IFAB plant dauerhafte Änderung der Elfmeter-Regel

Alles im Blick: Schiedsrichterin Lucila Venegas (Mexiko, r.) mit Italiens Torhüterin Laura Giuliani

Fußball

IFAB plant dauerhafte Änderung der Elfmeter-Regel

Von Chaled Nahar

Das IFAB hat die Elfmeterregel bei der Frauen-WM teilweise ausgesetzt. Nun soll eine dauerhafte Abschaffung der Gelben Karten für Schlussleute folgen - zumindest im Elfmeterschießen.

"Es ist eine Situation entstanden, die keiner auf dem Schirm hatte", sagt Lukas Brud, der Geschäftsführer des International Football Association Board (IFAB) im Gespräch mit sportschau.de. Bei der Frauen-WM 2019 in Frankreich wurden schon mehrere Strafstöße wiederholt und Torhüterinnen mit einer gelben Karte bestraft, da sie vorzeitig die Linie nach vorne verlassen hatten. Es war die Folge einer Regeländerung des IFAB in Verbindung mit der strengen Kontrolle und den Eingriffen des Video-Assistenten.

IFAB: Gelbe Karten sollen dauerhaft ausgesetzt werden

Die Regelhüter des IFAB hatten im Juni zahlreiche Regeln geändert. Die neue Regel beim Strafstoß, nach der die Schlussleute nur noch einen statt zwei Füße auf Höhe der Linie haben müssen, sorgte in Kombination mit dem Video-Assistenten bei der Frauen-WM für reichlich Konfusion.

Die Diskussion nahm dermaßen Fahrt auf, dass die FIFA beim IFAB eine vorübergehende Aussetzung der Gelben Karten in den möglichen Elfmeterschießen der K.o.-Runde erwirkte. So wurde die Folge verhindert, dass Torhüterinnen im Elfmeterschießen wegen Zentimeterentscheidungen mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden wären. Das IFAB bestätigte auf Anfrage von sportschau.de nun: Diese Aussetzung soll dauerhaft ins Regelwerk.

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Ausnahmegenehmigung auch für die Copa America

"Fest steht, dass es schnell und unkompliziert gehen muss", sagt Brud, "aber mit Blick auf alle möglichen Konsequenzen auch gründlich." Unklar sei noch, ob es einen schriftlichen Nachtrag zu den Regeländerungen gebe oder eine Sondersitzung der acht stimmberechtigten Mitglieder. Denn die nächste Tagung des IFAB, an der Spielregeln geändert werden können, findet eigentlich erst in rund neun Monaten statt. Doch die Zeit drängt.

Das IFAB hat der südamerikanischen Konföderation für die Copa America der Männer mittlerweile dieselbe Ausnahme bewilligt wie der FIFA für die Frauen-WM. Das ebenfalls von einem Video-Assistenten kontrollierte Viertelfinale bei der Copa beginnt in der Nacht zu Freitag (28.06.2019). Doch es muss eine dauerhafte Lösung für alle Wettbewerbe her. Auf Klub-Ebene in Europa könnte die Situation in den Playoffs der Qualifikation zur Champions League Ende August entstehen.

Termine mit Elfmeterschießen und Video-Assistent stehen in Deutschland im DFB-Pokal der Männer ab dem Viertelfinale an (03./04.03.2020). Die K.o.-Phase der Champions League startet im Februar 2020 - auch dort ist die Kombination aus Elfmeterschießen und Video-Assistent möglich.

Die Regel wurde gelockert, nicht verschärft

Zu weit vorne: Ein Elfmeter bei Schottland - Argentinien, der wiederholt wurde

Zu weit vorne: Ein Elfmeter bei Schottland - Argentinien, der wiederholt wurde

Wichtiges Detail: Der Verzicht auf die Gelben Karten bei einem vorzeitigen Verlassen der Linie gilt nur in den Elfmeterschießen. In der regulären Spielzeit oder in der Verlängerung kommt es weiter zu einer Verwarnung, wiederholt wird ein Strafstoß in beiden Fällen.

Dabei war die Regel keineswegs verschärft worden - sondern gelockert. Bislang mussten die Torhüter nämlich mit beiden Füßen auf Höhe der Linie sein. "Es war ein Kompromiss", sagt Brud. "Für die Torhüter war mehr Spielraum drin, für die Video-Assistenten ist ein Fuß leichter zu kontrollieren als zwei."

Die entscheidende Änderung ist also eine andere: Die Regel, für die sich in ihrer Version mit zwei Füßen auf der Linie zuletzt kaum jemand interessiert hat, wird nun sehr streng ausgelegt. Sie wird mit dem Video-Assistenten zentimetergenau kontrolliert und die Schlussleute konsequent mit der Gelben Karte bestraft.

Bald kommt das Thema in die Bundesliga

Und das wird bei den Männern bald auf die Bundesliga, den DFB-Pokal und die Europapokalwettbewerbe zukommen. Denn die Auslegung wird wohl streng bleiben. "Für faktische Entscheidungen ist die Zahl der Zentimeter nicht wichtig", sagte Pierluigi Collina, Schiedsrichter-Chef der FIFA, in der Diskussion. "Wenn sich ein Ball nur wenige Zentimeter hinter der Torlinie befindet, muss das Tor trotzdem gegeben werden."

Stand: 25.06.2019, 20:30

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