Frauen-Bundesliga wieder spannend - oder doch nicht?

Wolfsburgs Caroline Graham Hansen (vorn) und Bayern Münchens Kathrin Hendrich

Mangel an Konkurrenzfähigkeit

Frauen-Bundesliga wieder spannend - oder doch nicht?

Der FC Bayern München hat mit einem Sieg gegen den VfL Wolfsburg das Titelrennen in der Frauen-Bundesliga wieder spannend gemacht. Dahinter ist es allerdings alles andere als interessant. Die fehlende Konkurrenzfähigkeit der anderen Klubs bereitet große Sorgen.

Der Meisterschaftskampf in der Fußball-Frauen-Bundesliga ist wieder spannend. Mit 4:2 hat der FC Bayern München den zuvor noch unbesiegten Tabellenführer VfL Wolfsburg im Gipfeltreffen nach der Winterpause besiegt. Beide Klubs haben jetzt 35 Punkte auf dem Konto.  

Wenn man es sehr, sehr böse formuliert, dann ist aber in der Bundesliga jetzt auch schon die Luft raus. Spitzenspiele wie das am vergangenen Spieltag sind nicht mehr in Sicht. Sieben Punkte liegen die beiden Spitzenklubs vor dem Dritten aus Potsdam. Dass Wolfsburg und München den Titel unter sich ausmachen, daran zweifelt niemand ernsthaft. Das war auch in den vergangenen sechs Jahren so. Die Bayern holten zwei Meisterschaften, Wolfsburg vier - zuletzt zwei in Folge. Am Ende wird es in zahlreichen Fernduellen nur noch darum gehen, wer irgendwo patzt oder wer das bessere Torverhältnis hat.

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Sportschau | 17.02.2019 | 02:50 Min.

Kanonenfutter

Denn abgesehen vielleicht von Potsdam und dem Vierten aus Essen sind die anderen Teams in der Regel Kanonenfutter. So siegte beispielsweise Wolfsburg in Sand mit 9:0, Leverkusen und Mönchengladbach wurden jeweils 7:0 besiegt, und sogar der einstige Renommier-Klub 1. FFC Frankfurt kam beim 6:2 unter die Räder. Bayern München sorgte beim 10:1 in Leverkusen sogar für ein zweitstelliges Ergebnis.

Der Tabellenletzte aus Mönchengladbach hat bisher nur einen Punkt auf dem Konto, das Torverhältnis von 7:71 ist desolat, Mitaufsteiger Leverkusen steht als Vorletzter nicht besser da, mischt aber noch mit im Kampf um den Klassenverbleib.

Sorge um die Konkurrenzfähigkeit

Ralf Kellermann, sportlicher Leiter beim Spitzenreiter Wolfsburg, macht sich deshalb Sorgen. "Ich mache mir schon ernsthafte Gedanken um die Konkurrenzfähigkeit", sagte er zuletzt im Interview mit den "Wolfsburger Nachrichten". "Mit Borussia Mönchengladbach ist eine Mannschaft aufgestiegen, die offenbar nicht konkurrenzfähig ist. So etwas tut der Liga nicht gut", sagte Kellermann.

Das ist das Hauptproblem der Eliteliga. Sie ist nicht ausgeglichen, und sie ist zu klein. Nur zwölf Teams mischen mit. Zur sportlichen Langeweile kommt immer noch, dass die Klubs teils kaum professionelle Strukturen haben. Und den Fans haben sie kaum etwas zu bieten. Außer Fußball natürlich. Das ist zwar ehrlich, reicht aber heutzutage nicht. "Da sind die Vereine und der Verband gefordert, die nötigen Strukturen weiter zu verbessern", forderte Kellermann.

Zuschauerzahlen sinken

Seit 2013 sind die Zuschauerzahlen kontinuierlich gesunken. In der vergangenen Saison sahen im Schnitt nur noch 846 Fans die Spiele. Vom erhofften nachhaltigen Boom, der von der WM 2011 ausgehen sollte, redet längst keiner mehr.

Da bringt es auch nichts, dass acht Teams mit prominenten Männer-Mannschaften in einem Klub spielen. Die Frauen des FC Bayern München kamen in der vergangenen Saison bei ihren Heimspielen auf 690 Zuschauer im Schnitt. Selbst in einer fußballverrückten Stadt wie Köln wollten im Schnitt gerade mal 324 Menschen die Spiele der FC-Frauen sehen, die inzwischen wieder abgestiegen sind.

Champions League - und dann nichts

Hinzu kommt, dass es auch keinen Kampf um europäische Startplätze gibt. Die beiden Ersten der Tabelle ziehen in die Champions League ein, schon der Dritte geht leer aus, denn einen UEFA-Pokal oder eine Europa League gibt es nicht. Da verwundert es nicht, dass für die Topteams die Champions League viel spannender ist als die Bundesliga. Wolfsburg war in der vergangenen Saison erst im Finale an Olympique Lyon gescheitert und will jetzt unbedingt den dritten Triumph nach 2013 und 2014 einfahren. Auch Bayern München, das denkbar knapp gegen den FC Chelsea in der vergangenen Champions-League-Saison ausschied, macht sich Hoffnungen. Beide Teams stehen aktuell im Viertelfinale.

Das Ausland holt mächtig auf

Die internationale Konkurrenz wird allerdings größer. Zwar gilt die Bundesliga immer noch als beste Liga der Welt, doch die anderen holen auf. Ajax Amsterdam, Manchester City, der FC Chelsea, Paris Saint Germain und der FC Barcelona rüsten auf. Zuletzt haben auch Real Madrid und Manchester United Frauenteams gegründet. Und dort gibt es für die Topspielerinnen oft mehr zu verdienen als in Deutschland.

Schon vor der aktuellen Saison zog es einige Spielerinnen ins Ausland. "Vielleicht waren das nicht unbedingt die absoluten Topspielerinnen. Aber schon solche, die das Niveau der Liga mitgeprägt haben", sagt Kellermann. Zwar gelang es ihm und dem VfL Wolfsburg, den Vertrag mit Europas Fußballerin des Jahres, Pernille Harder, zuletzt noch zu verlängern. Doch wenn die Bundesliga weiter an Attraktivität verliert, ist sie in Zukunft auch für die Topstars nicht mehr interessant.  "Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, werden Ligen wie England, Spanien oder Italien vorbeiziehen", sagte auch Kellermann.

vdv/sid/dpa | Stand: 21.02.2019, 11:43

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.VfL Wolfsburg1641
2.Bayern München1641
3.SGS Essen1630
4.Turbine Potsdam1629
5.SC Freiburg1624
 ...  
10.Werder Bremen1611
11.MSV Duisburg1511
12.Bor. M´gladbach151
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