DFB-Frauen voller Vorfreude nach Straßburg

Ansprache der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Frauen-Nationalmannschaft

DFB-Frauen voller Vorfreude nach Straßburg

Von Frank Hellmann

Das Freundschaftsspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Frankreich am Donnerstag (20.55 Uhr/sportschau.de) wird aufgewertet. Kurzfristig erlauben die Behörden in Straßburg 5.000 Zuschauer. Der Klassiker erhält damit einen würdigen Rahmen. Trotz vieler Ausfälle macht sich große Vorfreude breit.

Es ist eine ganz außergewöhnliche Reise, die die Frauen-Nationalmannschaft zum prestigeträchtigen Freundschaftsspiel in Straßburg gegen Frankreich unternimmt.

Am Vormittag besteigen die Spielerinnen im Teamquartier in Neu-Isenburg vor den Toren Frankfurts den Mannschaftsbus, mit Zwischenhalt in Karlsruhe geht’s in das Elsass, nach dem Spiel wird noch im Stadion eine Mahlzeit eingenommen, ehe in der Nacht die Rückfahrt ansteht.

Anstrengend gewiss, aber in Corona-Zeiten ohne Übernachtung auch sicherer. Die französischen Behörden haben kurzfristig 5.000 Zuschauer für den Frauenfußball-Klassiker erlaubt. Ein Umstand, der die deutsche Delegation aber ausdrücklich erfreut, denn Geisterspiele gab es auch bei den DFB-Frauen mittlerweile genug.

Tipps von der französischen Meisterin Sara Däbritz

Die deutsche Fußballspielerin Sara Däbritz im Nationalmannschaftstrikot

Wie wichtig der Vergleich gegen den WM-Ausrichter von 2019 ist, zeigt die Tatsache, dass Sara Däbritz (Sehnenentzündung am Schienbein) und Marina Hegering (Oberschenkelprobleme) zwar die Ausfallliste verlängern, aber bis zum Wochenende beim Team bleiben wollen. Gerade Führungskraft Däbritz, die sich zuletzt gegen Australien (5:2) und Norwegen (3:1) in überragender Form präsentierte, will ihre Mitspielerinnen "von außen pushen".

Sie gewann mit Paris St. Germain erstmals die französische Meisterschaft, löste damit Abonnementsmeister Olympique Lyon ab, und die 26-Jährige hat immer noch Gänsehaut, wenn sie daran denkt, "wie uns vor dem Spiel 2.000, 3.000 Fans abgefangen und gefeiert haben". Frankreich sei, nicht zuletzt wegen der Ausrichtung der WM 2019, definitiv ein Land geworden, "das sich für den Frauenfußball begeistert".

Das komplette Mittelfeld fehlt

In Deutschland ist zuletzt viel darüber gesprochen worden, wie ein neuer Schub für den Frauen- und Mädchenfußball aussehen könnte. Turid Knaak sieht in erster Linie die Spielerinnen gefordert: "Wir müssen unsere Leistungen bringen und damit medial auf uns aufmerksam machen." Generell sei sie "für mehr Frauen in Führungspositionen, das gilt aber für alle gesellschaftlichen Bereiche".

Voss-Tecklenburg: "Turid Knaak hat einen besonderen Stellenwert" Sportschau 09.06.2021 01:04 Min. Verfügbar bis 09.06.2022 Das Erste

Die 30-Jährige hat als erste aktive deutsche Nationalspielerin kürzlich promoviert und darf nun den Doktortitel führen. Die vereinslose Mittelfeldspielerin, deren Vertrag bei Atletico Madrid ausgelaufen ist, hat für das Frankreich-Spiel gute Einsatzchancen. Mit Dzsenifer Marozsan (USA-Engagement), Melanie Leupolz (Mandelentzündung), Däbritz oder Lina Magull fehlt unter anderem das komplette Mittelfeld der Stammbesetzung.

Einsatzgarantie für Sjoeke Nüsken

Zwei Plätze sollen Linda Dallmann vom Meister FC Bayern und Sjoeke Nüsken vom Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt übernehmen. Die Bundestrainerin lobte Dallmann als "mutige Fußballerin, die kein Duell scheut"; Nüsken schätzt sie als "sehr spielintelligente Mittelfeldspielerin, die auf dem Platz gute Entscheidungen trifft und körperliche Physis hat."

Die 21-Jährige hat einen fast kometenhaften Aufstieg hingelegt. Anfangs bei der Eintracht oft nur Ersatz, eroberte sie sich im zentralen Mittelfeld bald einen Stammplatz, debütierte im Februar gegen Belgien bei den DFB-Frauen – und wird nun mit dem vierten Länderspieleinsatz belohnt. Voss-Tecklenburg möchte nicht über die vielen Ausfälle lamentieren, sondern fordert die Nachrückerinnen auf, die Chance gegen "einen spannenden Gegner" zu nutzen.

Martina Voss-Tecklenburg

Martina Voss-Tecklenburg

"Wir haben viele etablierte Spielerinnen, die, wenn sie alle gesund sind, ihren Platz behaupten werden", sagte die 53-Jährige mit Blickrichtung auf die EM 2022 in England: "Und wir haben die jungen, die schon sehr weit sind und genau daran kratzen werden". Deshalb sei es spannend zu sehen, "welche Spielerinnen echte Alternativen sind, wenn uns die eine oder andere ausfällt". Klar, die Mannschaft war anders geplant, aber "jetzt wird der Spannungsbogen hochgefahren".

Der direkte Draht zu Jogi

Wie es ein bisschen der Zufall will, spielen die Frauen zuerst gegen Frankreich, ehe fünf Tage später die Männer zum EM-Auftakt in München folgen. Deswegen hätte es in Herzogenaurach sogar ein gemeinsames Treffen der beiden Nationalteams geben sollen, die Planungen waren weit gediehen, doch die strengen Hygienevorschriften in der Pandemie machen die Begegnung unmöglich.

Die Bundestrainerin hat am Mittwoch eigens nochmal betont, wie sehr sie sich auch auf die bevorstehende Männer-Europameisterschaft freut, die aus ihrer Sicht auch immer "viele Erkenntnisse über den Entwicklungsprozess im Fußball" insgesamt vermittelt.

Der gute Draht zwischen Bundestrainer Joachim Löw und ihr ist - seit einem launigen gemeinsamen Auftritt auf dem Amateurkongress in Kassel vor der Corona-Pandemie - verbürgt. "Ich habe seine Nummer, und er hat meine", sagte Voss-Tecklenburg, die auf jeden Fall nach dem Frankreich-Spiel eine "seriöse SMS an Jogi" absetzen will, "dass wir an die Mannschaft glauben und natürlich die Daumen drücken". Wenn die Frauen vorher Frankreich geschlagen haben, wäre das vielleicht auch schon mal ein kleiner Fingerzeig.

Stand: 09.06.2021, 17:57

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