Bundestrainerin Steffi Jones unter Beobachtung

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Frauen-Nationalmannschaft

Bundestrainerin Steffi Jones unter Beobachtung

Von Frank Hellmann

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nimmt wohl letztmalig am SheBelieves Cup, dem Einladungsturnier in den USA, teil. Mit dem Auftakt gegen den Gastgeber und Weltmeister in der Nacht zu Freitag steht aber auch Bundestrainerin Steffi Jones wieder im Fokus.

Der Respekt ist ungebrochen. Anders als ihrer Vorgängerin Silvia Neid, die das fast schon trotzig zur Show gestellte Selbstbewusstsein der US-Girls als unpassend, unangebracht und irgendwie auch störend empfand, würde Bundestrainerin Steffi Jones über die amerikanischen Fußballerinnen nie ein schlechtes Wort verlieren.

Wegen ihrer Vita als Tochter eines US-Soldaten, aber vor allem einer eigenen Zeit als Spielerin in den USA kennt sie das Selbstverständnis dieser führenden Frauenfußball-Nation nur allzu gut.

Mehr Rückendeckung tut gut

"Die USA sind gut eingespielt, sehr athletisch und besitzen eine bemerkenswerte Mentalität. Ein schwerer Gegner, aber wir wollen sie packen", sagt die Bundestrainerin vor dem Auftakt zum diesjährigen SheBelieves-Cup (1. - 8. März), bei dem die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in der Nacht zu Freitag (02.03.18) gleich auf den Gastgeber und Weltmeister trifft, der mit einem stark verjüngten Team um die Topstars Carli Lloyd und Alex Morgan antritt.

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Das Einladungsturnier beginnt im Mapfre Stadium in Columbus, der Hauptstadt des US-Bundestaates Ohio, also mit dem härtesten Prüfstein, den der Frauenfußball zu bieten hat. Jones steht selbst wieder im Fokus. Nach dem 4:0 gegen Frankreich zum Abschluss des vergangenen Länderspieljahres spürt sie zwar die volle Rückendeckung durch DFB-Präsident Reinhard Grindel ("Mit Herrn Grindel ist alles gut"), nichtsdestotrotz ist längst noch nicht wieder alles im Lot. Gute Auftritte gegen Topnationen könnten helfen, auch der Trainerin mehr Rückendeckung zu verschaffen.

Jetlag nicht einreden

Steffi Jones, Trainerin Daen Nationalmannschaft, beim Training

Fordert gute Leistungen in den USA: Steffi Jones

 "Bei uns ist keiner müde. Wir gehen da raus und spielen. Letztes Jahr haben wir uns eingeredet, dass wir Jetlag haben", hat Jones bekundet. Gleichwohl gilt das hochkarätige Testturnier als zweischneidiges Schwert, wenn es desweiteren noch in Harrison/New Jersey gegen England (4. März / 21 Uhr MEZ) und in Orlando/ Florida gegen Frankreich (7. März/ 22 Uhr MEZ) geht.

"Der Aufwand ist schon sehr hoch. Wenn wir wählen können, werden wir zukünftig wieder beim Algarve Cup spielen", beteuerte die 45-Jährige vor der Abreise. Der DFB wird aller Voraussicht nach den Vertrag nicht verlängern und im Februar 2019 wohl wieder in Portugal auflaufen. Die Verträge mit den US-Organisatoren wurde noch in Jones' Amtszeit als DFB-Direktorin abgeschlossen. Dahinter steckten damals auch sportpolitische Zugeständnisse.

Entscheidend wird es im September auf Island

Die Reisen und die Zeitumstellung verhindern, dass sich über die Trainingseinheiten die eigentlich dringend nötigen Feinjustierungen im Hinblick auf die WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien (7. April) und Slowenien (10. April) vornehmen lassen.

Bekanntlich hat der Olympiasieger im Oktober vergangenen Jahres gegen Island (2:3) schwer gepatzt, so dass für die Direktqualifikation zur WM 2019 mit ziemlicher Sicherheit ein Sieg im Rückspiel auf Island (1. September) her muss. Ansonsten droht der Umweg über eine mühselige Play-off-Runde, ein Szenario, mit dem sich Jones nach eigener Aussage gar nicht beschäftigt: "Wir wollen alle Qualifikationsspiele gewinnen." Dazu brauche sie "elf Leitwölfe". Und dafür hat sie auch Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg begnadigt.

Wegweiser für die kommenden Aufgaben

Der SheBelieves Cup soll ein Wegweiser für die kommenden Aufgaben unter erhöhtem Druck sein. "Es ist keine Testphase mehr. Wir wollen größtmöglichen Erfolg und nicht ständig die Anfangsformation ändern", kündigte Jones an, die im Vorfeld durchaus kämpferisch klang.

Zur aktuellen 44-köpfigen DFB-Delegation, die bereits am Wochenende über den Atlantik geflogen ist und sich jetzt die Abläufe an der Ohio State University angesehen hat, gehört Joti Chatzialexiou: Der 42-Jährige ist seit Jahresbeginn in der neuen Organisationsstruktur als Sportlicher Leiter Nationalmannschaften tätig. In seinen Verantwortungsbereich fällt nun auch der Elitebereich aus dem weiblichen Segment.  Problem: Der Mann kennt sich im Frauenfußball noch nicht aus.  

Neuer Vorgesetzter vor Ort

"Aufgrund unserer damaligen Organisationsstruktur haben wir in der Vergangenheit in zwei getrennten Welten gelebt, so dass ich bisher nur ganz oberflächliche Einblicke hatte", sagte Chatzialexiou im Interview mit dfb.de.  Nun soll er Beobachter und Aufpasser in Personalunion spielen - er gibt im Organigramm im Grunde den neuen Vorgesetzten der Bundestrainerin.

Wobei er seine Aufgabe vor Ort verklausuliert so formuliert: "Ich freue mich, die Spielerinnen und auch das Team hinter dem Team näher kennenzulernen. Eine solch hohe Dichte an Qualität kann man nur selten in einem so kurzen Zeitraum erleben. Aus den besuchten Spielen werde ich viele Erkenntnisse ziehen können, was das internationale Benchmarking im Frauenfußball angeht."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag 02.03., 07.56 Uhr

Stand: 28.02.2018, 12:17

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