DFB-Frauen: Lea Schüller und die vielen Vorbilder

Lea Schüller trifft zum 3:1 und jubelt.

Frauenfußball I WM-Qualifikation

DFB-Frauen: Lea Schüller und die vielen Vorbilder

Von Frank Hellmann

Lea Schüller hat sich beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft zur besten deutschen Torjägerin entwickelt, die beim WM-Qualifikationsspiel gegen Israel (Dienstag, 16.05/live ARD) an alter Wirkungsstätte in Essen wieder ihren Hashtag bedienen will.

Das mit Vorbildern bei Fußballerinnen ist so eine Sache. Bei einigen gilt es mittlerweile als uncool, ein Vorbild aus dem Männerfußball zu benennen. Lea Schüller hat damit kein Problem, schließlich ist sie auf diesem Wege erst zu ihrem Sport gekommen.

"Ich habe 2004 im Frankreich-Urlaub die Europameisterschaft der Männer geschaut, denn Frauenfußball gab es kaum im Fernsehen, und danach wollte ich unbedingt selber Fußball spielen." Seit ihrer Kindheit drückt die aus Tönisvorst am Niederrhein stammende Nationalspielerin zudem Borussia Dortmund die Daumen, worüber sie in einer Medienrunde aus Düsseldorf genauso offen gesprochen hat wie über ihr angebliches Idol Marco Reus.

Der Hashtag #esSchüllert gefällt ihr

Da wollte die aktuell beste deutsche Stürmerin vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Israel dann doch mal etwas klarstellen. Es würde ja immer wieder kolportiert, dass sie nur auf den BVB-Kapitän blicke, aber das stimme gar nicht.

"Wenn ich Fußball gucke, dann gerne Dortmund, und da schaue ich mir auch etwas von Erling Haarland ab." Zudem habe sie in ihrem Verein beim FC Bayern natürlich mit Robert Lewandowski den Weltfußballer im Blick, "bei dem ich mir viel abschauen kann und sollte."

Virtueller Doppelpass mit Thomas Müller

Bei so viel Affinität in den männlichen Bereich verwundert es kaum, dass die 23-Jährige immer häufiger von einem Hashtag begleitet wird, der vom berühmtesten Torjäger Deutschland abgeleitet ist. Mit #esSchüllert werden ihre Treffer in den sozialen Medien begleitet, was zwangsläufig noch zu Bayerns Nationalspieler Thomas Müller führt, der seine Tore stets mit #esmuellert kennzeichnet. "Ich mag diesen Hashtag. Es ist eine Ehre, auf diese Weise mit jemandem wie ihm verglichen zu werden."

Gibt tatsächlich Schlimmeres, als hier klubinterne virtuelle Doppelpässe zu spielen, zumal die Frauen des FC Bayern eine ähnliche Dominanz wie die Männer planen. Die schnelle Mittelstürmerin war mit 16 Toren übrigens treffsicherste Münchnerin in der Meisterschaftssaison 2020/2021.

DFB-Frauen freuen sich auf Heimspiel

Sportschau 25.10.2021 01:12 Min. Verfügbar bis 25.10.2022 ARD


Eine andere Welt

Schüller kam im Sommer 2020 auf dem Bayern-Campus in eine neue Welt, an die sie sich nach eigener Aussage erst gewöhnen musste. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bestätigte am Montag auf Sportschau-Nachfrage die Entwicklung zur Führungsspielerin: "Sie hat Zeit gebraucht, ist aber einen Reife- und Veränderungsprozess gegangen: Lea hat den nächsten Schritt gemacht."

Zwar gebe es vier, fünf Stürmerinnen im Kader, und jede müsse den Nachweis immer wieder erbringen, aber die Bundestrainerin gab Schüller nicht umsonst zuletzt den Vorzug etwa vor der selbstbewussten Aufsteigerin Laura Freigang von Eintracht Frankfurt. Ihre Pluspunkte sind die größere Dynamik oder das bessere Kopfballspiel.

In den Pausen wird fürs Studium gelernt

Inzwischen führt an der in 31 Länderspielen schon 19 Mal erfolgreichen Angreiferin weder im Verein noch im Nationalteam ein Weg vorbei. Parallel zum Sport treibt sie mit großem Eifer ihr Fernstudium im Wirtschaftsingenieurwesen voran.

Lea Schüller (FC Bayern München, FCB, 11) zieht ab

Auch beim FC Bayern treffsicher: Lea Schüller

Der Lernstoff ist anspruchsvoll, wie sie sagt, und wenn bei Länderspielreisen wie zuletzt nach Israel noch Zeit ist, zockt sie nicht an der Playstation, sondern vertieft die digitalen Studieninhalte. "Das machen viele andere hier genauso. Wenn wir frei haben: Dann wird gelernt", sagt Schüller, die sich mal einen Job im Automobil- oder Architekturbereich vorstellen kann.

Acht Jahre bei der SGS Essen

Insgesamt acht Jahre reifte die junge Frau zunächst im Jugend- und Erwachsenenbereich bei der SGS Essen, wo ihr die behutsame Förderung und das familiäre Ambiente ausgesprochen behagten.

Der Ausbildungsverein aus dem Stadtteil Essen-Schönebeck hat schon so viele Nationalspielerinnen herausgebracht, dass Bundestrainerin Voss-Tecklenburg im Liga-Alltag hier bis heute gerne vorbeischaut - auch als Zeichen von Wertschätzung. Der Verein entsendet zur Israel-Partie mehrere seiner Teams ins Stadion an der Hafenstraße, wo sich auch Schüllers Eltern und Großeltern angesagt haben.

Horst Hrubesch erkannte ihr Talent

Wer weiß, zu welcher Form die Torjägerin aufläuft, die beim 5:1 gegen Serbien im September dieses Jahres bereits ihren zweiten Viererpack für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft schnürte. Der erste im April 2018 bei einem 4:0 gegen Tschechien fiel noch in die Amtszeit des damaligen Interimstrainers Horst Hrubesch, der als ehemaliger Stürmer mit fachmännischem Blick sehr früh die Qualitäten der Strafraumspielerin erkannte.

Solchen Torhunger entwickelte in der Vergangenheit allein die unersättliche Rekordtorjägerin Birgit Prinz, die Schüller übrigens als Erste aufgezählt hat, als es um mögliche weibliche Idole ging. Praktischerweise arbeitet die dreimalige Weltfußballerin, die seit Jahren jedwede Öffentlichkeit scheut, als Teampsychologin beim Nationalteam mit - und spendierte am Montag den Nationalspielerinnen einen Kuchen zu ihrem 44. Geburtstag. "Es ist schön, dass ich auch von ihr mir Tipps holen kann", betont Lea Schüller. Und das sogar von Angesicht zu Angesicht.

Stand: 25.10.2021, 14:49

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