Italiens Fußballerinnen kämpfen gegen Amateurstatus

Stephanie Breitner (Florenz) und Barbara Bonansea (Turin) im Zweikampf vor 40.000 Zuschauern in Turin

Gleiche Bezahlung im Fußball

Italiens Fußballerinnen kämpfen gegen Amateurstatus

Fußballerinnen machen sich weiter für gleiche Bezahlung stark. In Italien wollen die Spielerinnen nun eine gesetzlich festgelegte Gehaltsbeschränkung kippen, in Spanien traten Teams sogar in den Streik.

Auch in Italien ist der Frauenfußball auf dem Vormarsch. Mehr als 20 Millionen Zuschauer verfolgten bei der vergangenen FIFA Frauen WM den Einzug der Italienerinnen ins Viertelfinale. Fast alle großen Fußballmarken des Landes, Juventus bis Inter, haben inzwischen auch eigene Frauen-Teams in der Serie A. Zum Spiel zwischen Juventus und Fiorentina, dem führenden Klub der Liga, im vergangenen März kamen 40.000 Fans ins Stadion, ein neuer Rekord für ein Frauenspiel. Spitzenspiele werden inzwischen auch beim Bezahlfernsehen übertragen.

So gar nicht ins Bild des aufstrebenden Frauenfußballs in Italien passen allerdings die Gehälter der Spielerinnen - die dürfen nämlich maximal 30.000 Euro brutto pro Jahr verdienen. Ein per Gesetz festgelegter Amateurstatus, der einer Gehaltsobergrenze gleichkommt.

Juventus-Stürmerin Bonansea: "Wir wollen nur, was uns zusteht"

"Es gibt eine riesige Kluft, und alle wissen es", sagte Juventus-Stürmerin Barbara Bonansea unter der Woche. "Bevor wir über Gehälter reden, müssen wir vor erst einmal über Anerkennung sprechen. Ich möchte gar nicht an die Riesen-Gehälter bei den Männern denken. Aber wenn es mehr TV-Übertragungen von unseren Spielen gibt, und mehr Sponsoren kommen, dann sollten wir auch daran teilhaben. Wir wollen nur, was uns zusteht - dafür kämpfen wir", sagte Bonansea, die kurz vor ihrem Wirtschaftsdiplom an der Universität Turin steht.

Nationalspielerin Pauline Bremer: "Ein tolles Spiel in vollem Stadion - es gibt nichts Besseres" Sportschau 17.10.2019 07:59 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 Das Erste

Italiens Verband unterstützte den Vorstoß, ebenso wie Sportminister Vincenzo Spadafora - der nun allerdings auch in der Verantwortung stehen dürfte, den in einem Gesetz aus dem Jahr 1981 verankerten Amateurstatus durch das Parlament kippen zu lassen.

"Das ist ein völlig antiquiertes Gesetz, eine Schande", sagte Italiens Nationaltrainerin Milena Bertolini. "Wenn wir eine moderne, offene und demokratische Gesellschaft sein wollen, dann müssen die Spielerinnen mit Würde behaldelt werden."

Streik bei Spaniens Spielerinnen

Der Kampf der Fußballerinnen um mehr Anerkennung geht damit weiter. Die Spielerinnen der ersten spanischen Fußball-Liga (Primera Iberdrola) riefen am vergangenen Dienstag (22.10.2019) sogar zu einem Streik auf. Die Spielervereinigung und die Vereinigung der Klubs hatten sich nach über einem Jahr von Verhandlungen nicht auf einen Tarifvertrag einigen können. 93 Prozent der 180 anwesenden Spielerinnen, die sich in einem Madrider Hotel getroffen hatten, hatten danach für eine Arbeitsniederlegung gestimmt.

"Wir verhandeln seit mehr als einem Jahr. Es gab bereits 18 Treffen und die Verhandlungen stagnieren", sagte die ehemalige spanische Nationaltorhüterin Ainoa Tirapu gegenüber Radio Marca. Die Spielervereinigung fordert, dass sie wie ihre männlichen Kollegen behandelt wird. "Wir sind zu 100 Prozent Fußballerinnen. Weil wir früh schlafen gehen, wenn wir trainieren. Wir achten darauf, was wir essen. Wir stehen für Termine des Klubs zur Verfügung", betonte Tirapu: "Unsere Absicht ist es, zunächst eine Einigung über 75 Prozent Tageslohn zu erzielen und im nächsten Jahr Vollzeitverträge zu unterzeichnen", sagte Tirapu.

75 Prozent würden einem Jahresgehalt von 12.000 Euro entsprechen. "Was die Spieler brauchen, ist ein Arbeitsvertrag, der ihre Rechte garantiert. Sie sind Vollzeit-Fußballerinnen", sagte David Aganzo, Präsident des Verbandes der spanischen Fußballer (AFE), in einer Erklärung. "Wir kämpfen nicht nur für uns selbst, sondern auch für zukünftige Generationen", betonte Tirapu.

Vorbild US-Fußballerinnen

Der Sachverhalt ist vergleichbar mit dem der US-Fußballerinnen. Die Klage der US-Girls gegen ihren nationalen Verband wegen Diskriminierung und auf gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen wird im Mai kommenden Jahres vor Gericht verhandelt. Die Weltmeisterinnen um Starspielerin Megan Rapinoe hatten Anfang März wegen ihrer im Vergleich zu den US-Männern geringeren Bezahlung und schlechteren Arbeitsbedingungen rechtliche Schritte eingeleitet. In der Folge waren Verhandlungen mit dem Verband über eine Einigung in einer Sackgasse geendet

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