Horst Hrubesch - Ende einer langen Trainerkarriere

Horst Hrubesch

Frauen-Nationalmannschaft

Horst Hrubesch - Ende einer langen Trainerkarriere

Es werden vielleicht die emotionalsten 90 Minuten im Trainerleben des Horst Hrubesch: Am Dienstag (13.11.2018) sitzt Hrubesch nach 32 Jahren als Trainer letztmals auf der Bank.

Nach dem Spiel der deutschen Fußball-Frauen gegen Spanien in Erfurt ist Schluss. Diesmal endgültig. Keine Verantwortung mehr im Traumjob, dafür eine Traumreise mit seiner Frau Angelika nach Neuseeland, Malaysia, Singapur, Hawaii und Las Vegas. "Das wollte ich schon immer tun, aber es war nie Zeit. Wann sollte ich die Reise sonst machen? Wenn ich 90 bin, kann ich nicht mehr fahren."

43 Jahre hat Hrubesch im professionellen Fußball verbracht. Als Bundesligaspieler in Essen, Hamburg, Lüttich und Dortmund sowie als Nationalspieler. Seit 1986 als Trainer in Essen, Wolfsburg, Tirol, Rostock, Dresden, Wien, Samstunspor (Türkei), ehe 2000 seine DFB-Karriere begann. Mit den Jugendteams, der Olympia-Auswahl und nun zuletzt der Frauen-Nationalmannschaft feierte er Erfolge. Und schließlich wurde er auch noch Funktionär. Seit Januar 2017 ist er interimsmäßiger DFB-Sportdirektor.

Horst Hrubesch sagt Tschüs

Sportschau | 13.11.2018 | 01:49 Min.

Zur WM - Hrubesch kündigt Besuch an

Ganz loslassen kann und will Hrubesch auch als Rentner nicht. Zu sehr hat der 67-Jährige das letzte Hurra, diese achtmonatige Mission mit seinen "Mädels", genossen. Bei der Frauen-Nationalmannschaft sei es wie zu seiner eigenen Anfangszeit als Spieler, sagte Hrubesch vor dem endgültig letzten Spiel seiner Trainerkarriere: "Es ist Ehrlichkeit drin, ich brauche nix anzuschieben." Also gab der scheidende Bundestrainer ein Versprechen ab: "Es ist fest ausgemacht, dass ich nächsten Sommer zur WM komme."

Fernab vom Paralleluniversum Männer-Profifußball hat Hrubesch Werte wiedergefunden, die für ihn schon immer mit dem Sport verknüpft waren. Zwar fragte er nach dem 5:2 am Samstag (10.11.2018) gegen Italien beiläufig die Journalisten nach den Bundesligaergebnissen, doch die finanziellen Auswüchse der Branche gehen ihm gegen den Strich. "Ich bin mit diesen Summen schon lange nicht mehr einverstanden. Wenn ich die Zahlen lese, dann wird mir angst und bange", sagte der Hrubesch, der einen Großteil seiner Trainerkarriere beim Deutschen-Fußball-Bund (DFB) verbracht hat.

Seit 2000 arbeitete er in diversen Funktionen für den Verband. Im März sprang der DFB-Sportdirektor wieder einmal in die Bresche, als Steffi Jones gehen musste, weil die so erfolgsverwöhnte Frauen-Auswahl erstmals überhaupt die WM-Teilnahme zu verpassen drohte. Und er hatte Erfolg - wie so oft. "Ich bin dankbar, dass ich das hier noch mitnehmen durfte", sagte Hrubesch über das unverhoffte letzte Kapitel.

DFB? HSV? Neuseeland!

"Es war eine prägende Zeit mit Horst", sagte Mittelfeldspielerin Lina Magull. Von einer solchen Legende lerne man "für sein Spiel, aber auch fürs Leben". Zum Dank soll in Erfurt der achte Sieg im achten Spiel her - es wäre dem Trainer Hrubesch sicher das liebste aller möglichen Abschiedsgeschenke.

Nun rückt die Familie in den Mittelpunkt, er hat es oft genug angekündigt. "Meine Frau lässt sich sonst scheiden", hat Hrubesch nicht nur einmal gesagt. Und die nächste Aufgabe wartet schon: Es geht mit dem Auto durch Neuseeland, 50 Tage lang, dann weiter nach Malaysia, Singapur, Hawaii und Las Vegas.

Und wenn der DFB in der nächsten Notlage doch mal anruft? "In Neuseeland geht kein Telefon." Dann vielleicht eine neue Rolle? "Mal sehen, was passiert." Eines aber schließt er kategorisch aus. Bei seiner alten Liebe, dem Hamburger SV, wird Hrubesch kein Amt übernehmen. "Das", sagt Hrubesch, "wird nicht passieren."

red/sid/dpa | Stand: 13.11.2018, 08:26

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