Handspielregel soll erneut verändert werden

Das IFAB will die Regeln beim Handspiel erneut verändern.

Fußball

Handspielregel soll erneut verändert werden

Von Chaled Nahar

Die Handspielregel ist 2019 neu formuliert worden, sorgt seitdem aber kaum für weniger Diskussionen. Die Regelhüter wollen nun nachbessern und den Unparteiischen bei der Entscheidung wieder mehr Spielraum lassen.

"Wir haben gesehen, dass die Regel zu sehr zu Schwarz-Weiß-Entscheidungen geführt hat", sagt Lukas Brud, Geschäftsführer des International Football Association Board (IFAB). Das IFAB ist das Gremium, das die Fußballregeln berät und beschließt. "Wir haben 2019 das Handspiel stärker definiert und wollten mehr Klarheit schaffen", sagt Brud. "Wenn der Fußball das so nicht will, müssen wir uns das nochmal anschauen."

Das IFAB versuchte 2019, das strafbare Handspiel genau zu definieren. Seitdem gilt sinngemäß: Vom Körper abgespreizte Arme und über Schulterhöhe gehaltene Arme sind eine "unnatürliche Körperhaltung" oder eine "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche". Vor der Änderung mussten Schiedsrichter*innen beim Handspiel Absicht unterstellen. Die beiden Definitionen haben jedoch dazu geführt, dass einige Strafstoßentscheidungen in der Öffentlichkeit mit großem Unverständnis aufgenommen wurden. Darauf will das IFAB nun reagieren.

Diese Änderungen plant das IFAB

Unter Regel 12 "Direkter Freistoß" ist das Handspiel geregelt. Und die folgenden Dinge sollen sich dort ändern:

  • Abgespreizte Arme und über Schulterhöhe gehaltene Arme sollen bei einem Ballkontakt nicht mehr automatisch ein strafbares Handspiel sein.
  • Schiedsrichter*innen sollen nun bewerten, ob die Haltung der Arme "Teil einer natürlichen Bewegung des Spielers oder der Spielerin" ist. Gemeint sind damit vor allem das Ausholen beim Springen oder Bewegungen, um das Gleichgewicht zu halten.
  • Eine Definition von dem, was "unnatürliche Bewegungen" sind, soll niedergeschrieben werden und Anhaltspunkte für die Unparteiischen liefern.
  • Die Handspiel-Regel soll insgesamt einfacher gefasst werden. Vor allem im Amateurbereich regte sich Kritik, nach der die Formulierung zu kompliziert und unverständlich sei.

Ein Beratungsgremium aus Spielern, Trainern und Schiedsrichtern beschloss diese Vorschläge am Montag. Nun wird erwartet, dass sich der Vorstand des IFAB bei seiner Sitzung am 16. Dezember dafür entscheidet, dass diese Vorschläge der Generalversammlung Anfang März 2021 vorgelegt werden - nur dort können Änderungen an den Fußballregeln vollzogen werden.

Was von der aktuellen Regel bleiben wird

Damit kommt das IFAB nur in Teilen dem Wunsch von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach, der eine Rückkehr zu der Regel forderte, die bis 2019 galt. Ceferin hatte in einem Brief an die FIFA, die die Hälfte der Stimmen im IFAB hat, geschrieben: "Ich glaube, dass es eine Option ist, zum vorherigen Wortlaut zurückzukehren. Es ist keine Schande, zuzugeben, dass gut gemeinte Entscheidungen manchmal ihre Ziele nicht erreichen und überprüft werden sollten." Aus dem Brief zitierte die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Die komplette Rückabwicklung der Regel wird es aber nicht geben. Im Grundsatz bleiben drei Situationen beim Handspiel strafbar, so wie es seit 2019 vorgesehen ist:

  1. Absichtliches Handspiel
  2. Unnatürliche Körperhaltung/Körpervergrößerung
  3. Bei Torerzielung auch unabsichtliches Handspiel

2020 konkretisierte das IFAB, welche Bereiche des Arms zu einem Handspiel führen. Seitdem ist der obere Teil des Oberarms bis auf Höhe der Achselhöhle straffrei.

Das IFAB - FIFA und Briten entscheiden unter sich

Die Regeln des Fußballs legt nicht die FIFA, sondern traditionell das 1886 gegründete IFAB fest. Die FIFA hat dort aber ein großes Mitspracherecht. Vier der acht stimmberechtigten Mitglieder kommen von der FIFA, die anderen vier Stimmen halten die vier britischen Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland.

Um eine Regeländerung durchzusetzen, ist bei der Generalversammlung eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Die FIFA kann also nichts ohne die Briten durchsetzen, umgekehrt geht das ebenfalls nicht. Zumeist wird aber im Vorfeld Einigkeit erzielt.

Stand: 27.11.2020, 18:41

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