Viel los in der umstrittenen Länderspielperiode

Ein Flugzeug über den Wolken

WM-Qualifikation

Viel los in der umstrittenen Länderspielperiode

Von Volker Schulte

Die aktuelle Länderspielperiode verursacht kuriose und umstrittene Konstellationen, neben der WM-Qualifikation stehen noch weitere internationale Spiele an. Ein Überblick über Termine, Regelungen und kritische Stimmen.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft startet in dieser Woche in die Qualifikation für die WM 2022 in Katar - so weit, so unspektakulär. In Duisburg trifft das DFB-Team am Donnerstag (25.03.2021) auf Island und am darauffolgenden Mittwoch auf Nordmazedonien - auch das klingt wenig aufregend. Zwischendurch aber reist der DFB-Tross nach Bukarest, um dort am Sonntag gegen Rumänien anzutreten - ein Land, das das Robert-Koch-Institut (RKI) seit Oktober als Corona-Risikogebiet einstuft.

Anstehende DFB-Länderspiele
DatumUhrzeitHeimGastSpielort
Do., 25.03.202120.45 UhrDeutschlandIslandDuisburg
So., 28.03.202120.45 UhrRumänienDeutschlandBukarest
Mi., 31.03.202120.45 UhrDeutschlandNordmazedonienDuisburg

Wer aus solchen Risikogebieten nach Deutschland einreist, muss sich zehn Tage in Quarantäne begeben - so sieht es das Bundesgesundheitsministerium vor. Allerdings regeln die Bundesländer und die lokalen Gesundheitsämter die Details - und zwar aktuell so, dass für die Profisportler meist Ausnahmen gelten. Deshalb haben alle Klubs den deutschen Nationalspielern die Freigabe erteilt, der DFB kann in Bestbesetzung antreten.

Was ist Virusvarianten-Gebiet?

Doch die Corona-Welt ist noch komplizierter, erst recht, seit Mutationen im Umlauf sind. Denn bei der Rückkehr aus Ländern, die das RKI als Virusvarianten-Gebiete einstuft, gilt die Quarantänepflicht in der Regel auch für Profisportler. Für solche Fälle hat die FIFA den Vereinen das Recht eingeräumt, Abstellungen für die Länderspiele zu verweigern.

Borussia Dortmund macht davon Gebrauch, indem es Thorgan Hazard und Thomas Meunier nicht für Belgiens Länderspiel am 27. März in Tschechien freistellt, einem Virusvarianten-Gebiet. Als solches galt lange auch Großbritannien - aber nur bis zum Sonntag. Seither ist dieser Status aufgehoben, sodass beispielsweise Polens Robert Lewandowski und die vielen österreichischen Bundesliga-Legionäre jeweils in Schottland antreten können.

Spiele auf der ganzen Welt

So reisen also hunderte Nationalspieler aktuell um die Welt. Denn die WM-Qualifikation startet nicht nur in Europa, sondern auch in Asien, Afrika und Nordamerika. Lediglich der südamerikanische Verband Conmebol hat die Qualifikationsspiele verschoben. Für Brasilien haben viele Länder wegen der dortigen Virusmutation strenge Reiseregeln verhängt.

Dass nicht auch andere Verbände flexibel auf die Pandemielage reagieren, sehen viele kritisch. "Warum kann man nicht den Modus ändern und statt Hin- und Rückspiel nur ein Spiel absolvieren?", sagte der ehemalige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig im Sportschau-Interview. "Das würde der Gesundheit der Spieler mit Blick auf die Regeneration Rechnung tragen und das Infektionsrisiko deutlich minimieren, weil es weniger Reisetätigkeit und Spiele gibt. Da fehlt mir das Verständnis."

Europacup-Reisen und Zuschauerpläne bei der EM sorgen für Unverständnis Sportschau 21.03.2021 04:52 Min. Verfügbar bis 21.03.2022 Das Erste

Werder Bremens Frank Baumann sorgt sich

Auch viele Vereinsvertreter äußerten sich beunruhigt mit Blick auf die anstehenden Spiele. Erinnerungen werden wach an die Länderspielpause im November, die mehrere Corona-Fälle bei Bundesligaspielern verursacht hat. "Man hat eine Gefahr, weil aus aller Herren Länder Spieler zusammenkommen, dazu das Trainerteam, der Staff", sagt Frank Baumann, Werder Bremens Geschäftsführer Sport. "Das sind je nach Nationalmannschaft 50, 60 Leute, die ein gewisses Infektionsrisiko mit hineintragen, obwohl sie getestet sind. Insofern machen wir uns Sorgen."

Selbst Spiele ohne sportlichen Wert werden trotz aller Bedenken durchgezogen - wie etwa das Test-Duell am Mittwoch zwischen Belarus und Honduras. Am selben Tag steigt Katar auf Einladung der UEFA als Gastmannschaft in die europäische WM-Qualifikation ein - unter kuriosen Umständen. Katar und Luxemburg weichen für ihr Duell auf das ungarische Debrecen aus. Ursprünglich sollte die Partie in Wien stattfinden, was aber mit den Coronaregeln in Irland unvereinbar war, Luxemburgs nächstem Gegner.

U21-EM im Hochrisikogebiet

Durch die Verlegung darf Luxemburg ohne Probleme nach Irland weiterreisen und Katar hat nun drei Spiele in Folge in Debrecen - dabei hat das Hochrisikogebiet Ungarn einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 570, einen der höchsten weltweit. Trotzdem beginnt dort am Mittwoch auch die U21-Europameisterschaft mit 16 Nationen und acht Spielorten in Ungarn und Slowenien (Inzidenzwert 272, Tendenz steigend). Deutschland ist auch dort vertreten mit zahlreichen Spielern aus der ersten und zweiten Bundesliga - und entsprechenden Corona-Risiken für die abstellenden Vereine.

Stand: 22.03.2021, 15:04

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