Handspiel bei Torvorbereitung nicht mehr automatisch strafbar

Das IFAB hat die Handspielregel erneut verändert.

Fußball

Handspiel bei Torvorbereitung nicht mehr automatisch strafbar

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des Fußballs haben bei ihrer Generalversammlung Änderungen bei der Handspielregel beschlossen. Die Schiedsrichter bekommen wieder mehr Spielraum, ein Handspiel bei der Torvorbereitung ist ab Sommer nicht mehr automatisch strafbar.

Die Handspielregel wurde bei der Generalversammlung des International Football Association Boards (IFAB) am Freitag (05.03.2021) erneut verändert.

In folgenden Fällen liegt nun ein Handspiel vor:

  • Wenn der Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm gespielt wird.
  • Wenn keine Absicht vorliegt: Eine Ballberührung mit dem Arm oder der Hand ist dann strafbar, wenn ein Spieler seinen Körper "unnatürlich vergrößert". Das sei gegeben, wenn die Position seines Arms oder seiner Hand keine Folge der Körperbewegung des betroffenen Spielers oder der speziellen Situation ist. Außerdem gilt die "unnatürliche Vergrößerung", wenn der Spieler mit seiner Körperhaltung das Handspiel "in Kauf nimmt". Damit hat der Schiedsrichter mehr Spielraum zur Interpretation als bisher.
  • Wenn ein Spieler mit der Hand oder dem Arm ein Tor erzielt, zählt das Tor weiterhin in keinem Fall.

Der letzte Punkt galt bislang auch für Vorbereitungen von Toren. Dieser Teil ist gestrichen. Damit ist eine Torvorbereitung bei einem unabsichtlichen Handspiel grundsätzlich wieder möglich. "Da sind wir einen Schritt zu weit gegangen", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der anschließenden Pressekonferenz mit Blick auf die Änderungen 2019, als die automatische Strafbarkeit des Handspiels bei Toren und Torvorbereitungen eingeführt worden war. Die Definitionen hatten jedoch dazu geführt, dass einige Entscheidungen in der Öffentlichkeit mit großem Unverständnis aufgenommen worden waren. Darauf reagierte das IFAB nun.

Damals habe man bessere Kategorien finden wollen, um Klarheit zu schaffen, sagte Infantino. Nun also gibt es eine leichte Entschärfung in mehreren Fragen des Handspiels.

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Regel wird einfacher, "aber eine ideale Lösung wird es nicht geben"

David Elleray, Technischer Direktor des IFAB und langjähriger Schiedsrichter in England, dämpfte Hoffnungen, dass die Neufassung alle Streitigkeiten beim Handspiel lösen werde. "Eine ideale Lösung werden wir beim Handspiel nicht haben. Die Entscheidung wird immer auslegbar sein", sagte Elleray.

Die Handspiel-Regel wurde deutlich verkürzt. Vor allem im Amateurbereich hatte sich Kritik geregt, nach der die Formulierung zu kompliziert und unverständlich sei. FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina sprach von einer "Vereinfachung". Damit kommt das IFAB nur in Teilen dem Wunsch von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach, der eine Rückkehr zu der bis 2019 gültigen Regel gefordert hatte.

EURO 2020 könnte die neue Regel schon erleben

Die neuen Regeln gelten ab 1. Juli 2021. Die Europameisterschaft beginnt zwar schon am 11. Juni, könnte die neuen Regeln aber schon einführen, sagte Kieran O'Connor, Präsident des walisischen Verbandes, der virtueller Gastgeber und Organisator der Versammlung war.

Automatische Abseitserkennung: Einführung zur WM 2022 unklar

Gianni Infantino

Die FIFA testete zuletzt eine automatische Abseitserkennung. Das soll den Schiedsrichter und seine Assistenten wie auch den Video-Assistenten von der Fragestellung befreien, ob eine Abseitsposition vorliegt. Das Schiedsrichterteam müsste dann nur festlegen, ob diese Position strafbar ist: beispielsweise in der Frage, ob die Position aktiv oder passiv ist. Das könnte bei Abseitsentscheidungen viel Zeit sparen.

"Wir haben das System bei der Klub-WM in Katar getestet", sagte FIFA-Präsident Infantino. Eine Einführung bei der WM der Nationalmannschaften in Katar sei zwar gewünscht, aber unklar. "Dafür werden weitere Tests benötigt."

Andere Themen: "Video-Assistent light" weiter im Gespräch

Einige weitere Themen wurden besprochen:

  • Die Tests mit zusätzlichen Auswechslungen beim Verdacht auf Gehirnerschütterungen gehen weiter. Mit den Niederlanden, England und Portugal haben sich in Europa drei Länder den Tests angeschlossen, Deutschland bislang nicht.
  • Die fünf Wechsel pro Mannschaft und Spiel sollen weiter möglich bleiben. Allerdings ist dies weiter eine temporäre Regel, die unter Beobachtung bleiben soll.
  • Ein "Videobeweis light" wurde weiter diskutiert. Dieser soll mit kostengünstigen Strukturen auch finanzschwächeren Verbänden und Wettbewerben einen Video-Assistenten ermöglichen.

Stand: 05.03.2021, 15:58

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