Frauenfußball - die Probleme werden größer

Zweikampf zwischen Bayern Münchens Lucie Vonkova (l. ) und Joelle Wedemeyer vom VfL Wolfsburg

Neue Saison

Frauenfußball - die Probleme werden größer

Sportlich ist die Spannung überschaubar, die Zuschauerzahlen gehen zurück, die Konkurrenz aus dem Ausland wird größer: Die Frauenfußball-Bundesliga steht vor dem Saisonstart vor Problemen.

Wenn man es sehr, sehr böse formuliert, dann sind in der neuen Saison der Frauen-Bundesliga genau zwei Spiele interessant. Am dritten Spieltag erwartet Meister VfL Wolfsburg den Vizemeister vom FC Bayern München, am 14. Spieltag steigt dann das Rückspiel.

In den vergangenen sechs Jahren machten beide Klubs den Titel unter sich aus. Die Bayern holten zwei Meisterschaften, Wolfsburg vier - zuletzt zwei in Folge. Außenseiterchancen haben Turbine Potsdam, der SC Freiburg und der 1. FFC Frankfurt. Die ersten beiden Teams ziehen in die Champions League ein, schon der Dritte geht international leer aus.

Zuschauerzahlen kontinuierlich gesunken.

Das ist das Hauptproblem der Eliteliga, die am Samstag (15.09.2018) in die neue Saison startet. Sie ist nicht ausgeglichen, und sie ist zu klein. Nur zwölf Teams mischen mit. Zur sportlichen Langeweile kommt immer noch, dass die Klubs teils kaum professionelle Strukturen haben. Und den Fans haben sie kaum etwas zu bieten. Außer Fußball natürlich. Das ist zwar ehrlich, reicht aber heutzutage nicht.

Seit 2013 sind die Zuschauerzahlen kontinuierlich gesunken. In der vergangenen Saison sahen im Schnitt nur noch 846 Fans die Spiele. Vom erhofften nachhaltigen Boom, der von der WM 2011 ausgehen sollte, redet längst keiner mehr.

Da bringt es auch nichts, dass acht Teams mit prominenten Männer-Mannschaften in einem Klub spielen. Die Frauen des FC Bayern München kamen in der vergangenen Saison bei ihren Heimspielen auf 690 Zuschauer im Schnitt. Selbst in einer fußballverrückten Stadt wie Köln wollten im Schnitt gerade mal 324 Menschen die Spiele der FC-Frauen sehen.

Misserfolge des Nationalteams problematisch

Die jüngsten Misserfolge der deutschen Frauen-Nationalmannschaft tun das Ihrige dazu. Bei der WM 2017 war das Team schon im Viertelfinale ausgeschieden, Bundestrainerin Steffi Jones musste gehen.  

Da verwundert es nicht, dass für die Topteams die Champions League viel spannender ist als die Bundesliga. Wolfsburg war in der vergangenen Saison erst im Finale an Olympique Lyon gescheitert und will jetzt unbedingt den dritten Triumph nach 2013 und 2014 einfahren. Auch Bayern München, das denkbar knapp gegen den FC Chelsea ausschied, macht sich Hoffnungen.

Konkurrenz holt mächtig auf

Die internationale Konkurrenz wird allerdings größer. Zwar gilt die Bundesliga immer noch als beste Liga der Welt, doch die anderen holen auf. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht rechts und links überholt werden", sagte Wolfsburgs sportlicher Leiter Ralf Kellermann zuletzt bei der offiziellen Auftaktveranstaltung der Liga im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Ajax Amsterdam, Manchester City, der FC Chelsea, Paris Saint Germain und der FC Barcelona rüsten auf. Zuletzt haben auch Real Madrid und Manchester United Frauenteams gegründet. Und dort gibt es für die Topspielerinnen oft mehr zu verdienen als in Deutschland. Zwar hat der VfL Wolfsburg den Vertrag mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder zuletzt noch verlängern können. Doch wenn die Bundesliga weiter an Attraktivität verliert, ist sie in Zukunft auch für die Topstars nicht mehr interessant. Womit die Bundesliga in einem Teufelskreis angekommen wäre.

red/sid | Stand: 14.09.2018, 08:00

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