DFB-Frauen - Niederlage mit Aufbaueffekt

Klara Bühl

Auf dem Weg zur Frauen-EM 2022

DFB-Frauen - Niederlage mit Aufbaueffekt

Von Frank Hellmann

Auch wenn die Erfolgsserie des deutschen Frauen-Nationalteams gerissen ist: Selten hat Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg aus einer Niederlage so viele positive Aspekte herausgefiltert wie nach dem 1:2 zum Abschluss des Drei-Nationen-Turniers gegen die Niederlande.

Klara Bühl stemmte die Hände in die Hüfte, der Blick schweifte ins Leere, das Gesicht war blass: Die Stürmerin des FC Bayern lieferte am Mittwochabend im Stadion "De Koel" in Venlo das unfreiwillige Sinnbild der Enttäuschung für die erste Niederlage des deutschen Frauen-Nationalteams nach zwölf Siegen hintereinander.

Erstmals nach dem Viertelfinalaus bei der WM 2019 gegen Schweden (1:2) hatten die DFB-Frauen gegen die Niederlande (1:2) wieder verloren. Die 20-jährige Klara Bühl hatte am Ende so viele Fahrkarten geschossen, dass sie sich dafür hauptverantwortlich fühlte.

Klara Bühl ist den Tränen nahe

"Sie war den Tränen nahe, aber da muss sie heute durch", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die frühere Weltklassestürmerin wollte der beim SC Freiburg ausgebildeten Schwarzwälderin deswegen natürlich keinen Vorwurf machen: "Sorry, das Mädel ist noch so jung. Ich gehe davon aus, dass sie in anderthalb Jahren cooler vor der Kiste ist."

Dasselbe Manko galt übrigens auch für ihre Münchner Vereinskollegin Lea Schüller. So traf allein die Frankfurter Torjägerin Laura Freigang, die vor der Pause den besten Spielzug zum zwischenzeitlichen 1:1 (44.) veredelte. Nach einer irritierend schwachen ersten Hälfte war dieses Tor der "Knotenlöser", wie die zur Pause ausgewechselte Freigang sagte. Als sie aus der Dusche gekommen sei, sagte die 23-Jährige, "sah das super aus, da hatten wir mindestens ein Unentschieden verdient: Ich hätte Klara oder Lea mehr als ein Tor gegönnt."

Marina Hegering und Lina Magull vermisst

Doch womöglich hat der Chancenwucher auch etwas Gutes: Als sich die deutschen Fußballerinnen nach einem erneuten Corona-Test am Donnerstag aus Düsseldorf auf die Heimreisen zu ihren Vereinen begaben, dann sind sie mit Blick auf die EM 2022 in England um wertvolle Erfahrungen reicher.

Auch die hochrangigen DFB-Funktionäre vor Ort in Venlo, Generalsekretär Friedrich Curtius, Direktorin Heike Ullrich und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, dürften gesehen haben: Härtetests wie beim Drei-Nationen-Turnier - ausgerichtet zum Zwecke der gemeinsamen WM-Bewerbung 2027 - bringen ergebnisunabhängigen Fortschritt, denn in vielen Qualifikationsspielen zu EM oder WM sind die Leistungsunterschiede im Frauenfußball immer noch zu groß.

Video - DFB-Frauen verlieren knapp gegen clevere Niederlande Sportschau 24.02.2021 04:30 Min. Verfügbar bis 24.02.2022 Das Erste

"Nur in solchen Spielen können sich unsere Spielerinnen weiterentwickeln", insistierte Voss-Tecklenburg. Der nächste Prüfstein soll - wenn es die Pandemie erlaubt - übrigens am 10. April Australien sein, die gemeinsam mit Neuseeland der Ausrichter der Frauen-WM 2023 sind. Dann sind wohl auch Marina Hegering und Lina Magull dabei, die beim FC Bayern und im Nationalteam tragende Rollen besetzen – nun aber verletzungsbedingt fehlten.

Auch Merle Frohms macht wichtige Erfahrungen

Wie wichtig das Niederlande-Spiel war, zeigte sich auch an der vielbeschäftigten Torhüterin Merle Frohms. Die 26-Jährige ist fest gewillt, ihren Stammplatz bis zur EM auch gegenüber der wieder um den Anschluss kämpfenden Almuth Schult zu verteidigen. Insgesamt zeigte die Torfrau von Eintracht Frankfurt eine starke Leistung, leistete sich aber einige Unsicherheiten und Schwächen mit dem Fuß. "Aus diesem Spiel wird sie viel lernen", sagte Voss-Tecklenburg.

Das war ohnehin das Schlagwort des erkenntnisreichen Abends mit Blick auf die nächsten Großturniere. "Wir hatten einen großen Gegner mit hoher individueller Qualität. Dann zahlt man ab und zu auch Lehrgeld", erklärte die bestens gelaunte Bundestrainerin, wohl wissend, dass vor allem die herausragende Mittelstürmerin Vivianne Miedema ihrer jungen Innenverteidigung mit Lena Oberdorf, 19, der früh mit einem Brummschädel ausgewechselten Lena Lattwein, 20, oder Sophia Kleinherne, 20, die Defizite aufzeigte.

Dzsenifer Marozsan und Sara Däbritz tauchen anfangs ab

Warum die deutsche Elf in einer fatalen Mischung aus Furcht, Respekt und Passivität anfangs überhaupt keinen Zugriff gegen den hoch pressenden Vizeweltmeister und Europameister fand, will die 53-Jährige im Detail noch analysieren. In dieser Phase tauchten auch die in Frankreich so hoch geschätzten Führungsspielerinnen Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon) oder Sara Däbritz (Paris St. Germain) völlig unter.

"Wir haben 35, 40 Minuten verschlafen", bemängelte Kapitän Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg, die einmal mehr als kämpferisches Vorbild voranging. Ihre Mitspielerinnen erinnerten sich noch rechtzeitig an ihren Widerstandsgeist, doch trotz guter deutscher Moral behielten die "Oranje Leeuwinnen" nach Toren von Jackie Groenen (16.) und Danielle van de Donk (61.) die Oberhand.

Frauenfußball - Kleine Enttäuschung trotz starker Halbzeit

Sportschau 25.02.2021 01:25 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 ARD Von Marc Eschweiler


Lena Oberdorf bleibt Optimistin

In einem K.o.-Duell eines Turniers wären die individuellen Versäumnisse hinten und vorne verhängnisvoll gewesen, so aber bleibt noch genügend Zeit für die Entwicklung. "Man sieht, was man verbessern muss", sagte Abwehrchefin Oberdorf, die mit ihrem Wechsel zum Doublegewinner Wolfsburg ihren persönlichen Reifeprozess vorangetrieben aus. Aus ihrer Sicht gehöre Deutschland nach wie vor "zu den Teams, die an der Weltspitze sind".

Und deshalb müsse sich auch niemand nach dem Leistungsvergleich in der deutsch-niederländischen Grenzstadt groß grämen. Erst recht nicht Klara Bühl, 2019 übrigens von DFB-Präsident Fritz Keller noch persönlich mit der goldenen Fritz-Walter-Medaille als hoffnungsvollste deutsche Nachwuchsfußballerin ausgezeichnet.

Stand: 25.02.2021, 11:11

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