Strafprozess gegen FIFA-Boss Infantino: Ermittler abgesetzt

FIFA-Boss Giovanni Infantino

FIFA

Strafprozess gegen FIFA-Boss Infantino: Ermittler abgesetzt

Im Strafverfahren gegen Gianni Infantino hat der FIFA-Boss einen Teilerfolg erzielt. Der ermittelnde Bundesanwalt wurde von einem Gericht abgesetzt. Die Vorwürfe gegen Infantino harren aber weiter ihrer Untersuchung.

Wie das Schweizer Bundesstrafgericht am Mittwoch (05.05.2021) mitteilte, ist der außerordentliche Bundesanwalt Stefan Keller im Strafverfahren gegen Gianni Infantino, den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes FIFA, abgesetzt worden. 

Bundesanwalt Keller darf nicht mehr gegen Infantino ermitteln

Infantino hatte Beschwerde wegen Voreingenommenheit Kellers eingereicht, dieses sogenannte "Ausstandsbegehren" wurde von der Beschwerdekammer des Gerichts nun gutgeheißen. Keller war insbesondere damit beauftragt, die Treffen Infantinos mit dem früheren Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber im Zuge der laufenden Ermittlungen gegen den FIFA-Boss zu untersuchen. Der Staatsanwalt darf nun nach der erfolgreichen Beschwerde nicht mehr gegen Infantino ermitteln.

Verfahren gegen Infantino läuft weiter

Das Verfahren gegen den FIFA-Boss, dem neben Geheimtreffen mit dem früheren Ermittler Lauber auch "untreue Geschäftsführung" vorgeworfen wird, bleibt aber vorerst bestehen. Den Antrag auf "Nichtigkeit der bisher durchgeführten Amtshandlungen", den Infantino ebenfalls gestellt hatte, habe das Gericht noch nicht geprüft, hieß es in der Mitteilung.

Im Zentrum des Urteils der Beschwerdekammer stehen vier Pressemitteilungen und eine Aussage Kellers gegenüber einer juristischen Fachzeitschrift zum Stand der Ermittlungen vom vergangenen Dezember. Keller hatte etwa mitgeteilt, dass es "deutliche Anzeichen für ein strafbares Verhalten des FIFA-Präsidenten" gebe.

Strafermittler Keller "nicht mehr ohne Zweifel unbefangen"

Nach Ansicht des Bundesstrafgerichts entstand der Eindruck, dass es Keller dabei "nicht um eine objektive Kommunikation von wichtigen Zwischenschritten im Rahmen des Vorverfahrens gegangen ist, sondern vielmehr um einseitige Berichterstattung".

Kellers Äußerungen hätten "mit einer sachlichen, neutralen, korrekten und im öffentlichen Interesse stehenden Kommunikation nichts tun", hieß es in dem Beschluss der Beschwerdekammer weiter: "Damit kann nicht mehr ohne Zweifel davon ausgegangen werden, der Gesuchsgegner sei dem Gesuchsteller gegenüber unbefangen.

Infantino steht seit Sommer 2019 im Zentrum von Ermittlungen. Dabei geht es zum einen um drei nicht protokollierte Geheimtreffen mit dem mittlerweile zurückgetretenen Schweizer Lauber aus den Jahren 2016 und 2017. Im Juli 2020 eröffnete Keller ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und des Verrats von Amtsgeheimnissen sowie der Anstiftung dazu. Keller sah jedoch auch in Infantinos Nutzung eines Privatjets zwischen Surinam und der Schweiz 2017 den Verdacht auf ungetreue Geschäftsführung und weitete seine Untersuchungen aus.

Ermittlungen in der "Flug-Affäre" gingen zu weit

Wegen der Ermittlungen der sogenannten "Flug-Affäre" hatte Infantino bereits im März einen Teilerfolg vor Gericht verbucht. Das Bundesstrafgericht hatte festgestellt, dass Keller mit der Ausweitung seiner Untersuchung über seine Zuständigkeit hinaus rechtswidrig gehandelt habe. Deshalb waren Teile der von Keller vorgenommenen Untersuchungshandlungen für nichtig erklärt worden.

sid/red | Stand: 05.05.2021, 14:26

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