Frauen-Bundesliga: Sticheleien zwischen Bayern und Wolfsburg

Giulia Gwinn im Training des FC Bayern

Start der Frauen-Bundesliga

Frauen-Bundesliga: Sticheleien zwischen Bayern und Wolfsburg

Von Frank Hellmann

Für den Meistertitel in der Frauen-Bundesliga kommen nur der VfL Wolfsburg und der FC Bayern infrage. Vor dem Saisonstart kommt es zu ersten Scharmützeln. Die ARD-Sportschau zeigt am Samstag in Ausschnitten den Auftakt der Bayern-Frauen beim SC Freiburg.

Die Einhelligkeit ist verblüffend. Neun von zwölf Trainern aus der Frauen-Bundesliga - übrigens ausnahmslos Männer - sind der Meinung, dass in der 30. Saison der neue Meister wieder der alte sein wird. Ein Beispiel: "Ich tippe auf Wolfsburg. Der VfL und Bayern München verfügen in der Spitze und in der Breite über den besten Kader, wobei Wolfsburg für mich noch einen Tick besser aufgestellt ist", sagt Niko Arnautis, der Trainer des 1. FFC Frankfurt.

Der Rekordmeister 1. FFC Frankfurt hat genau wie Turbine Potsdam den Anschluss verloren - die reinen Frauenvereine gehen nur zum Eröffnungsspiel (Freitag, 18.30 Uhr) voraus, stellen sich aber bei der Titelvergabe hintenan. Seit 2013 haben nur noch die VfL- und FCB-Fußballerinnen die Schale bekommen. Bayern war 2015 und 2016 an der Reihe, zweimal davor und dreimal danach Wolfsburg. "Wenn diese beiden Teams am Ende nicht Erster oder Zweiter werden, dann ist da in den Vereinen etwas schiefgelaufen", sagt Ralf Kellermann, Wolfsburgs sportlicher Leiter.

Frauenfußball-Bundesliga startet in dreißigste Saison

Sportschau 13.08.2019 02:28 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 ARD

Meisterschaftskampf mit zwei Vereinen

Der ehemalige Zweitligatorwart will die in Essen, Freiburg, Potsdam, Frankfurt oder Hoffenheim geleistete Arbeit gar nicht abwerten, "aber die Qualität der Kader in Wolfsburg oder München hebt sich doch schon deutlich vom Rest der Liga ab". Nur das "Duo Infernale" ist auch im internationalen Vergleich konkurrenzfähig. Sportlich und wirtschaftlich.

Pernille Harder vom VfL Wolfsburg

Torjägerin der Güteklasse: Pernille Harder vom VfL Wolfsburg

Zumal die Champions-League-Teilnehmer regelmäßig auch die deutschen Nationalspielerinnen locken: Svenja Huth, die Vizekapitänin bei Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, lange in Frankfurt, danach in Potsdam am Ball, hat sich jetzt auch dem VfL Wolfsburg angeschlossen. Dort sollen sich künftig nach amerikanischem Vorbild drei Spielerinnen (Almuth Schult, Alexandra Popp und Pernille Harder) das Kapitäninnenamt teilen. Die Regenbogenbinde von Vorgängerin Nilla Fischer wechselt also.

Kellermann stichelt gegen Bayern

Neuerungen gibt es auch beim Vizemeister: Giulia Gwinn, beste Nachwuchsspielerin der ansonsten eher unerfreulich verlaufenden WM in Frankreich, zog es vom SC Freiburg zum FC Bayern, Linda Dallmann kam von der SGS Essen und schließlich kehrte auch Carolin Simon (Olympique Lyon) wieder in die Bundesliga zurück.

"Ich finde, dass sich die Bayern seit Jahren kleiner machen als sie sind", sagte Kellermann im Interview mit der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung. "Jedes Jahr Nationalspielerinnen zu verpflichten und dann immer zu sagen: 'Wolfsburg steht über uns' - das hätte ich als Verantwortlicher nicht zugelassen und das passt auch nicht zur grundsätzlichen Philosophie des FC Bayern." Er sei sich sicher: "Eine zu defensive Haltung macht sich irgendwann auch in den Köpfen bemerkbar. Mit dem neuen Trainer ändert sich das wahrscheinlich."

Vierjahresplan in München

Tatsächlich hat sich der aus Freiburg geholte Jens Scheuer ziemlich klar positioniert: "Unser Ziel als FC Bayern muss es sein, auf Sicht wieder ganz vorne zu stehen und den VfL Wolfsburg abzulösen." Bayerns Managerin Karin Danner sagte: "Seit drei Jahren verändert sich die Frauenfußball-Landschaft sehr stark, in Deutschland ist die Zeit ein bisschen dahingeplätschert, und so wie es bisher läuft, werden wir in den nächsten Jahren nicht weiterkommen. Deswegen haben wir als Verein einen Vierjahresplan erarbeitet, um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet zu sein."

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ist inzwischen über die Entwicklung bei den Frauen bestens informiert und offenbar auch bereit, in größerem Stile als bisher zu investieren. Denn wie erklärte Danner noch: "In Europa geht die Post ab und sie wird noch weiter abgehen. Entweder wir sind dabei - oder wir fallen hinten runter."

ARD-Sportschau zeigt Ausschnitte

Am Ende könnte nicht nur die Wachablösung des VfL Wolfsburg, sondern auch der Gewinn der Women’s Champions League stehen. Dass die Bayern-Frauen im Frühjahr ziemlich überflüssig im Halbfinale gegen den FC Barcelona (0:1, 0:1) gescheitert sind, wurmte die Spielerinnen immens. Aber noch mehr ärgerte Führungskräfte wie Melanie Leupolz, dass es der Verein nicht wagte, damals eine größere Bühne als das nur 2.500 Zuschauer fassende Stadion auf dem Bayern-Campus zu bespielen. Solch stiefmütterliche Behandlung soll der Vergangenheit angehören.

Ob die Bayern-Frauen bereits in diesem Jahr in titeltauglicher Verfassung sind, darüber könnte das Auftaktspiel beim Pokalfinalisten SC Freiburg (Samstag, 13 Uhr) Aufschluss geben. Die ARD-Sportschau zeigt am selben Tag Ausschnitte (ab 18 Uhr). Der Titelverteidiger Wolfsburg wiederum tritt am Tag darauf gegen den SC Sand (Sonntag 14 Uhr) an. Deren Trainer Sascha Glass hat sich übrigens in der Meisterschaftsfrage als einziger neben den Betroffenen Stephan Lerch (Wolfsburg) und Scheuer nicht festlegen wollen. Vielleicht hat er einen Plan ausgeheckt, dem Topfavoriten gleich ein Bein zu stellen.

Stand: 16.08.2019, 13:04

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