DFB empfiehlt weniger Kopfbälle für Kinder - Forschung legt weitere Maßnahmen nahe

Ein Junge übt Kopfbälle

Kinderfußball

DFB empfiehlt weniger Kopfbälle für Kinder - Forschung legt weitere Maßnahmen nahe

Mit weniger Luftdruck in kleineren Bällen und neuen Spielformen will der DFB Kinder und Jugendliche vor Folgeschäden des Kopfballspiels schützen. In der Wissenschaft gibt es jedoch Erkenntnisse, die ein stärkeres Vorgehen nahelegen.

Der Deutsche Fußball-Bund schließt sich einer Reihe von Empfehlungen der Europäischen Fußball-Union UEFA an, mit denen das Kopfballspiel bei Kinder und Jugendlichen reguliert werden soll. Dabei geht es im Wesentlichen um fünf Aspekte:

  1. Ballgröße: Die Bälle sollen in Größe und Gewicht der jeweiligen Altersgruppe entsprechen.
  2. Balldruck: Der laut Spielregeln niedrigste zulässige Druck soll genutzt werden. In Trainingsübungen können Schaumstoffbälle eine Alternative sein.
  3. Weniger Kopfballtraining: Da der Kopf und die Nackenmuskulatur bei Kopfbällen belastet werden, sollen Kopfballübungen im Training "so weit wie möglich" verringert werden, so die UEFA. Regeländerungen und Spielformen können beim Erreichen dieses Ziels helfen: kleinere Spielfelder, weniger Spieler:innen pro Team, niedrigere Tore.
  4. Stärkere Nackenmuskulatur: Laut UEFA gibt es Erkenntnisse, nach denen Übungen zur Stärkung der Nackenmuskulatur "nützlich für das Kopfballtraining sein können, weil dadurch die Krafteinwirkung auf den Kopf verringert wird". Entsprechende Übungen sollten daher Teil des Trainings sein.
  5. Erkennen von Gehirnerschütterungen: Symptome wie Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle sollen zu einer Pause von mindestens einer Woche sowie zu einer ärztlichen Behandlung führen. Trainer:innen sollen für das Erkennen solcher Symptome sensibilisiert werden.

UEFA: "Später Kopfballspiel intensivieren"

Allerdings sieht die UEFA ihren Richtlinien zufolge zu einem späteren Zeitpunkt eine Umkehr im Training als notwendig an. "Trainern sollte in der Ausbildung vermittelt werden, dass es notwendig ist, Kopfballübungen mit zunehmendem Alter der Spielerinnen und Spieler schrittweise zu intensivieren", heißt es in den Richtlinien, die im Juni 2020 veröffentlicht worden waren. Diesen Empfehlungen schloss sich das DFB-Präsidium auf Vorschlag der Medizinischen Kommission des Verbandes an. Die Veröffentlichungen von UEFA und DFB haben keine bindende Wirkung, es sind lediglich Empfehlungen. Allerdings gibt es Hinweise auf einer größeren Handlungsbedarf.

Fußball: Wie Kopfbälle das Gehirn schädigen können sport inside 09.09.2020 14:14 Min. Verfügbar bis 15.10.2022 WDR

In England, Schottland und Nordirland gibt es seit Anfang 2020 ein Kopfballverbot für das Training von Kindern unter zwölf Jahren. Ein ähnliches Verbot gilt in den USA. Studien legen nahe, dass Kopfbälle in jedem Alter Auswirkungen auf das Gehirn haben können, wie das WDR-Hintergrundmagazin "Sport inside" berichtete. In Glasgow ergab eine Studie, dass für Fußball spielende Menschen ein deutlich erhöhtes Risiko einer Erkrankung an Alzheimer oder Demenz bestehe.

Forscherin: "Auch später entwickelt sich das Gehirn"

Prof. Dr. Inga Katharina Körte, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München aktuell europaweite Kopfball-Forschungen leitet, sieht eine Beschränkung der Empfehlungen auf Kinder kritisch.

"Wenn man ein Verbot ausspricht für Kinder von elf Jahren und jünger, dann bedeutet es ja fast, dass man sagt: 'Danach ist es in Ordnung.' Und genau das wissen wir, dass das nicht der Fall ist", sagte sie bei "Sport inside". "Denn gerade bei den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen sehen wir Veränderungen im Gehirn."

Ein Kopfballverbot wäre eine fundamentale Veränderung

Das große Problem: Ein komplettes Verbot des Kopfballs wäre eine fundamentale Veränderung des Spiels. "Die UEFA hält ein grundsätzliches Verbot für nicht zielführend", schrieb der DFB in einer Mitteilung. Dr. Bernd Lasarzewski, Teil der medizinischen Kommission des DFB, sagte bei "Sport inside": "Kopfballspiel gehört einfach zum Fußball dazu. Und es ist ja auch sinnvoll im jungen Alter schon mit einem gewissen Training zu beginnen. Ein korrektes und ein richtig ausgeführtes Kopfballspiel ist deutlich weniger schädlich meiner Meinung nach als ein falsches Kopfballspiel."

Tim Meyer, Vorsitzender in den Medizinischen Kommissionen von DFB und UEFA, sagte in einer Mitteilung der UEFA: "In den vergangenen Jahren wurde immer wieder diskutiert, ob häufige Kopfbälle im Verlauf einer Karriere zu dauerhaften Veränderungen der Hirnstrukturen oder -funktionen führen können. Allerdings konnte hierfür bisher kein endgültiger wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden."

Regeländerung? Zusätzliche Auswechslungen werden getestet

Abseits des Kopfballspiels wird im Fußball die grundsätzliche Gefahr von Kopfverletzungen mittlerweile immer stärker erkannt. Die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) wollen nun in einer Testphase zusätzliche Auswechslungen bei einem Verdacht auf Gehirnerschütterungen ermöglichen. Die Premier League der Männer und die Super League der Frauen in England schlossen sich am Freitag öffentlich dieser Testphase an.

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nch | Stand: 29.01.2021, 18:21

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