Griezmann und Atletico - gegen den Trend

Antoine Griezmann

Franzose bleibt bei Atletico Madrid

Griezmann und Atletico - gegen den Trend

Fußball-Star Antoine Griezmann hat dem FC Barcelona einen Korb gegeben und bleibt bei Atletico Madrid. Auch wenn er sich in einer skurrilen Sondersendung selbst inszenierte, ist es eine Entscheidung gegen den Trend.

Eigentlich war alles nur noch Formsache. Der spanische Meister FC Barcelona hatte Atletico Madrids Stürmerstar Antoine Griezmann ein Angebot gemacht und war auch bereit, die festgesetzte Ablösesumme von 100 Millionen Euro zu bezahlen. In der Regel greifen dann die Mechanismen des Geschäfts, und die Fußballwelt wartete nur noch auf die Vollzugsmeldung. Auch Atletico hatte sich wohl schon mit dem Weggang seines Superstars abgefunden.

Wer hätte es dem französischen Nationalspieler auch verübeln können? Der Lockruf des Geldes und der Ausblick, an der Seite von Lionel Messi Meisterschaften und vielleicht sogar die Champions League zu gewinnen, war einfach zu lukrativ.

"Sie machen alles für das Team"

Doch es kam anders. Am Mittwoch (14.06.2018) schlug Griezmann die Offerte des FC Barcelona überraschend aus. Das erklärte der 27-Jährige beim spanischen TV-Sender Movistar+ - am Ende einer 30-minütigen Sondersendung mit dem Titel "Die Entscheidung".

"Ich habe entschieden, dass ich bleibe", verkündete er. "Sie machen alles für das Team, was möglich ist, damit es vorangeht und wir mehr Chancen haben, die Champions League daheim zu gewinnen. Sie versuchen sehr viel, um Topspieler zu holen", sagte Griezmann zur Begründung. Das nächste Champions-League-Finale findet 2019 im neuen Stadion von Atletico in Madrid statt und der Klub will unbedingt dabei sein.

Mehr Geld und weiter in der Hauptrolle

Dabei hatte in den vergangenen Wochen Lionel Messi höchstpersönlich um den Torjäger geworben. "Um die Champions League zu gewinnen, brauchen wir die besten Fußballer. Und Griezmann gehört dazu", hatte der fünfmalige Weltfußballer offen seinen Wunsch nach einer Verpflichtung geäußert. Doch der Franzose bleibt jetzt bei den "Colchoneros". Seine Vertragstreue - der Kontrakt läuft noch bis 2022 - soll ihm einen ordentlichen Gehaltsaufschlag einbringen.

Bei Barca hätte er zwar die weitaus größere Aussicht auf Titel gehabt, doch hinter Messi wäre ihm nur die Nebenrolle geblieben. Bei Atletico ist Griezmann dagegen der unumschränkte Liebling der Fans. Erst recht nach seinem grandiosen Auftritt im Europa-League-Finale, als er beim 3:0 gegen Olympique Marseille der große Matchwinner war. "Die Gefühle für einen Klub wachsen mit der Zeit. Ich bin seit vier Jahren bei Atletico, ich fühle mich heimisch", betonte der Stürmer.

 Schon früher solidarisch

Schon im vergangenen Jahr hatte sich Griezmann solidarisch mit dem Hauptstadt-Verein gezeigt, als er auch wegen des Transferverbots für Atletico ein Angebot von Manchester United ausgeschlagen hatte. Das wäre ein Tiefschlag gewesen, hatte Griezmann damals gesagt, schließlich hätte der Verein nicht mehr reagieren können. Nach seinem Wechsel von Real Sociedad San Sebastian hat er in 209 Pflichtspielen beachtliche 112 Tore geschossen. Seit Anfang des Jahres erzielte er 22 seiner 29 Saisontore.

Spott für große Selbstinzenierung

Das alles könnte Griezmann unheimlich symphatisch machen, denn in einer Fußball-Welt, in der es nur noch ums Geld zu gehen scheint, ist sein Verhalten gegen den Trend. Doch leider war die Sondersendung eine große Selbstinzenierung. Griezmann bemühte sich, ein ernstes Gesicht zu machen und gab sich als Grübler, der das Für und Wider abwog. Während der Sendung fragte er sogar seine Eltern und seine Schwester um Rat.

Im Internet erntete "Grizou" dafür viel Spott. "Peinlich", "Hampelmann", "Drama Queen", "Spielberg" waren noch die freundlicheren Kommentare. Der Stürmer hatte die Sendung selbst beim Kurznachrichtendienst Twitter angekündigt: "Ihr werdet genug haben von den Kommentaren, die sagen, dass ich gehe, dass ich bleibe, wie viel sie mir geben. Die Wahrheit ist das, was ich jetzt sage." Damit weckte der Basketball-Fan Erinnerungen an den NBA-Star LeBron James, der 2010 ebenfalls in einer Sondersendung seinen Wechsel von Cleveland zu Miami Heat verkündet hatte.

Auftamen in Frankreich

Die Entscheidung freut auch den französischen Verband und allen voran Trainer Didier Deschamps. Denn der hat das Thema kurz vor dem WM-Start vom Tisch. Und auch Griezmann kann sich jetzt voll und ganz auf die französische Nationalmannschaft konzentrieren. Am Samstag (16.05.2018) startet das Team gegen Australien ins Turnier. 

red/sid/dpa | Stand: 15.06.2018, 12:03

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