Ernüchterung bei den Bayern-Frauen

Die Leverkusnerin Ann-Kathrin Vinken (r.) gegen Lina Magull (l.) vom FC Bayern Frauen.

Frauen-Bundesliga

Ernüchterung bei den Bayern-Frauen

Von Frank Hellmann

In der Frauen-Bundesliga hat es bereits am dritten Spieltag eine Sensation gegeben, die den FC Bayern München weit zurückwerfen könnte. Die überraschende Heimniederlage gegen Außenseiter Bayer Leverkusen wirft grundsätzliche Fragen auf.

Viele haben es als erfrischend empfunden, als der FC Bayern München erst kürzlich seine ambitionierte Zielsetzung für das Frauenteam vorstellte. Managerin Karin Danner, jahrelang als Meisterin des Understatements aufgefallen, schlug vor dem Saisonstart im Campus des FC Bayern auf einmal ganz andere Töne an.

"Seit drei Jahren verändert sich die Frauenfußball-Landschaft sehr stark, in Deutschland ist die Zeit ein bisschen dahingeplätschert, und so wie es bisher läuft, werden wir in den nächsten Jahren nicht weiterkommen. Deswegen haben wir als Verein einen Vierjahresplan erarbeitet, um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet zu sein."

Darin verankert: die Wachablösung des VfL Wolfsburg in der Frauen-Bundesliga. Und auch der Gewinn der Women’s Champions League, zuletzt in einer Art Endlosschleife an Olympique Lyon mit der deutschen Weltklassefußballerin Dzsenifer Marozsan gegangen, wird in München für möglich gehalten. Die Verfolgerrolle passt nicht zum Selbstverständnis dieses Klubs. Danner ging auch deshalb in die Offensive, weil Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ihr Rückendeckung erteilt hatte.

Trainer Scheuer rätselt

Doch am Wochenende haben die hochtrabenden Pläne einen gehörigen Dämpfer erhalten. Über die 1:2-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen am Sonntag (16.09.19) rätseln die Bayern-Frauen selbst. "Es ist nicht zu erklären, wie man so zuhause auftreten kann", sagte der ernüchterte Bayern-Trainer Jens Scheuer. Der vom SC Freiburg gekommene Coach hatte erst zu Saisonbeginn den lange sehr erfolgreichen Thomas Wörle abgelöst, um das Team in eine neue Ära zu überführen.

Nach den hochkarätigen Abgängen war der Kader unter anderem mit WM-Shootingstar Giulia Gwinn, Nationalspielerin Linda Dallmann oder der Lyon-Rückkehrerin Carolin Simon verstärkt worden. In den ersten beiden Liga-Spielen beim SC Freiburg (3:1) und gegen den 1. FFC Frankfurt (3:0) gaben sich die Münchnerinnen keine Blöße. Zudem hatte die Mannschaft mit einem schwer erkämpften 2:1-Auswärtssieg in der Women’s Champions League beim schwedischen Vizemeister Göteborg FC Selbstvertrauen gesammelt.

Ausrutscher mit fatalen Folgen

Doch offensichtlich gelang es nicht, die Spannung hochzuhalten für die Pflichtaufgabe im Liga-Alltag gegen einen vermeintlichen Underdog, der in der Vorsaison als Drittletzter gerade den Abstieg verhinderte. Was sollte gegen die Werkself denn schiefgehen, die zuletzt sage und schreibe 0:8 und 1:10 gegen die Bayern-Frauen verloren hatten?

Doch dann kam alles anders: Naives Abwehrverhalten ermöglichen den tapferen Gästen die Treffer durch Henrietta Csiszar (32.) und Milena Nikolic (43.). Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Nationalspielerin Kathrin Hendrich (41.) war zu wenig. "Wir waren von der ersten Minute an nicht auf dem Platz und haben in keinster Weise umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", schimpfte der eigentlich meist sehr besonnene Scheuer. 

Statt eines Schützenfestes gab es vor wieder nur 592 Zuschauern an der Grünwalder Straße eine Blamage, die den FC Bayern bereits in Zugzwang bringt. Wegen der Zwölfer-Liga sind Ausrutscher in der Frauen-Bundesliga fatal. Der VfL Wolfsburg holte vergangene Saison 59 von 66 möglichen Punkten, spielte ganze zweimal unentschieden und leistete sich nur eine Niederlage. Der FC Bayern verlor auch nur ein einziges Mal.

Die Liga ist überrascht

Deshalb haben überraschende Pleiten in der Frauen-Bundesliga eine fast schon verheerende Wirkung, weil das Leistungsgefälle immer noch groß ist. Das belegte auch die Reaktion von Niko Arnautis, dem Trainer des 1. FFC Frankfurt, der in einer ersten Reaktion über den nächsten Gegner Leverkusen witzelte: "Ich dachte eigentlich, wir hätten ein leichtes Spiel."

Nun wird der Rekordmeister gewarnt an den Rhein reisen. Der FC Bayern spielt als nächstes beim SC Sand. Seit dem Wochenende steht auch fest, dass der FC Bayern bereits im Achtelfinale des DFB-Pokals auf den Doublesieger Wolfsburg (16./17. November) trifft. Ein Wunschlos war das nicht wirklich. Aber es passte eben zu einem gebrauchten Wochenende der FCB-Fußballerinnen.

Stand: 16.09.2019, 10:07

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