DFB-Frauen bei Mini-Turnier: Ärger im Dreiländereck

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Kleines Turnier - große Herausforderung

DFB-Frauen bei Mini-Turnier: Ärger im Dreiländereck

Von Marc Eschweiler

In Aachen, Brüssel und Venlo spielen am Wochenende die Fußballerinnen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien in einem Mini-Turnier gegeneinander. Im Vorfeld gibt es Ärger um die Umsetzung der Corona-Regeln.

Michael Ziemons findet deutliche Worte: "Hier gelten unsere Regeln und nicht die des DFB." Ziemons ist Gesundheitsdezernent beim Gesundheitsamt der Städteregion Aachen - und ziemlich angefressen. Am Wochenende findet bei ihm vor der Haustür ein Fußball-Turnier mit drei Nationen statt. Die Frauen-Nationalmannschaften aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden spielen in Aachen, Brüssel und Venlo gegeneinander.

Das Turnier findet unter strengen Corona-Regeln statt - nur dass die Regeln des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) andere sind als die der Städteregion Aachen. Ziemons kritisiert Absätze im Hygienekonzept des DFB, das ihm vorab zugestellt wurde. Konkret geht es um Quarantäne-Maßnahmen im Falle einer positiven Testung: "Ich finde es unmöglich, dass der DFB hingeht und uns eine Liste mit verschiedenen Fallkonstellationen schickt. Und dahinter steht dann immer 'keine Quarantäne'."

Ziemons fragt sich, wieso der DFB seine eigenen Regeln macht: "Wenn ich Mannschaftssport betreibe und hinterher wird einer positiv getestet, dann muss die ganze Gruppe in Quarantäne. Das gilt hier in der Region zum Beispiel für die Schulen. Und auch für den DFB. Da machen wir keine Ausnahme."

DFB verweist auf den Maßnahmen-Katalog

Der DFB antwortet auf die Vorwürfe in einem Statement: "Alle Mannschaften des DFB handeln strikt nach einem strengen Hygienekonzept, welches bei konsequenter Einhaltung der darin enthaltenen Verhaltensweisen und Regeln, Kontaktpersonen der Kategorie I vermeidet."

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Die Angelegenheit ist kompliziert - denn dass die Aachener zuständig sind, ist eher unwahrscheinlich: Die deutsche Nationalmannschaft hält sich vermutlich maximal vier Stunden am Tivoli auf und verschwindet danach wieder ins Teamhotel in Düsseldorf.

Auch das Düsseldorfer Gesundheitsamt hat klare Regeln

Auch beim dortigen Gesundheitsamt hat man klare Richtlinien für positive Fälle: "Jeder Einzelfall wird geprüft und je nach Kontakt werden die Kontaktpersonen in die Kategorie I oder II eingestuft. Kontaktpersonen der Kategorie I müssen sich in Quarantäne begeben. Auch im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft würde das Düsseldorfer Gesundheitsamt so vorgehen", sagt ein Sprecher der Stadt sportschau.de.

Und fügt hinzu: "Ein vom DFB formuliertes Hygienekonzept hat für die Gesundheitsbehörden keine Bindung. Diese entscheiden in eigener Zuständigkeit und unabhängig etwaiger Prominenz."

Das räumt auch der DFB in seiner Antwort theoretisch ein: "Sollten die zuständigen Gesundheitsbehörden trotz aller getroffenen Vorsichtsmaßnahmen bei einem Positivfall Kontaktpersonen der Kategorie I identifizieren, haben sie selbstverständlich die uneingeschränkte Handlungshoheit, bei diesen eine Quarantäne anzuordnen."

DFB verzichtet auf England-Legionärinnen - Team Oranje nicht

Der Umgang mit positiv Getesteten ist nicht der einzige Streitpunkt. Auch beim grundsätzlichen Vorgehen wird Konfliktpotenzial deutlich: Die drei Teilnehmer bewerten die Risiko-Situation unterschiedlich. Der deutsche Fußball-Bund hat sich zum Beispiel entschieden, die England-Legionärinnen Melanie Leupolz, Ann-Katrin Berger und Leonie Maier gar nicht erst zu nominieren, aufgrund der Verordnung der Bundesregierung für Länder mit mutierten Coronavirus-Varianten. Auch Turid Knaak (Madrid) und Lena Petermann (Montpellier) stoßen nicht zum Team.

Der niederländische Verband dagegen hat seine Legionärinnen von der Insel mit dem Zug durch den Eurotunnel zur Nationalmannschaft geholt. Das Team Belgien hat zwei Spielerinnen aus Italien einfliegen lassen.

DFB-Akteurinnen allesamt mit dem Auto angereist

Beim DFB dagegen sind alle Akteurinnen mit dem Auto gekommen: Dzsenifer Marozsan aus Lyon, Sara Däbritz aus Paris und der Rest von den Bundesligisten aus Essen, Frankfurt, Hoffenheim, München und Wolfsburg. Die Mannschaft übernachtet und trainiert in Düsseldorf, zu den Spielen in Aachen gegen Belgien und in Venlo gegen die Niederlande fahren die Spielerinnen in zwei Mannschaftsbussen, der Stab in mehreren Kleinbussen..

"In der aktuellen Pandemielage ist es unser Ziel, das Risiko schon bei der Anreise zu verringern, so weit es geht", sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

DFB-Präsident Keller kommt und setzt ein Zeichen

Trotz allem - die DFB-Spielerinnen freuen sich auf das Mini-Turnier. "Wir wissen, dass es ein großes Privileg ist, dass wir die Spiele bestreiten können", sagt Abwehrspielerin Kathrin Hendrich. Sie fühle sich im Umfeld der Nationalmannschaft sicher, weil sich alle an die strengen Regeln hielten. Was auch der DFB so sieht.

Verbandspräsident Fritz Keller jedenfalls vertraut auch auf das Hygienekonzept des DFB und kommt am Sonntag (21.02.2021) persönlich zum Länderspiel zwischen Deutschland und Belgien nach Aachen. Schließlich soll von diesem Mini-Turnier auch eine Signalwirkung für hoffentlich bessere Zeiten ausgehen. "Drei Nationen - ein Ziel" ist auch das Motto der gemeinsamen Bewerbung von Deutschland, Belgien und den Niederlanden für die WM 2027.

Stand: 19.02.2021, 17:40

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