Die stille Rückkehr der Birgit Prinz

Birgit Prinz bei einer DFB-Pressekonferenz

DFB-Frauen

Die stille Rückkehr der Birgit Prinz

Beinahe unbemerkt wurde Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz (41) wieder in den DFB-Tross eingegliedert. Als Sportpsychologin soll sie die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in der WM-Vorbereitung betreuen.

Plötzlich ist sie wieder mittendrin. Frauenfußball-Ikone Birgit Prinz weilt wieder im Kreise der Nationalmannschaft. Am Dienstagvormittag (26.02.2019) versammelte sie das Team im Hotel Centre Gare im französischen Rennes zur ersten gemeinsamen Sitzung.

Es ist eine leise Rückkehr, abseits des großen Rampenlichts. Mit einer fast beiläufigen Erwähnung auf der Verbands-Homepage hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das neue Engagement der Rekord-Nationalspielerin vor der Abreise nach Frankreich am Vortag publik gemacht: Die 41-Jährige begleitet das DFB-Team auf dem Weg zur WM (7. Juni bis 7. Juli) bei den Lehrgängen in Frankreich sowie im April in Schweden "projektbezogen" als Sportpsychologin.

Prinz' Karriere nach der Karriere

"Ich freue mich, wieder bei der Frauen-Nationalmannschaft dabei zu sein und viele neue Gesichter kennenzulernen, aber auch einige bekannte wiederzusehen", wird die 214-malige Nationalspielerin, die 2010 ihr Psychologie-Studium in Frankfurt/Main abgeschlossen hatte und seit 2012 bei der TSG Hoffenheim in diesem Bereich arbeitet, in dem DFB-Artikel zitiert.

Bundestrainerin Voss-Tecklenburg bewertet die WM-Auslosung Sportschau 08.12.2018 01:49 Min. Verfügbar bis 08.12.2019 Das Erste

Eingefädelt hat die prominente Ergänzung des Betreuerstabs die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 51-Jährige gibt am Donnerstag (21.00 Uhr) mit dem Test-Länderspiel beim WM-Gastgeber Frankreich in Laval ihr Debüt. "Sie hat in den vergangenen Jahren jede Menge Erfahrungen im Bereich der Sportpsychologie sammeln können. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit", konstatierte Voss-Tecklenburg, die 1995 und 1997 gemeinsam mit Prinz den EM-Titel gewann.

Keine "Rampensau" - trotz großer Erfolge

Birgit Prinz stemmt 2007 mit den DFB-Frauen den WM-Pokal in die Höhe

Birgit Prinz (vorne) stemmt 2007 mit den DFB-Frauen den WM-Pokal in die Höhe

Jahrelang führte die Torjägerin Prinz das DFB-Team als Kapitänin an. Mit der dreimaligen Weltfußballerin an der Spitze stieg Deutschland zur Frauenfußball-Macht auf, eroberte 2003 und 2007 den WM-Thron. Doch die Rolle als gefeierter Superstar konnte und wollte die introvertierte Prinz nie ausfüllen. "Ich war nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Ich wollte mich nicht um jeden Preis vermarkten", erklärte sie einst.

Zum Schluss musste Prinz auch die Schattenseiten des Leistungssports kennenlernen. Nach 17 Jahren und 128 Toren endete ihre einzigartige Karriere im Nationalteam im Krach. Beim Viertelfinal-Aus gegen Japan (0:1 n.V.) bei der verkorksten Heim-WM 2011 saß die zuvor ausgebootete Prinz 120 Minuten auf der Ersatzbank. Öffentlich erhob sie danach Vorwürfe gegen die damalige Bundestrainerin Silvia Neid. Erst ein klärendes Gespräch machte ein offizielles Abschiedsspiel für die achtmalige Fußballerin des Jahres im März 2012 möglich - und somit auch die Rückkehr zum DFB.

Voss-Tecklenburg spricht ihren Respekt aus

Denn ohne diese Versöhnung wäre das heutige Projekt wohl nie zustande gekommen. Nun sollen die jungen Nachfolgerinnen vom reichem Erfahrungsschatz der Ehrenspielführerin profitieren.

"Birgit hat nach ihrer beeindruckenden sportlichen Laufbahn auf ebenso beeindruckende Weise ihre zweite Karriere verfolgt. Wie sie schon während der aktiven Zeit ihre duale Karriere vorangetrieben hat, ist absolut vorbildlich", betonte Voss-Tecklenburg. Und diese Vorbildrolle füllt der Star wider Willen gerne aus. Abseits des Rampenlichts.

sid/red | Stand: 26.02.2019, 13:25

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