Premier League - Arsenals Stunde Null nach Wenger

Arsenal Londons Trainer Unai Emery beim Testspiel zwischen Arsenal und Lazio Rom, 4. August 2018

Neustart mit Trainer Unai Emery

Premier League - Arsenals Stunde Null nach Wenger

Von Julian Tilders

Beim Premier-League-Start am Wochenende muss der FC Arsenal direkt zum Härtest gegen den Meister Manchester City antreten. Die Erwartungen an Neu-Trainer Unai Emery sind groß - er soll die Londoner zurück in Englands Fußballspitze führen.

Wie so oft beim Beginn einer neuen Zeitrechnung herrscht in England bei Arsenal London aktuell sowohl ein Gefühl der Vorfreude als auch der Ungewissheit. Den "Gunners" steht Saison Nummer eins nach Arsène Wenger bevor, der als Klublegende über 22 Jahre eine Institution darstellte.

Der neue Trainer und Teammanager in Personalunion heißt Unai Emery und kommt von Paris Saint-Germain. Es ist die siebte Trainerstation des 46-Jährigen. Mit der Entscheidung pro Emery setzte Vorstandschef Ivan Gazidis auf Erfahrung - zwischenzeitlich hatte auch eine Verpflichtung des zehn Jahre jüngeren Ex-Arsenal-Profis Mikel Arteta im Raum gestanden. Eine Option, die dem selbst in der Kritik stehenden Gazidis wohl zu risikobehaftet erschien.

Das Wenger-Erbe

Star-Trainer Emery soll es also richten. Das Ziel ist klar: Arsenal soll von ihm zurück in die Ligaspitze geführt werden. Dorthin, von wo in der jüngeren Vergangenheit Klubs wie Manchester City, Manchester United, Tottenham, Chelsea und Liverpool auf die "Gunners" hinunterblickten. Vergangene Saison reichte es für Arsenal unter Wenger nur zu Rang sechs - die unzufriedenen Fans gingen abermals auf die Barrikaden. Wengers Denkmal bekam nach und nach Risse, die der Franzose letztendlich selbst mit dem Rücktritt quittierte.

An Emery wird es sein, die unter Wenger in den vergangenen Jahren oftmals spürbare Kluft zwischen Mannschaft, Trainer und Anhängern zu schließen. Die Voraussetzungen machen Mut: Der gebürtige Baske zeigte bei all seinen bisherigen Trainerstationen Temperament an der Seitenlinie und kann eine Mannschaft mitreißen. Eine Eigenschaft, die viele Fans in England gerne sehen.

Arsenal-Trainer Unai Emery (l.) und Chelsea-Coach Maurizio Sarri bei einem Testspiel in Dublin

Arsenal-Trainer Unai Emery (l.) und Chelsea-Coach Maurizio Sarri beim 1:1 im Testspiel in der Vorbereitung zur Saison 2018/19

In der englischen Presse wird Emery zudem als detailversessener Trainer bezeichnet, der zeitgemäß mit Videoanalysen arbeitet und sein Team flexibel einstellen kann. Der Trainer selbst sagt: "Für mich ist das System nicht das Wichtigste." Die Tageszeitung "The Guardian" schreibt: "Emery ist für sein scharfsinniges Coaching und seine starken Verbindungen zu den Spielern hoch angesehen." Sollte es Emery gelingen, auch mit den Arsenal-Fans eine solche Beziehung aufzubauen, wäre dies der Grundstein für die lange vermisste Harmonie im Londoner Klub.

Druck bei Paris Saint-Germain, Druck bei Arsenal

Doch die Fans werden die Entwicklung unter Emery genau unter die Lupe nehmen. Sein Weg führt auch beim FC Arsenal nur über den Erfolg, nach dem die Anhänger seit Jahren dürsten. Die bislang letzte Premier-League-Meisterschaft wurde unter Wenger in der Saison 2003/04 von Thierry Henry und Co. geholt. Viel weniger Druck als bei Paris Saint-Germain hat Emery also bei Arsenal mittelfristig nicht, auch wenn ihm zu Anfang sicherlich eine Vorlaufzeit gewährt werden wird.

Der ehemalige Arsenal-Stürmer Ian Wright äußerte sich gegenüber der BBC nach Bekanntwerden der Verpflichtung über den Basken: "Emery hatte bei Paris Saint-Germain eine Menge Geld zur Verfügung." Bei Arsenal müsse er mit deutlich weniger Mitteln seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Klar ist: Es müssen Titel her.

Voller Trophäenschrank - trotzdem bei Paris gescheitert

Und Emery hat Erfahrung im Pokale stemmen. Mit dem FC Sevilla triumphierte er zwischen 2013 und 2016 drei Jahre in Folge als Sieger der Europa League. In nur zwei Jahren bei PSG holte er mit seiner Mannschaft fünf nationale Pokale und gewann einmal die französische Meisterschaft.

Dennoch trennten sich die Wege: Investor Nasser Al-Khelaifis brennendem Wunsch nach dem Gewinn der Champions League konnte Emery nicht entsprechen - nur daran wurde sein Erfolg letztendlich gemessen. Auch mit Superstar Neymar hatte es Differenzen gegeben. Aus Paris bringt Emery aus den vergangenen zwei Jahren einen Liga-Punkteschnitt von 2,36 pro Spiel mit - Wenger kam in derselben Zeit bei Arsenal nur auf 1,81.

Titelmission mit Leno als Nummer eins?

In der Sommer-Transferperiode, die in England am Donnerstag (09.08.2018) schließt, verpflichtete Arsenal unter anderem den deutschen Torwart Bernd Leno von Bayer Leverkusen und überwies etwa 25 Millionen Euro an die Werkself. Es läuft nun ein Kampf zwischen Leno und Petr Cech um die Nummer eins.

Wer am Sonntag (12.08.2018) im Härtetest gegen Meister Manchester City um 17 Uhr deutscher Zeit zwischen den Pfosten stehen wird, hat Emery noch nicht enthüllt. Es ist die erste von vielen wichtigen Entscheidungen, an denen der Trainer während der neuen Premier-League-Saison gemessen werden wird.

Stand: 08.08.2018, 12:25

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