Handspiel: Schiedsrichter sollen wieder Spielraum bekommen

Handspiel oder nicht? Das IFAB will bei der Regel erneut nachbessern

Fußball

Handspiel: Schiedsrichter sollen wieder Spielraum bekommen

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des Fußballs treffen sich am Freitag zu ihrer Generalversammlung. Bei der Videokonferenz wird die Handspielregel erneut verändert: Die Schiedsrichter sollen bei der Entscheidung wieder mehr Spielraum bekommen.

Die Generalversammlung des International Football Association Boards (IFAB) ist der einzige Termin im Jahr, bei dem die Regeln des Fußballspiels verändert werden können. Das Hauptthema auf der Tagesordnung 2021 wird das Handspiel sein. Im Grundsatz wird den Schiedsrichtern wieder etwas mehr Freiheit in ihren Entscheidungen beim Handspiel eingeräumt.

Diese Änderungen plant das IFAB

Unter Regel 12 "Direkter Freistoß" ist das Handspiel geregelt. Und die folgenden Dinge sollen sich dort zur Saison 2021/22 ändern:

  • Abgespreizte Arme und über Schulterhöhe gehaltene Arme sollen bei einem Ballkontakt nicht mehr automatisch ein strafbares Handspiel sein.
  • Schiedsrichter sollen nun bewerten, ob die Haltung der Arme "Teil einer natürlichen Bewegung des Spielers oder der Spielerin" ist. Gemeint sind damit vor allem das Ausholen beim Springen oder Bewegungen, um das Gleichgewicht zu halten.
  • Die Handspiel-Regel soll insgesamt einfacher gefasst werden. Vor allem im Amateurbereich regte sich Kritik, nach der die Formulierung zu kompliziert und unverständlich sei.

Ein Beratungsgremium aus Spielern, Trainern und Schiedsrichtern beschloss diese Vorschläge. Der Vorstand des IFAB legt sie nun der Generalversammlung zur Abstimmung vor.

Was von der aktuellen Regel bleiben wird

Damit kommt das IFAB nur in Teilen dem Wunsch von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach, der eine Rückkehr zu bis 2019 gültigen Regel forderte. Ceferin hatte in einem Brief an die FIFA geschrieben: "Ich glaube, dass es eine Option ist, zum vorherigen Wortlaut zurückzukehren. Es ist keine Schande, zuzugeben, dass gut gemeinte Entscheidungen manchmal ihre Ziele nicht erreichen und überprüft werden sollten." Aus dem Brief zitierte die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die FIFA hat die Hälfte der Stimmen im IFAB.

Die komplette Rückabwicklung der Regel wird es aber nicht geben. Im Grundsatz bleiben drei Situationen beim Handspiel strafbar, so wie es seit 2019 vorgesehen ist:

  1. Absichtliches Handspiel
  2. Unnatürliche Körperhaltung/Körpervergrößerung
  3. Bei Torerzielung auch unabsichtliches Handspiel

2020 konkretisierte das IFAB, welche Bereiche des Arms zu einem Handspiel führen. Seitdem ist der obere Teil des Oberarms bis auf Höhe der Achselhöhle straffrei.

Wie im IFAB abgestimmt wird

Gianni Infantino

Die Regeln des Fußballs legt nicht die FIFA, sondern traditionell das 1886 gegründete IFAB fest. Die FIFA hat dort aber ein großes Mitspracherecht. Vier der acht stimmberechtigten Mitglieder kommen von der FIFA, die anderen vier Stimmen halten die vier britischen Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland.

Abstimmen werden die vier Präsidenten der britischen Verbände Von der FIFA wird neben Präsident Gianni Infantino ein Trio aus dem FIFA-Rat dabei sein.

Um eine Regeländerung durchzusetzen, ist bei der Generalversammlung eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Die FIFA kann also nichts ohne die Briten durchsetzen, umgekehrt geht das ebenfalls nicht. Zumeist wird aber ohnehin im Vorfeld Einigkeit erzielt.

Was die aktuelle Regel so umstritten macht

Das IFAB versuchte 2019 Unklarheiten zu beseitigen und das strafbare Handspiel genau zu definieren. Seitdem gilt sinngemäß: Vom Körper abgespreizte Arme und über Schulterhöhe gehaltene Arme sind eine "unnatürliche Körperhaltung" oder eine "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche" und immer strafbar. Vor der Änderung mussten Schiedsrichter beim Handspiel Absicht unterstellen.

Die beiden Definitionen haben jedoch dazu geführt, dass einige Strafstoßentscheidungen in der Öffentlichkeit mit großem Unverständnis aufgenommen wurden. Darauf will das IFAB nun reagieren.

Was sonst wichtig wird

Mögliche künftige Tests und Experimente in Sachen Abseits werden indes nur diskutiert. Außerdem wird über die Ausnahmeregel gesprochen, die derzeit fünf Auswechslungen pro Spiel und Team ermöglicht. Die Verlängerung dieser Ausnahme wurde bereits bis Sommer 2022 beschlossen.

Eine dauerhafte Einrichtung ist bei der Regel aber zumindest aktuell nicht vorgesehen. Die Regel soll den Spielern mehr Ruhephasen verschaffen, nachdem der Kalender durch die Coronakrise immer voller wurde.

Diskutiert wird auch über die Tests mit zusätzlichen Auswechslungen beim Verdacht auf Gehirnerschütterungen. Die Bundesliga macht bei diesem Test zunächst nicht mit. Aus Europa haben sich bislang die Ligen aus Portugal, den Niederlanden und England zu einer Teilnahme angemeldet.

Stand: 03.03.2021, 12:42

Darstellung: