." Und das geht so: Der Pokal soll eine Lotusblume darstellen, die ein Friedenssymbol ist. Ihre fünf Blüten repräsentieren die Verbände Westasiens, Zentralasiens, Südasiens, Ostasiens und Südostasiens.

Die Zukunft: China oder Südkorea?

Die europäischen Ligen und ihre Spieler haben nach dem Turnierende vorerst Ruhe vor dem Asien-Cup. Die nächste Auflage steigt erst 2023, China und Südkorea streiten sich derzeit um das Recht zur Ausrichtung.

Auf Europa kommen im Sommer 2019 aber drei weitere Turniere mit Abstellungen von Spielern zu, die Wettbewerbe finden fast gleichzeitig statt: Der Afrika-Cup soll vom 15. Juni bis 13. Juli in Ägypten oder Südafrika ausgetragen werden, Kamerun war die Ausrichtung entzogen worden. In den USA und Costa Rica trägt die CONCACAF zwischen dem 15. Juni und dem 7. Juli den Gold Cup aus, das Regionalturnier für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik. Und in Brasilien steigt vom 14. Juni bis 7. Juli die Copa America.

Stand: 02.01.2019, 10:50

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