Der DFB und seine Funktionäre - so geht es weiter

DFB-Präsident Firtz Keller und DFB-Vizepräsident Rainer Koch

Machtkampf beim DFB

Der DFB und seine Funktionäre - so geht es weiter

Von Marcus Bark

DFB-Präsident Fritz Keller wurde von den Amateurvertretern zum Rücktritt aufgefordert, ziert sich aber noch. Kann er aus dem Amt gedrängt werden? Wie sieht es bei seinen Gegenspielern aus? Ein Überblick.

Was will Fritz Keller?

Vor der Konferenz in Potsdam, bei dem ihm von den Regional- und Landesverbänden das Vertrauen entzogen worden war, schloss Keller einen Rücktritt aus. Obwohl er sich der Dimension seines Vergleichs von Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler bewusst war, wollte der Verbandschef bleiben.

Das Misstrauensvotum setzte ihm dann schwer zu. Keller bat nach der Rückkehr aus Potsdam darum, zunächst ein bisschen Abstand gewinnen zu dürfen.

Es kann gut sein, dass er weiter auf Zeit spielt, auch in dem Bewusstsein, dass der Verlust des Amtes unausweichlich ist. Je mehr Funktionäre aus dem anderen Lager auch ihre Jobs oder Posten verlieren, um so besser für Keller.

Wie geht es vor dem Sportgericht weiter?

Generalsekretär Friedrich Curtius hatte bei der unabhängigen Ethikkommission des DFB angezeigt, dass Keller seinen Stellvertreter Koch während einer Sitzung als "Freisler" beleidigte. Roland Freisler war einer der schlimmsten Richter während der Nazizeit und mitverantwortlich für die Organisation des Holocaust.

Die vierköpfige Ethikkommission beriet den Fall und legte das Ergebnis am Montag (03.05.2021) dem Sportgericht vor. Keller erhält nun die Gelegenheit, schriftlich Stellung zu nehmen. Das soll spätestens bis zum Wochenende erfolgt sein.

Danach berät das Gericht unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz. Möglich, aber nicht wahrscheinlich ist, dass Keller zu einer mündlichen Verhandlung geladen wird. Das Urteil dürfte nach einem schriftlichen Verfahren erfolgen. Lorenz kündigte es für die zweite Mai-Hälfte an.

Paragraph 44 der Satzung des DFB sieht eine Suspendierung von bis zu drei Jahren als höchstmögliche Strafe vor. Egal, wie das Verfahren durchgeführt wird, wird der Präsident die Möglichkeit haben, das Urteil nicht zu akzeptieren und vor das Bundesgericht zu ziehen.

Was machen Kellers Gegenspieler?

Friedrich Curtius ist als Generalsekretär Angestellter des DFB. Er kassiert das höchste Gehalt eines hauptamtlichen Mitarbeiters, ist 43 Jahre alt und Familienvater. Ein Rückzug von ihm ist unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten interessant, letztlich dürfte eine Trennung eine Frage der Abfindung sein.

Schatzmeister Stephan Osnabrügge hat in Potsdam angekündigt, beim nächsten Bundestag, der vermutlich im Herbst 2022 abgehalten wird, nicht mehr für das Amt kandidieren zu wollen. Ihm war zwar von den Regional- und Landesverbänden das Vertrauen ausgesprochen worden, aber auch nicht überzeugend. Zudem fehlt Osnabrügge der Rückhalt der Profis, auch in der Verbandszentrale soll er keinen guten Ruf genießen.

Rainer Koch scheint nicht gewillt zu sein, seinen Posten als Vizepräsident des DFB zu räumen. Er sieht sich durch das Votum der Regional- und Landesverbände bestätigt, die ihm mit 21:13 Stimmen bei drei Enthaltungen das Vertrauen aussprachen. Drei Stimmen gab Koch als Präsident des Bayrischen Fußballverbandes dabei selbst ab, eine übertrug er an Ronny Zimmermann, seinen Vize beim Regionalverband aus dem Süden.

Der DFB und seine Bosse - keine Erfolgsgeschichte Mittagsmagazin 03.05.2021 01:35 Min. Verfügbar bis 03.05.2022 Das Erste

Was muss Koch fürchten?

Die Vertreter der Amateure haben Koch das Vertrauen ausgesprochen, die Profis sind ihm gegenüber schon lange noch kritischer. Daher könnte es für Koch eng werden, wenn sich der Vorstand des DFB trifft. Das kann auf Einladung des Präsidiums geschehen, in dem außer Keller etwa auch DFL-Boss Christian Seifert und Peter Peters sitzen, die zum Lager des Präsidenten gezählt werden.

Wie konträr sich die beiden Lager gegenüberstehen, ist an einem Briefwechsel zwischen Seifert und Koch zu erkennen, in dem sich die beiden Funktionäre heftige Vorwürfe machen. Aufgrund der Stimmgewichtung im Vorstand (die zwölf Vertreter der DFL etwa haben je zwei Stimmen, die Landesverbände je nach Größe drei, zwei oder eine) ist es offen, ob Koch ein Votum überstehen würde.

In der Satzung heißt es: "Der Vorstand ist berechtigt, Präsidiums-, Vorstands- und Ausschussmitglieder bei grober Pflichtverletzung oder bei Unwürdigkeit mit sofortiger Wirkung ihrer Tätigkeit im DFB durch schriftlich begründete Entscheidung bis zum nächsten ordentlichen Bundestag zu entheben."

Ob Koch eine grobe Pflichtverletzung oder Unwürdigkeit nachgewiesen werden kann, müssten vermutlich Juristen entscheiden. Infrage käme wohl, Kochs Rolle beim dubiosen Vertrag zwischen dem DFB und Kommunikationsberater Kurt Diekmann bewerten zu lassen.

Die Recherchen, die Keller bezüglich dieses Vertrages hausintern betrieb, spielen eine Hauptrolle bei der Eskalation im Verhältnis zwischen dem Präsidenten und seinen Gegenspielern. Generalsekretär Curtius kündigte im Zusammenhang mit diesen Recherchen Kellers Büroleiter und engem Vertrauten, ohne dass der Präsident davon in Kenntnis gesetzt worden war.

Der Fall landete vor dem Arbeitsgericht. Für den 21. Mai ist der Gütetermin angesetzt.

DFB-Präsident Keller vor dem Aus Sportschau 03.05.2021 02:07 Min. Verfügbar bis 03.05.2022 Das Erste Von Josha Bartlitz

Stand: 05.05.2021, 14:45

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