Verkaufsrekord - Wie AS Monaco Borussia Dortmund kopiert

Thomas Lemar im Trikot des AS Monaco

Transfereinnahmen in Rekordhöhe für AS Monaco

Verkaufsrekord - Wie AS Monaco Borussia Dortmund kopiert

Von Volker Schulte

Weltrekord für die AS Monaco: Frankreichs Vizemeister hat mehr als 300 Millionen Euro durch Spielerverkäufe eingenommen. Damit hat die AS ihr strategisches Vorbild Borussia Dortmund überholt - steckt aber in ähnlichen Schwierigkeiten wie der BVB.

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass die Dortmunder neue Maßstäbe gesetzt haben. Durch den Verkauf von Pierre-Emerick Aubameyang für 63,75 Millionen Euro an den FC Arsenal schraubte der BVB seine Saison-Einnahmen aus Transfers auf knapp 251 Millionen Euro. Ein großer Teil davon waren die 115 Millionen Euro, die bereits ein halbes Jahr zuvor der FC Barcelona für Ousmane Dembélé überwiesen hatte (alle Zahlen laut transfermarkt.de). Doch der Bestwert hielt nur ein halbes Jahr. Denn die AS Monaco hat bereits vor Ende des Sommer-Transferfensters und vor möglichen Verkäufen im Winter knapp 310 Millionen Euro eingenommen. Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Für die Monegassen ist der Rekord die Bestätigung dafür, dass ihr Plan aufgeht. Der Klub mit seinem russischen Investoren Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew hatte sich zum Ziel gesetzt, junge Spieler weiterzuentwickeln und gleichzeitig dem noch reicheren Paris St. Germain möglichst Konkurrenz zu machen. Vorbild war unter anderem der BVB, der es, aus einer schweren finanziellen Krise kommend, mit jungen Spielern 2011 und 2012 zu zwei Meistertiteln gebracht hatte. Monaco war nach dem Abstieg 2011 sportlich und finanziell am Boden. Dann stieg Rybolowlew ein, investierte besonders vor der Saison 2013/14 sehr viel Geld in Spieler - und verhalf der AS so zum furiosen Comeback. Krönung des "Projet Dortmund", wie es französische Medien gerne nannten, war die Meisterschaft 2017.

Mbappés Verkauf schlägt erst jetzt zu Buche

Kylian Mbappé

Kylian Mbappé

Anschließend zeigte der Erfolg seine Nebenwirkungen. Schon im Sommer 2017 musste AS Leistungsträger wie Benjamin Mendy und Bernardo Silva ziehen lassen, kassierte damals schon insgesamt knapp 200 Millionen Euro. Auch Riesentalent Kylian Mbappé verließ den Klub in Richtung Paris St. Germain, aufgrund eines dubiosen Leihgeschäfts jedoch zunächst ablösefrei. Mit dem Deal wollten die Pariser offenbar Probleme mit dem Financial Fairplay der UEFA, das ausufernde Ausgaben begrenzen soll, verhindern. Schließlich wechselte auch der Brasilianer Neymar im selben Sommer für die Rekordablöse von 222 Millionen Euro nach Paris.

Nun aber, eine Saison später, hat St. Germain Nationalstürmer Mbappé auch offiziell verpflichtet, "transfermarkt.de" führt dafür 135 Millionen Euro Ablöse auf. Nach diversen Medienberichten könnte die Summe sogar höher sein, auch 160 Millionen Euro plus mögliche Zuschläge stehen im Raum. Den eingangs genannten Einnahmerekord machen zwei weitere Verkäufe perfekt: Thomas Lemar wechselte für 70 Millionen Euro zu Atlético Madrid, Fabinho für 45 Millionen zum FC Liverpool. Hinzu kommen die Abgänge von Terence Kongolo (20 Mio. Euro, Huddersfield, war bereits ausgeliehen), Rachid Ghezzal (14 Mio. Euro, Leicester City), Adama Diakhaby (10 Mio. Euro, Huddersfield), Soualiho Meité (10 Mio. Euro, FC Turin) und Joao Moutinho (5,6 Mio. Euro, Wolverhampton).

Paris St. Germain droht zu enteilen

Bleibt die Frage: Wie verkraftet die Association Sportive die Abgänge sportlich? Schon in der vergangenen Saison betrug der Rückstand auf Meister Paris 13 Punkte, der Vorsprung auf das drittplatzierte Lyon nur zwei Zähler. Die jüngste 0:4-Klatsche im Supercup gegen Paris war ein Indiz dafür, dass Monaco auch in der am Freitag beginnenden neuen Saison PSG kaum Konkurrenz machen dürfte. Die nächste Parallele zum BVB: Auch in der Bundesliga ist der FC Bayern in weite Ferne gerückt, stattdessen kämpft die Borussia mit anderen Klubs um Platz zwei. Das "Projet Dortmund" zeigt in beiden Fällen seine Schwachstelle. Wer auf Talente setzt, braucht nach prominenten Abgängen eine gewisse Zeit, bis er wieder ganz vorne angreifen kann.

Alexander Golowin prominentester Zugang

Alexander Golowin bei seiner Vorstellung beim AS Monaco

Alexander Golowin bei seiner Vorstellung beim AS Monaco

Die Dortmunder haben jüngst reagiert und in Erfahrung investiert. Axel Witsel, für 20 Millionen Euro aus China gekommen, soll mit seinen 29 Jahren eine Führungsrolle übernehmen. Es ist anzunehmen, dass auch AS noch nachlegen wird. Einziger prominenter Zugang ist bisher Alexander Golowin, für 30 Millionen Euro von ZSKA Moskau gekommen. Der Russe wiederum passt mit seinen 22 Jahren ins bisherige Beuteschema. Und wenn der Plan auch weiterhin aufgeht, ist Golowin in einigen Jahren vielleicht Monacos nächster spektakulärer Verkauf.

Stand: 08.08.2018, 11:04

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