Finanzierung der Fanprojekte: DFB macht Rolle rückwärts

Jubelnde Fans im Stadion

Finanzierung bis Ende 2022 gesichert

Finanzierung der Fanprojekte: DFB macht Rolle rückwärts

Von Thorsten Poppe

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte die Finanzierung der Fanprojekte eigenständig ab diesem Jahr kürzen. Auf massivem Druck lässt er nun von seinen Plänen ab. Bis Ende 2022 ist die Finanzierung nun gesichert. Danach soll eine Reform in Kraft treten.

Der Aufschrei in Ingolstadt war groß. Hier sollte das insgesamt 69. Fanprojekt in Deutschland an den Start gehen. Stadt und Land hatten dafür die Finanzierung zu jeweils 25 Prozent fest zugesagt. Der DFB wäre demnach eigentlich verpflichtet gewesen, die andere Hälfte ab der 3. Liga und darunter beizusteuern. So wie es die Deutsche Fußball Liga DFL für die beiden Bundesligen macht.

Doch das Fanprojekt Ingolstadt bekam vom DFB eine Absage, die Andreas Utz vom Stadtjugendring Ingolstadt ratlos zurückgelassen hat. Im Interview mit Sport inside erklärte er Anfang März, dass es seitens des DFB keinerlei Erklärung gegeben habe – trotz Nachfragen beim Verband. "Wir hatten eigentlich alles unter Dach und Fach gebracht, und jetzt kam halt die Absage. Warum wissen wir nicht, das müssen sie den DFB fragen", sagte Utz damals.

Alexander Utz, Stadtjugendring Ingolstadt: "Das müssen Sie den DFB fragen" Sportschau 15.03.2021 00:21 Min. Verfügbar bis 15.03.2022 Das Erste

Fanprojekte fürchten um Existenz

Im September 2020 hatte der DFB auf einer Präsidiumssitzung beschlossen, die Finanzierung der Fanprojekte eigenständig zu kürzen: von 3,4 Millionen Euro auf nur noch 3,0 Millionen Euro pro Jahr. Generell wollte der DFB keine neuen Projekte wie das in Ingolstadt mehr fördern.

Finanzierung der Fanprojekte im Fußball - Unter Druck sport inside 07.03.2021 09:25 Min. Verfügbar bis 07.03.2022 WDR

400.000 Euro weniger Förderung im Jahr hätte die Fanprojekte also hart getroffen. Ein solcher Einschnitt wäre "sofort existenziell", erklärte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte gegenüber Sport inside.

Michael Gabriel: "Das greift direkt in die Arbeit ein" Sportschau 15.03.2021 01:10 Min. Verfügbar bis 15.03.2022 Das Erste

Die DFB-Pläne sorgten in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Verbandes mit Vertretern der Fanprojekte sowie der Städte und Kommune für Unmut. In einem vom DFB erstellten Protokoll, das Sport inside vorliegt, heißt es mit Blick auf die geplanten Kürzungen: "Von einem Teil der Gesprächspartner wurde dies im Hinblick auf die Regelungen im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit als kritisch und aktuell nicht durch dieses gedeckt bewertet."

Druck führt zu Umdenken beim DFB

Der Druck auf den DFB hat nun zu einem Umdenken geführt. Am vergangenen Freitag (12.03.2021) beschloss das Präsidium des Verbandes, die Finanzierung in der zugesagten Höhe noch bis Ende 2022 zu sichern. Danach soll eine Reform in Kraft treten, die mit den Partnern wie Polizei und Fanprojekten gemeinsam erarbeitet werden soll.

In einem Schreiben des DFB an die Fanprojekte heißt es: "Der DFB beteiligt sich weiterhin mit 50 Prozent an der Gesamtfördersumme der Fanprojekte. Diese Finanzierungszusage gilt bis zum 31. Dezember 2022. Der DFB ist grundsätzlich bereit, die Neueinrichtung von Fanprojekten in Ingolstadt und Würzburg zuzulassen und in die Finanzierung einzusteigen."

Dass der DFB jetzt diese Rolle rückwärts vollzieht, ist für die Finanzierung der Fanprojekte ein wichtiges Signal. Dennoch hätten sie sich eine andere Vorgehensweise des Verbandes gewünscht. Das hatte Andreas Utz vom Stadtjugendring Ingolstadt schon im Vorfeld der DFB-Präsidiumssitzung im Gespräch mit Sport inside deutlich gemacht: "So etwas kann man auch im laufenden Betrieb machen. So ist es eigentlich üblich. Man muss nicht sagen: Stopp! Wir überprüfen das jetzt mal, und sagen Euch nicht, was los ist!"

Alexander Utz, Stadtjugendring Ingolstadt: "So etwas kann man auch im laufenden Betrieb machen" Sportschau 15.03.2021 00:33 Min. Verfügbar bis 15.03.2022 Das Erste

Stand: 16.03.2021, 13:05

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